An einer Chemotherapie arbeiten verschiedene Fachleute wie Mediziner, Pharmazeutiker und Pflegefachkräfte. Und um diese Zusammenarbeit optimal zu gestalten, sollte eine Therapie qualitative Kriterien, wie patientenzentrierte Fürsorge, mit quantitativen Kriterien, wie Effizienz und finanziellem Gleichgewicht, verbinden. Der Druck bezüglich der dafür nötigen Ressourcen wird aber immer grösser.

Gemäss einer Erhebung des britischen Gesundheitsdepartements ist in Europa die Nachfrage nach Chemotherapie von grosszelligem Lungenkrebs und metastatischem Brustkrebs in den letzten Jahren rasant angestiegen. Aus dem Grund hat das Kent Oncology Centre in England untersucht, inwiefern Zeit und somit personelle Ressourcen gespart werden können, wenn das gleiche Medikament in der Chemotherapie dem Patienten nicht als Infusion, sondern über den Mundweg verabreicht wird.

Das Ergebnis: Ein Wechsel von intravenös zu oral steigert tatsächlich die Kapazität der Chemotherapie. Es wurden jedoch grosse Unterschiede festgestellt zwischen den insgesamt acht untersuchten Onkologiezentren in Deutschland, Dänemark, Italien und Spanien.

Weniger Zeitaufwand

Für die Untersuchung wurde ein Tag in der Chemotherapie von insgesamt 121 Patienten mitverfolgt, davon 81 mit Lungenkrebs und 40 mit Brustkrebs. Gemessen wurde die Dauer von vier Prozessen der Therapie: Der Bluttest, die Untersuchung und Verschreibung der Medikamente durch den Arzt, die Vorbereitung und Abgabe der Arzneimittel durch den Pharmazeutiker und die Überwachung nach der Behandlung durch die Pflegefachkräften.

Bei 72 Patienten wurde das Medikament oral verabreicht, bei 49 intravenös. Über den ganzen Behandlungstag gemessen, haben die Patienten, die das Medikament über den Mundweg erhalten haben, rund 85 Minuten weniger Zeit aufwenden müssen. Lediglich in einem untersuchten Onkologiezentrum dauerte die Behandlung bei dieser Verabreichungsform ein wenig länger.

Die Zeiteinsparungen waren am grössten bei der Vorbereitung und Abgabe der Arzneimittel mit 35 Minuten und bei der Überwachung nach der Behandlung mit 30 Minuten. Die Untersuchung und Verschreibung der Medikamente dauerte praktisch gleich lang. Von einer Zeitreduktion profitieren also neben den Patienten die Pharmazeutiker und Pflegefachleute. Die Ärzte können diese Zeit nutzen, um eine bessere Arzt-Patienten Beziehung aufzubauen.

Ermöglicht die Behandlung zu Hause

Die Unterschiede zwischen den untersuchten Krebsbehandlungszentren in Europa wurden nicht weiter untersucht. Sie könnten gemäss Professor Roger D. James vom Krebszentrum in Kent auf die Art der Anlage und der Behandlung, die Zusammensetzung des Teams der verschiedenen Fachleute und die Vergütungsart der Zentren zurückzuführen sein.

Für die Vorbereitung einer intravenösen Chemotherapie ist eine zeitaufwändige Vorbereitung der Arzneimittel nötig, weshalb einige Zentren diese extern anfertigen lassen. Ein Wechsel von einer intravenösen zu einer oralen Behandlung könnte die Abhängigkeit externer Aufbereitung reduzieren und den lokalen Apotheken damit mehr Kontrolle über die Vorbereitung und Abgabe der Medikamente verleihen, womit flexiblere Arbeitsmethoden ermuntert würden.

Die orale Chemotherapie, schreibt James, erleichtere die patientenzentrierte Fürsorge, indem es die Möglichkeit einer Behandlung zu Hause erlaube. Indes könnten die Beschaffungskosten bei der oralen Form höher sein. Dennoch werde die Anzahl erhältlicher Medikamente für die orale Chemotherapie in Zukunft wahrscheinlich wesentlich steigen, so James.

Patienten ziehen orale Behandlung vor

Die patientenzentrierte Fürsorge wird dank der verkürzten Wartezeiten optimiert. Zudem ziehen die meisten Patienten die orale Behandlung einer intravenösen vor. In einer Umfrage unter 59 an Brustkrebs erkrankten Frauen antworteten 58 Prozent, eine orale Chemotherapie sei «von Vorteil» und würde ihnen ermöglichen, «sich weniger krank zu fühlen». 40 Prozent sagten, sie würde «weniger Aufwand erfordern als eine intravenöse Therapie».

Eine andere Untersuchung unter Lungenkrebspatienten beider Geschlechter zeigte, dass knapp drei Viertel der Patienten in einer Behandlung mit zwei auf unterschiedliche Art verabreichten Medikamenten – eines oral und eines intravenös – lieber weiterhin eines über den Mundweg statt beide über eine Infusion erhielten.