Das Immunsystem reagiert sehr empfindlich auf körperfremde Ereignisse

Eindringlinge wie Viren, Bakterien, Pilze und andere fremde Organismen werden vom Immunsystem erkannt und vernichtet. Krebszellen gelten auch als körperfremd. Sie entstehen durch Veränderungen in den Genen – sogenannte Mutationen.

Verantwortlich sind Schadstoffe wie Rauch, Alkohol, starkes Übergewicht und Umweltgifte, aber auch Erbanlagen sowie der Alterungsprozess.

Viele Körpergewebe werden ständig erneuert

Dabei können während der Zellteilung Fehler und Mutationen entstehen. Diese eliminiert der Körper während der Zellteilung oder anschliessend via Immunsystem. Dieser Prozess kann laut Professor Roger von Moos ausser Kontrolle geraten.

Die Krebszellen haben sich nämlich eine perfide Strategie zurechtgelegt. Sie tarnen sich und sagen dem Immunsystem: «Leg dich wieder hin, ich gehöre zur Familie.» Dies geschieht mittels Strukturen an der Oberfläche der Krebszelle, die sich als harmloses Familienmitglied ausgeben.

Beim Händeschütteln zwischen Krebszelle und Immunzelle wird diese falsche Sicherheit vermittelt. Die Forschung konnte in den letzten Jahren eine Vielzahl solcher Strukturen sowohl auf der Krebszelle als auch auf der Immunzelle entdecken und dagegen Medikamente in Form von Antikörpern entwickeln.

Diese sogenannte Immuntherapie blockiert diese Absprache zwischen Krebszelle und Immunsystem. Durch die Blockade wird das Immunsystem laut von Moos wieder aktiver und kann den Kampf gegen den Krebs aufnehmen. «Die natürliche Bremse des Immunsystems wird gelöst», so von Moos.

Heute vermögen rund 20 bis 40 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten von dieser Therapie massiv zu profitieren. Sie hält über Monate bis Jahre an und es ist vereinzelt gar von Heilung die Rede. Fieberhaft wird laut von Moos geforscht, warum die Behandlung nicht immer wirkt und wer genau von der Behandlung profitieren kann.

Nicht nur Vorteile

Die Immuntherapie mit Antikörpern - auch Checkpoint-Inhibitoren genannt - hat auch Nachteile. Die Aktivierung des Immunsystems führt zu Überreaktionen und kann andere Organe mit leichteren bis schwereren Entzündungen belästigen.

In der Schweiz wird die Behandlung laut von Moos beispielsweise bei Formen von schwarzem Hautkrebs (Melanom), Lungenkrebs, Nieren- und Blasenkrebs, Hals-Kopf-Tumoren und Lymphdrüsenkrebs eingesetzt.

«Die Therapie wird nicht für alle Patienten funktionieren, daher ist es Ziel der Forschung, für jeden Patienten einen individuellen Therapiecocktail zu entwickeln, der im Einzelfall besser wirkt», sagt von Moos abschliessend.