Unter Knochenmetastasen versteht man Ableger von bösartigen Tumoren im Knochen. Statistiken zeigen, dass über 80 Prozent der Knochenmetastasen auf folgende Primärtumore entfallen: Brust- und Prostatakrebs sowie Lungen-, Nierenzell- und Schilddrüsenkarzinom. «Prinzipiell können jedoch die meisten bösartigen Neubildungen Knochenmetastasen setzen», betont der Onkologe Roger von Moos. Dabei gelinge es manchmal trotz intensiver Suche nicht, den Primärtumor zu finden.

Zwei Gruppen

Knochenmetastasen werden aufgrund ihrer Erscheinungsform im Röntgenbild in zwei Gruppen eingeteilt: In osteoplastische Metastasen, zum Beispiel beim Prostatakarzinom, oder osteolytische Metastasen, etwa beim Bronchialkarzinom. «Die meisten Karzinome haben Mischformen zwischen osteolytisch und osteoplastisch», sagt von Moos.

Egal welche Läsion vorliegt, besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und die damit verbundenen Komplikationen wie Schmerzen, Operation, Bestrahlung oder auch Nervenkompressionen wie die spinale Kompression. Die hier erwähnten Probleme und Komplikationen können auch ohne Frakturen auftreten. Häufige Lokalisationen sind das Achsenskelett (Wirbelsäule), weniger häufig erfahrungsgemäss die langen Röhrenknochen.

Schwierige Suche

Das für ein Screening nach Knochenmetastasen am besten geeignete Verfahren ist in vielen Fällen die sogenannte Skelettszintigraphie, die lokalisierte Unregelmässigkeiten des Knochenstoffwechsels aufzeigt. Heute kommt vermehrt die PET-CT Untersuchung als Grunddiagnostik zum Zug, welche Knochenmetastasen noch genauer darstellt. Danach kann eine gezielte Röntgendiagnostik zur Festlegung weiterer therapeutischer Schritte erfolgen.

Zur Beurteilung der neurologischen Ausfallserscheinungen und von lokalen Verdrängungseffekten kann insbesondere am Achsenskelett die MRI- und CT-Diagnostik erforderlich sein. Eine Biopsie der Knochenmetastase kann bei der Zuordnung zum Primärtumor helfen. «Die Suche nach dem Primärtumor kann sich aber schwierig gestalten», sagt von Moos.

Grundlage der Primärtumorsuche ist die ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung mit Blick auf wegweisende Befunde. Neben Screening-Untersuchungen nach Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten der Primärtumoren erfolgt die histologische Aufarbeitung eines Biopsats: Körpermaterial, das durch eine Biopsie gewonnen wurde.

Verschiedene Optionen

Die Therapie von Knochenmetastasen erfolgt interdisziplinär. Therapieentscheidungen sind grundsätzlich immer auch im Hinblick auf die Gesamtprognose der Erkrankung zu treffen. Aggressive Therapieoptionen bleiben in der Regel Patienten mit einer guten Langzeitprognose vorbehalten. Therapieziele sind die Verbesserung der Lebensqualität und die Verhinderung von Komplikationen am Knochen wie Schmerzen, Brüche und Lähmungen.

Nebst Bestrahlungen, Chemotherapien und Operationen können heute gezielte Medikamente eingesetzt werden, welche es schaffen, das Fortschreiten der Metastasen zu behindern und damit Komplikationen zu reduzieren. Ein neuer Antikörper gegen RANKL verhindert die Reifung und Aktivität der Knochenfresszellen, der so genannten Osteoklasten, und wirkt so gezielt gegen die Knochenmetastasen.

Antikörper sind Eiweiss-Strukturen, die sehr gezielt Signalwege blockieren können und so in der Regel weniger Nebenwirkungen verursachen. Dieser neue Antikörper hat sich gegenüber den Vorgängertherapien, den Bisphosphonaten, als wirksamer erwiesen. Er hat zudem den Vorteil, dass er nicht lebenslang im Knochen liegen bleibt, wie dies bei den Bisphosphonaten der Fall ist.

«Gerade heute, wo bei vielen Krebskrankheiten die Überlebenszeit massiv zugenommen hat, ist es äusserst wichtig, Patienten vor solchen Knochenkomplikationen mit der besten Methode zu schützen», betont von Moos. Grundsätzlich gilt wie bei Krebs generell: Je früher Knochenmetastasen entdeckt werden, desto besser ist die Ausgangslage für die Patientinnen und Patienten.

Denn es gibt heute eine Reihe wirksamer und effektiver Behandlungsmethoden, die nicht nur die Symptome lindern, sondern das Wachstum der Metastasen hemmen können und so die Prognose verbessern.