In der Schweiz werden jedes Jahr mehr als 6'000 Männer mit der Neudiagnose Prostatakrebs konfrontiert und trotz Fortschritten in der lokalen Therapie sterben jährlich fast 1'400 Männer am fortgeschrittenen Prostatakarzinom.

Auch deshalb ist die Diagnose für viele Betroffene ein Schock. «Doch dank der Krebsforschung leben Männer mit einer solchen Prostatakrebs-Erkrankung in fortgeschrittenem Stadium heute deutlich länger als noch vor wenigen Jahren», sagt Dr. med. Aurelius Omlin, Oberarzt Onkologie am Kantonsspital St. Gallen.

«Zwar ist die Krankheit in einem solchen Stadium leider nicht heilbar. Doch eine individuelle und gezielte Behandlung kann die Krankheit stabilisieren, Komplikationen verhindern und die Lebensqualität erhalten.»

Neue spezifische Therapie-Möglichkeiten

Die Forschung liefert laufend neue Erkenntnisse und Möglichkeiten für Behandlungen. Beispielsweise zeigten Untersuchungen der letzten Monate: Etwa ein Viertel der Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs haben Veränderungen in Genen, welche zur Reparatur von Schäden in der Erbsubstanz (DNA) benötigt werden.

«Man spricht hier von DNA-Reparatur-Defekten», sagt Omlin. «Dies eröffnet zum ersten Mal neue spezifische Therapie-Möglichkeiten, welche im Moment in klinischen Studien untersucht werden – zum Beispiel mit PARP-Inhibitoren oder einer Chemotherapie wie Carboplatin.»

Und: Wie bei anderen Tumorarten werden Immuntherapien auch beim Prostatakrebs inzwischen intensiv erforscht. «Auch in der Schweiz ist derzeit zum Beispiel eine Studie mit MK3475 (Pembrolizumab) offen, welche Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs nach Versagen von mindestens einer Chemotherapie und einer neuen Hormontherapie einschliesst», sagt Omlin.

Grosses Informationsbedürfnis

Dr. Omlin arbeitet an einem der schweizweit führenden Spitäler auf dem Gebiet der Prostatakrebsbehandlung. In mehrere offene klinische Studien können betroffene Männer eingeschlossen werden.

Er weiss deshalb, dass sowohl unter den betroffenen Männern als auch unter den behandelnden Ärzten der Bedarf an Informationen rund um die Erkrankung sehr gross ist. «Der medizinische Fortschritt führt dazu, dass die Behandlungskonzepte laufend überdacht werden müssen», sagt er.

«Um Männer mit Prostatakrebs umfassend zu informieren, bieten wir auch eine gemeinsame Sprechstunde an, während der betroffene Männer von einem Urologen und einem Onkologen gemeinsam beraten werden. Ausserdem beraten wir Patienten mit der Diagnose Prostatakrebs auch immer häufiger im Rahmen von Zweitmeinungen.»