Was ist das Merkelzell-Karzinom?

Das Merkelzell-Karzinom (MZK) ist eine sehr seltene und aggressive Form von Hautkrebs. Es ist 30-mal seltener als der schwarze Hautkrebs (Melanom). «Allerdings ist diese Krebsform mehr als 3-mal so gefährlich wie das Melanom», erklärt Dr. Mangana, Fachärztin für Dermatologie und Expertin in der Forschung des Merkelzellkarzinoms.

Es bildet früh Metastasen (Ableger) in den Lymphknoten oder anderen Organen. Bei etwa jedem dritten Fall liegen bei der ersten Diagnose bereits Lymphknotenmetastasen vor.

Typisch ist ein rasch wachsender, derber, rot-, blau- oder hautfarbener Knoten auf lichtexponierten Körperstellen. Die Patienten haben meistens keine Symptome. Das MZK tritt oft im fortgeschrittenen Alter bei Menschen mit heller Haut auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Dies sind mit Abstand die wichtigsten Risikofaktoren:

  • 1. Hohe UV-Strahlenbelastung über eine lange Zeitdauer
  • 2. Über einen langen Zeitraum bestehende Unterdrückung des Immunsystems.

Dr. Mangana weist darauf hin, dass deswegen Menschen mit einer Immunschwäche wie beispielsweise HIV ein erhöhtes Risiko für das Merkelzellkarzinom haben. Dies trifft auch auf organtransplantierte Patienten oder Patienten mit bösartigen Tumorerkrankungen zu.

Die Ursache des Leidens ist nicht vollständig erklärt. Bei rund zwei von drei Erkrankten können im Erbgut der Krebszellen Spuren eines menschlichen Virus nachgewiesen werden. Dieses sogenannte Merkelzell-Polyomavirus gilt als Hauptursache für einen Teil der Patienten.

Die Eigenschaften, die im Zusammenhang mit einem MKZ auftreten, können mit einem Kürzel benannt werden: «AEIOU». Dieses Kurzwort dient als Diagnosehilfe bei einer verdächtigen Hautveränderung.

  • A Asymptomatisch / schmerzlos
  • E Expanding rapidly / schnell wachsend
  • I Immunsuppression
  • O Older / älter als 50 Jahre
  • U UV-Exposition / helle Haut

Vorbeugung

Zur Vorbeugung gilt es, intensives Sonnenbaden und Sonnenbrände zu vermeiden. Die Früherkennung ist sehr wichtig: Patienten mit Risikofaktoren müssen regelmässig von Hautärzten in Bezug auf auffällige Veränderungen beurteilt werden.

Die Behandlung des Merkelzell-Karzinoms hängt laut Dr. Mangana vom Stadium der Erkrankung ab. An erster Stelle steht die chirurgische Entfernung des Ersttumors. Gleichzeitig wird der sogenannte Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) bestimmt. Es ist der dem MKZ am nächsten gelegene Lymphknoten. Wenn er tumorfrei ist, dann ist eine stattgefundene Ausbreitung unwahrscheinlich. Andernfalls müssen Lymphknoten entfernt werden. An zweiter Stelle steht, oft zusätzlich zur operativen Entfernung, die Strahlentherapie, damit möglicherweise übriggebliebene Krebszellen ebenfalls zerstört werden.

Beim Auftreten von Fernmetastasen wird eine medikamentöse Systemtherapie eingesetzt. Diese war in der Vergangenheit leider nicht erfolgreich. Doch nun können Betroffene etwas aufatmen: Die Behandlung des MZKs erfolgt heute mit einer Immuntherapie.

Eine erst kürzlich an einem grossen europäischen Krebskongress vorgestellte Studie zeigt eine hohe Ansprechrate bei den Betroffenen. Bei etwa jedem zehnten Patienten verschwand der Hautkrebs vollständig. Die Therapie wird in der Regel sehr gut toleriert. Doch bei jedem sechsten Patienten können schwere, aber gut behandelbare Nebenwirkungen auftreten.