Was sind CAR-T-Zellen?

Die CAR-T-Zellen sind laut Chefarzt Prof. Dr. Jakob Passweg vom Universitätsspital Basel ursprünglich Bestandteil der Immunabwehr.

Die T-Lymphozyten erkennen körperfremde Zellstrukturen und können diese gezielt angreifen und zerstören. Dabei richten sich diese T-Lymphozyten speziell gegen mit Viren infizierte Zellen sowie gegen Krebszellen. «Leider erkennen die T-Lymphozyten nicht alle Krebszellen», so Blutkrebsspezialist Passweg.

Sie sind sozusagen auf einem Auge blind. Darum werden jetzt T-Lymphozyten genetisch so verändert, dass sie ein neues Auge erhalten. Dieses Auge – auch Rezeptor genannt – vermag Strukturen von Krebszellen zu erkennen und dort anzudocken. Dies erlaubt es den CAR-T-Zellen, diese Krebszellen zu zerstören.

Das Verfahren zur Produktion von CAR-T-Zellen ist sehr aufwendig

Aus dem Blut des Patienten werden die T-Lymphozyten gesammelt, eingefroren und an ein hoch spezialisiertes Labor verschickt. Dieses Labor tauscht mit genetischen Verfahren den Rezeptor aus und es entstehen die CAR-T-Zellen. Diese werden nun in einer Kultur vermehrt und abschliessend wieder eingefroren und ans Spital zurückgeschickt.

Bevor die CAR-T-Zellen dem Kranken verabreicht werden, bekommt er eine intensive Chemotherapie. Sie reduziert zu einem grossen Teil die alten T-Lymphozyten.

Anschliessend werden die CAR-T-Zellen verabreicht und haben damit einen Vorsprung bei der Ausbreitung im Körper. «Sie heften sich sogleich an die Tumorzellen und eliminieren diese», so Passweg. Bisherige Studien zeigen, dass dies sehr gut funktioniert, sogar dann, wenn andere Therapien nicht mehr erfolgreich waren.

«Noch wirkt diese Methode nicht bei allen Tumorzellen», sagt Passweg. Derzeit wird dieses Verfahren erst bei bestimmten Formen von Blutkrebs angewendet.
 

Es handelt sich um Tumoren mit Krebszellen, die eine gewisse Verwandtschaft mit den B-Lymphozyten aufweisen. Es sind lymphatische Leukämien, akute und chronische Formen. Auch ein Teil der Lymphome gehören dazu.

Da die CAR-T-Zellen auf bestimmte Merkmale dieser B-Lymphozyten abgerichtet sind, die auch bei den Krebszellen vorkommen – sogenannte CD19-Proteine –,  können sie neben den Krebszellen auch gesunde B-Lymphozyten angreifen.

Doch damit wird der Körper laut Passweg gut fertig, weil er auch mit weniger gesunden B-Lymphozyten noch gut auskommt. Allerdings ist die Therapie nicht frei von Nebenwirkungen: «Es kann zu Verwirrungszuständen bis hin zu Todesfällen kommen», warnt Passweg.

Die vermutete Ursache: Beim Aufeinandertreffen von CAR-T-Zellen und Tumorzellen werden Botenstoffe freigesetzt. Diese können zu teils schweren Entzündungen führen.

Die Behandlung mit CAR-T-Zellen wurde erstmals im vergangenen August in den USA zugelassen. In der Schweiz ist es noch nicht so weit, obwohl die erste solche Therapie bereits entwickelt wurde. Mehrere Firmen arbeiten an weiteren Therapien mit CAR-T-Zellen.

Die gentechnische Umprogrammierung der T-Zellen ist mit knapp einer halben Million Franken extrem teuer. Hinzu kommen noch die Behandlungskosten des Spitals.

Insgesamt kann diese Therapieform aufgrund des grossen Aufwandes nur an dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

In der Schweiz sind Studien mit CAR-T Zellen geplant. Es gilt, Erfahrungen mit einer neuen Therapie zu sammeln, die vorerst nur in kleinem Rahmen an hoch spezialisierten Zentren eingesetzt werden kann.