Die typischen Krebs-Behandlungsmethoden sind die operative Entfernung, die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Die Immuntherapie ist alt, etabliert sich aber erst als wichtige Säule in der Krebsbehandlung. Ziel ist es, das Körpereigene Immunssystem so zu beeinflussen, dass der natürliche Abwehrprozess gegen veränderte Krebszellen verstärkt wird.

Normalerweise wird ein Tumor operativ entfernt oder mit Chemo- oder Strahlentherapie behandelt. Da aber nicht immer alle Tumorzellen und Metastasen vernichtet werden können, spielt die Krebsimmuntherapie eine immer wichtigere Rolle. Man unterscheidet zwischen der passiven und der aktiven Immunologie. Bei der passiven Immunologie werden Antikörper injiziert, die die Erreger bekämpfen. Der Körper selber löst also keine Immunreaktion aus.

Ganz anders bei der aktiven, bei der dem Körper Substanzen verabreicht werden, die eine Immunreaktion auslösen. Immuntherapien lösen aber nicht nur eine Immunantwort aus, sie greifen auch in deren Regulation ein.

Immunsystem bekämpft Tumorzellen

Als Vater der Immuntherapie gilt der ehemalige US-amerikanische Onkologe William Coley, der 1891 Bakterien direkt in den Tumor eines Patienten injizierte, der nach damaligem Stand der Medizin nur noch wenige Wochen zu leben gehabt hätte. Der Tumor bildete sich zurück und der Patient überlebte in der Folge noch weitere acht Jahre. 1908 erhielt der deutsche Immunologe Paul Ehrlich den Nobelpreis für Medizin.

Ehrlich stellte unter anderem die Theorie auf, dass das Immunsystem Tumorzellen beseitigen kann. 1957 kam ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Krebsimmuntherapie hinzu. Der Brite Alick Isaacs und der Schweizer Jean Lindenmann entdeckten das Protein Interferon, das als eigenes Gewebshormon in den menschlichen Zellen gebildet wird. 

Vier Jahre später gelang die Synthese dieser Interferon-Gene in Bakterien, was eine Herstellung von reinem Interferon ermöglichte. 1965 wurde das Protein Interleukin-2 entdeckt, das in der Lage ist, T-Zellen wachsen zu lassen.

Weisse Blutkörperchen als Wächter

Der australische Mediziner Frank Macfarlane Burnet griff Paul Ehrlichs These in den Siebzigerjahren wieder auf. Er nannte sie «These der Immunüberwachung». Eine entscheidende Rolle sprach er den T-Zellen zu, einer Gruppe der weissen Blutkörperchen, die für das Abwehrsystem zuständig sind.

Die These ist umstritten, auch wenn mittlerweile anerkannt wird, dass das Immunsystem in der Lage ist, Tumorzellen zu erkennen und zu entfernen. Unglücklicherweise ist es aber so, dass sowohl die Chemo- als auch die Strahlentherapie das Immunsystem des Patienten schwächen. Für seine Forschungen erhielt Burnet den Nobelpreis.

Nicht alle Patienten reagieren gleich

Doch worin unterscheidet sich die Immuntherapie zum Beispiel von der Chemotherapie? Während die Wirkungen bei der Chemotherapie schnell eintreffen, kann die Immunantwort bei der Immuntherapie etwas länger auf sich warten lassen. Die Chemotherapie kann die Zellanzahl schnell vermindern. Allerdings sind auch normale sich schnell vermehrende Zellen wie Blut- und Harzellen betroffen, was zu Neutropenie und Haarausfall führt.

Bei der Immuntherapie hängt es vom Medikament ab, welche AEs (adverse events, auf deutsch: unerwünschte Ereignisse) eintreffen. Das Alpha-Interferon kann grippeähnliche Symptome hervorrufen, Interleukin-2 zu einem Kapillarlecksyndrom führen. CTLA-4 ist ein entscheidendes Protein in der Steuerung des Immunsystems und Gegenstand aktueller Forschung.

Einflussnahme auf diese Regulierung, etwa mittels Antikörper, kann mit unerwünschten Ereignissen wie entzündlichen Hautreaktionen oder Durchfall assoziiert sein. Die Krebsimmuntherapie muss sich noch einigen Herausforderungen stellen. So können tatsächlich nur ein Teil der so behandelten Patienten darauf reagieren. Es ist schwierig, zu erkennen, welcher Patient darauf ansprechen kann und welcher nicht. Dennoch ist die Krebsimmuntherapie ein vielversprechender Ansatz - in Ergänzung zu den klassischen Behandlungsmethoden.