Rund zwei Drittel der an Brustkrebs erkrankten Frauen leiden an einer hormonabhängigen Form. Das bedeutet, dass körpereigene Sexualhormone wie Östrogene das Wachstum des Brustkrebses regulieren und antreiben können. Deshalb werden die meisten Frauen mit solchen hormonempfindlichen Erkrankungen nach dem operativen Eingriff medikamentös nachbehandelt.

Damit kann eine drohende Ablegerbildung (Metastasen) verhindert werden. Ganz unabhängig vom Alter der Patientin hat man damit seit mehr als 30 Jahren erfolgreich einen beträchtlichen Anteil an Rückfällen verhindert. Leider aber nicht bei allen Brustkrebspatientinnen. Sie entwickeln trotz dieser präventiven Behandlung Metastasen. Bei hormonempfindlichen Brustkrebsformen bleibt die Blockierung der wachstumsfördernden Sexualhormone weiterhin die Basis der Weiterbehandlung.

Verschiedenste antihormonell wirksame Medikamente werden abwechselnd verabreicht und können so die fortgeschrittene Erkrankung oft auf lange Zeit kontrollieren. Leider kommt es aber zu einem späteren Zeitpunkt meistens zu einem Therapieversagen. Die Folge: ein erneutes Wachstum der Metastasen. Fachleute sprechen von der Entwicklung einer Hormonresistenz.

Der Hormonresistenz auf der Spur

Dieses Problem der Hormonresistenz wird zurzeit intensiv klinisch erforscht. Erst wenn man weiss, wie die komplexen Regulierungsmechanismen (Signalpfade) in der Krebszelle funktionieren, kann man nachvollziehen, wieso Krebszellen plötzlich nicht mehr auf Antihormone ansprechen. Verantwortlic  h dafür ist die Aktivierung von alternativen Signalmechanismen.

Gerade diese Signalpfade können aber durch neue Krebsmedikamente blockiert werden. Verschiedenste neue Substanzen werden derzeit klinisch mit dem Ziel überprüft, diese Signalmechanismen auf verschiedenste Weise zu hemmen. Damit könnte die Hormonempfindlichkeit der Brustkrebszelle wieder hergestellt werden. Eine wichtige Studie wurde vor kurzen publiziert und die Resultate sind äusserst vielversprechend. Es ist nämlich gelungen, die Hormonresistenz zu durchbrechen, indem ein wichtiges Zielprotein in der Krebszelle blockiert wurde.

In Kombination mit einem Hormonsenker hat das Medikament bei einem beträchtlichen Anteil von Patientinnen in der Postmenopause mit fortgeschrittenem, hormonresistentem Brustkrebs zur Stabilisierung der Erkrankung geführt. Das Medikament wird auch für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkrebses angewendet. Im Vergleich zur besten verbleibenden antihormonellen Behandlungsalternative wird das Fortschreiten der Erkrankung um mehrere Monate verzögert werden. Damit kann auf eine sofortige Chemotherapie verzichtet werden.

Studienteilnehmerinnen gesucht

Viele betroffene Frauen können neue Hoffnung schöpfen, da es erstmals gelungen ist, das regelmässig auftretende Problem der Hormonresistenz zu durchbrechen. Um aber den wissenschaftlichen Fortschritt rasch voranzutreiben, ist es enorm wichtig, dass erkrankte Frauen an neuen Studien teilnehmen, wie sie im Brustzentrum in Zürich zurzeit anlaufen.