Krebs kann sich im Laufe der Zeit immer besser gegen Angriffe tarnen. Am Schluss sind die Immunzellen praktisch blind und der Krebs kann sich ungehindert im Körper ausbreiten. Hier setzt die CAR-T-Zell-Therapie – CAR steht für Chimeric Antigen Receptor – an. Wie funktioniert der Mechanismus dieser Therapie? 

Die CAR-T-Zelltherapie ist im wahrsten Sinne eine individuelle, das heisst auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlung. Zunächst werden aus dem Blut der betroffenen Person deren Abwehrzellen entnommen. Im Labor werden diese Zellen zu Killerzellen umprogrammiert, welche die bösartigen Zellen gezielt abtöten können.

Anschliessend werden diese modifizierten Zellen dem Patienten quasi als lebendes persönliches Medikament zurückgegeben, mit dem Ziel, dass es weitere Krebszellen auffindet und abtötet. Der Prozess von der Entnahme bis zur Rückgabe dauert etwa drei Wochen.

Welches sind die Unterschiede zu den bereits etablierten Immuntherapien?

Die in der Onkologie seit Jahren etablierten Immuntherapien basieren auf Antikörpern, welche sich an die Oberfläche der bösartigen Zellen binden und dadurch den Angriff des Tumors durch das Immunsystem erleichtern.

Andere Antikörper stimulieren direkt das Immunsystem des Betroffenen bei der Bekämpfung der bösartigen Zellen. Je nach Lymphknotenkrebs wird der behandelnde Arzt den einen oder anderen Antikörper einsetzen. Die neuartige zelluläre Immuntherapie kombiniert die Spezifität eines Antikörpers mit einer potenten Killerzelle. 

Die CAR-T-Zelltherapie ist in der Schweiz noch Neuland und zahlreiche Studien laufen dazu. Woran forschen Sie derzeit?

Wir haben im Rahmen einer Studie die Möglichkeit, die eingangs erwähnte innovative Immuntherapie mit individualisierten Killerzellen einem grösseren Spektrum an Patienten mit Rückfällen von aggressiven Lymphknotenkrebs anzubieten.

So können zum Beispiel auch bestimmte ältere oder Patienten mit einem Hirnbefall diese neuartige Therapieform erhalten. Da dies nur ein kleines Segment von Patienten betrifft, stehen wir im intensiven Informationsaustausch mit unseren Berufskollegen in der Schweiz. 

Welche Ergebnisse weisen Studien bisher auf?

Die zelluläre Immuntherapie wurde bisher nur bei vorbehandelten Patienten untersucht. Bei den Betroffenen mit aggressiven Lymphknotenkrebserkrankungen liess sich bei bis zu 80  Prozent die Erkrankung zurückdrängen.

Wenn die Therapie bei Leukämien nach einem Monat und beim Lymphknotenkrebs nach drei Monaten eine positive Wirkung gezeigt hat, scheint der Erfolg auch längerfristig anzuhalten. 

Was weiss man über mögliche Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen traten bei etwa einem Drittel der Behandelten auf und umfassten neben Infektionen und überschiessenden Reaktionen des Immunsystems auch Störungen des Nervensystems.

Letztere waren meist vorübergehend. Den Patienten kommen die Erfahrungen eines Behandlungsteams, das sich aus verschiedenen Disziplinen zusammensetzt, sicherlich zugute. 

Für welche Krebsarten könnte die Therapie mit CAR-T-Zellen in Zukunft eine mögliche Therapieoption darstellen?

Die Immuntherapie mit umprogrammierten eigenen Abwehrzellen wird bei der Behandlung von mehrfach vorbehandelten Rückfällen der akuten, lymphatischen Leukämie bei Personen bis 25 Jahren und Patienten mit aggressivem Lymphknotenkrebs eingesetzt.

Da dies alles Erkrankungen mit eingeschränkten Optionen sind, handelt es sich dabei um eine sehr willkommene Innovation. Die Therapie ist in den USA seit einem Jahr erhältlich und hat Ende August 2018 auch die europäische Zulassung erhalten. 

Im Rahmen von weiteren Studien wird die Möglichkeit untersucht, ob diese Therapieform auch für andere Formen von Lymphknotenkrebs, zum Beispiel dem vorbehandelten Mantelzell-Lymphom oder bei Rückfällen, anstelle einer intensiven Chemotherapie eingesetzt werden kann. Letztere Studie, an der wir auch teilnehmen werden, wird den Stellenwert dieser Therapie gegenüber den derzeitigen Behandlungsstrategien zeigen.

Diese Resultate erwartet die Fachwelt mit allergrösstem Interesse. Durch eine entsprechende Programmierung wurde bereits verdeutlicht, dass diese Killerzellen auch effektiv gegen andere Erkrankungen, wie zum Beispiel gegen das vorbehandelte, Multiple Myelom, eingesetzt werden können.

Es erfüllt mich mit Stolz, dass wir am Inselspital in dieser frühen Phase des Einzugs einer in jeder Hinsicht neuartigen Therapieform an vorderster Front und pionierhaft mitarbeiten dürfen.

CAR-T-Zellen

Wussten Sie, dass Krebs für unser Immunsystem oft unsichtbar ist, im Labor erzeugte CAR-T-Zellen ihn jedoch aufspüren und bekämpfen können?