Welches sind die grössten Fortschritte in der Behandlung des Prostatakrebses?

Eine der wichtigsten Errungenschaften ist der Operationsroboter Da Vinci, der uns seit zehn Jahren zur Verfügung steht. Damit kann man präziser operieren und die Patienten verlieren weniger Blut. Früher mussten sie nach einer Entfernung der Prostata etwa zwei Wochen im Spital bleiben. Heute können sie nach drei bis vier Tagen nach Hause.

Wie muss man sich das vorstellen, von einem Roboter operiert zu werden?

Es ist keineswegs so, dass der Chirurg den Patienten der Maschine überlässt sondern er steuert die Roboterarme über eine Konsole.

Auch bei den minimalinvasiven Eingriffen ohne Roboter wird durch kleine Öffnungen mit Instrumenten und Kameras operiert. Welchen zusätzlichen Vorteil bringt Da Vinci?

Im Gegensatz zur konventionellen Laparoskopie ermöglichen die Roboterinstrumente eine Beweglichkeit von 360 Grad. Zudem erzeugen zwei Linsen, die ins Becken eingeführt werden, am Bildschirm eine dreidimensionale Darstellung, die bis aufs Zehnfache vergrössert wird. So können Schnitte von einem Millimeter präzise ausgeführt werden. Ausserdem zittert Da Vinci nicht.

Wird der Roboter für sämtliche Operationen eingesetzt?

Nein, noch nicht. Neben den Urologen benutzen es auch die Herzchirurgen und die Gynäkologen. Für einfachere Eingriffe wie etwa die Entfernung der Gallenblase sind die Wartungs- und Materialkosten noch zu hoch. Doch ich denke, dass in Zukunft immer mehr Operationen so durchgeführt werden.

Inkontinenz und Impotenz sind gefürchtete Nebenfolgen nach der Entfernung der Prostata. Bringt der Roboter diesbezüglich eine Verbesserung?

Genaue Vergleichsstudien von Operationen mit und ohne Roboter gibt es noch nicht. Durch die präzisere Operationsweise kann man die Nervenbündel für die Potenz und den Schliessmuskel für die Kontinenz gut schonen. Nach einem Jahr können 95 Prozent der Operierten den Urin wieder grösstenteils halten. Die Erektionsfähigkeit ist bei gut 50 Prozent wieder vorhanden. Aber natürlich kommt es darauf an, wie gut die Erektion vorher funktioniert hat. Aus medizinischer Sicht ist ein Nervenerhalt nur sinnvoll, wenn man dabei keine Kompromisse macht bei der gesamthaften Entfernung des Tumors.

Sie operieren am Universitätsspital Zürich und verlegen die Patienten danach nach Wetzikon. Ist ein Transport so kurz nach dem Eingriff nicht unangenehm?

Weil die Apparate so teuer sind, ist nur ein gemeinsamer Gebrauch für die Spitäler wirtschaftlich. Der Transport erfolgt in Begleitung eines Notarztes und stellt für die Patienten kein Problem dar. Sie schätzen es, während des ganzen Behandlungsprozesses vom gleichen Team in ihrer Wohnregion betreut zu werden. Die Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich funktioniert sehr gut.

Gibt es weitere Verbesserungen in der Behandlung von Prostatakrebs?

Auch die Radioonkologie hat bessere Behandlungsmethoden zu bieten: Bei der perkutanen Radiotherapie erfolgt die Bestrahlung von aussen her durch die Haut. Bei der Brachytherapie werden radioaktive Kapseln in die Prostata eingeführt. Solange ein Karzinom nicht aggressiv ist und nicht fortschreitet, kann man sich auch mit einer regelmässigen Überwachung begnügen; dies nennt sich active surveillance.