Das Kolorektalkarzinom ist in der Schweiz die am dritthäufigsten diagnostizierte bösartige Erkrankung. Jährlich erkranken rund 4 000 Menschen an Darmkrebs, bei rund 1 500 Patienten pro Jahr endet die Erkrankung mit dem Tod. «Die Therapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms wurde in den letzten Jahren durch zahlreiche neue Optionen ergänzt, was einerseits die Prognose für die Patienten verbessert, anderseits aber auch eine therapeutische Herausforderung für das Ärzte-Team darstellt», betont Bernhard Pestalozzi, Leitender Arzt an der Klinik für Onkologie am Universitätsspital Zürich.

Das Management von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom stellt hohe Anforderungen an die involvierten Fachärzte. Die Metastasenchirurgie ist der Hauptpfeiler einer kurativen Behandlung. Jedoch ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Spezialisten für einen Therapieerfolg unabdingbar.

Interdisziplinäres Vorgehen

Rund 25 Prozent der Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen, und weitere 25 bis 35 Prozent entwickeln im Verlauf der Krankheit Ableger. «Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass eine metastasierte Situation unheilbar ist, konnte in zahlreichen Fallserien gezeigt werden, dass durch ein aggressives chirurgisches und chemotherapeutisches Vorgehen im Fall von Lebermetastasen ein Langzeitüberleben erreicht werden kann», betont Pestalozzi.

Im Prinzip könne davon ausgegangen werden, dass 30 von 100 Patienten, bei denen die Metastasen vollständig reseziert wurden, nach fünf Jahren noch leben. Von diesen werden zwei Drittel weitere fünf Jahre überleben. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Fachärzte insbesondere für Viszeralchirurgie, medizinische Onkologie, Radiologie, Radiotherapie und Pathologie ist eine unabdingbare Voraussetzung für das optimale Management des metastasierten Kolorektalkarzinoms. «Prinzipiell muss am Tumorboard zuerst festgelegt werden, ob der Patient mit metastasiertem Kolorektalkarzinom überhaupt von einem aggressiven interdisziplinären Vorgehen profitieren kann», erläutert Pestalozzi.

Grundlegend könne man davon ausgehen, dass auch Patienten mit Lebermetastasen und einer begrenzten Anzahl Lungenmetastasen eine Chance auf ein längeres Überleben haben und somit ein aggressives Vorgehen in Frage kommt. Eine ausgedehnte Lebermetastasierung, zahlreiche Lungenmetastasen und Lymphknotenmetastasen verunmöglichen in der Regel einen kurativen Therapieansatz.

Biomarker als Schlüsselelement

Da im metastasierten Stadium von einer Systemerkrankung auszugehen ist, sollte nebst lokalen chirurgischen Massnahmen prinzipiell eine systemische Therapie zum Einsatz kommen. Hierfür können sowohl klassische Chemotherapeutika sowie die in den letzten Jahren entwickelten zielgerichteten Antikörper eingesetzt werden. Letztere greifen gezielt in bestimmte Signalwege der Zelle ein und hemmen deren Wachstum.

Gerade beim metastasierten Dickdarmkrebs wurden in den letzten Jahren grosse Fortschritte im Bereich der Biomarker gemacht. Das heisst es wurden Merkmale des Tumors identifiziert, welche einen Hinweis darauf geben, ob der Patient auf einen Antikörper ansprechen wird oder nicht. So wurden verschiedene Mutationen identifiziert, welche bei Vorliegen dazu führen, dass ein Patient nicht auf eine bestimmte Therapie ansprechen wird. Somit können Therapien gezielt denjenigen Patienten verabreicht werden, welche die grösste Chance auf ein Ansprechen haben. Die Identifikation solcher prädiktiver Biomarker wird bei jedem Medikament angestrebt. Biomarker stellen ein Schlüsselelement der personalisierten Medizin dar.

Verschiedene Fachrichtungen

«Die Prognose des metastasierenden Kolonkarzinoms hat sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert», betont Pestalozzi. Im fortgeschrittenen Stadium wird eine Operation des Darmtumors und der Metastasen dann durchgeführt, wenn eine Aussicht auf Heilung besteht oder der Eingriff die körperliche Verfassung und damit die Lebensqualität verbessern kann.

Dabei richtet sich die Behandlung vor allem daran aus, ob es möglich ist, neben dem Darmtumor auch die Metastasen operativ zu entfernen. Im Falle von Lebermetastasen muss genug gesundes Lebergewebe übrig bleiben, um eine ausreichende Leberfunktion zu gewährleisten. «Die je nach Ausgangssituation komplexe Therapiestrategie bei fortgeschrittenem Darmkrebs mit Metastasen sollte unter Einbeziehung verschiedener Fachdisziplinen wie Chirurgie, Gastroenterologie, medizinische Onkologie, Radioonkologie, Pathologie und Radiologie festgelegt werden», fasst Pestalozzi zusammen. Daher sei es wichtig, sich an eine erfahrene und spezialisierte Klinik zu wenden.