Als wäre die Diagnose Krebs nicht schon einschneidend genug, bilden gewisse Karzinome Metastasen in den Knochen. Über die Blutbahn finden Tumorzellen ihren Weg dahin. «Vor allem bei den häufigsten Krebsarten wie Brustkrebs, Prostatakrebs und Lungenkrebs sind sehr oft Ableger in den Knochen zu finden», sagt PD Dr. med. Roger von Moos, Co Chefarzt Innere Medizin und Leiter Onkologie/Hämatologie am Kantonsspital Graubünden. Brustkrebs verursacht in bis zu 70 Prozent der Fälle Knochen-Metastasen; bei Prostatakrebs sind es bis 60 Prozent und bei Lungenkrebs bis 40 Prozent, weiss der Spezialist. Doch auch viele andere Krebsarten verursachen Knochenableger.

Aktuelle Studien über Vorbeugung

Meist führen Schmerzen zur Diagnose, dass sich Metastasen in Knochen gebildet haben. Ist die Zerstörung der Knochensubstanz schon fortgeschritten, kann es bei geringsten Belastungen zu Knochenbrüchen kommen, so genannten pathologischen Frakturen. «Um solche Komplikationen zu verhindern oder zu behandeln, sind Operationen oder Bestrahlungen des befallenen Knochens notwendig», sagt Dr. von Moos.

Die Möglichkeiten einer vorbeugenden Verhinderung von Knochen-Metastasen im Sinne der Erhöhung einer Heilungsrate sind noch nicht vollständig erforscht, erklärt er, hier seien aktuell grosse Studien am Laufen. Dennoch gibt es neben Strahlen- und Chemotherapie andere wirksame Methoden, um die zerstörerische Kraft von Knochenmetastasen zu bremsen. Diese Therapien zielen auf den Knochen selbst.

Bisher gelangten am häufigsten Bisphosphonate mit Infusionen in die Vene zum Einsatz. Seit einiger Zeit gibt es einen Antikörper, der durch eine Spritze unter die Haut verabreicht wird. Von Moos: «Diese Behandlung ist für Patienten wenig belastend und verglichen mit der Chemotherapie in der Regel auch sehr gut verträglich.» Gerade durch eine solche Therapie kann die Entstehung von Schmerzen und die Notwendigkeit für andere Behandlungen wie eine Operation am Knochen oder Bestrahlungen häufig verhindert oder verzögert werden, so von Moos. «Die Patienten bleiben unabhängig, sind weiterhin gehfähig, können zu Hause sein und ihren täglichen Aktivitäten nachgehen.»

Nutzen übersteigt die Kosten

Natürlich verursachen solche Therapien Kosten. Aber sie können relativiert werden: Stellt man sich vor, dass eine junge Frau mit kleinen Kindern durch einen Knochenbruch bei Metastasen immobil wird, hospitalisiert werden muss, eine Operation benötigt, anschliessend eine Bestrahlung durchgeführt werden muss und eine Rehabilitationsbehandlung notwendig wird, dazu eine Hilfe im Haushalt, ist die Kosten-Nutzen-Rechnung einfach, denn die Kosten in Fällen wie dem geschilderten übersteigen jene der medikamentösen Behandlungen deutlich.

Es gibt aber noch ganz andere Gründe, betont der Onkologe von Moos: «Was viel wichtiger ist: Das ganze Leid, das die Patientin und die Familie erdulden muss, wäre vermeidbar gewesen durch eine vorbeugende Behandlung. Sozioökonomische Studien haben gezeigt, dass der Einsatz solcher Medikamente kosteneffektiv ist.»