Viele Krebserkrankte brauchen nach der Akutbehandlung eine Rehabilitation. Und dabei spielt sowohl onkologische als auch psychosomatische Rehabilitation eine wichtige Rolle, sagt Prof. Dr. med. André-G. Aeschlimann von der RehaClinic.

Was beinhaltet stationäre Rehabilitation?

André-G. Aeschlimann: Bei der Akutmedizin geht es ja um die Abklärung und Erstbehandlung. Die Rehabilitation schliesst an die Akutphase an. Rehabilitation heisst hier Reintegration. Es wird versucht, den geschwächten Körper des Patienten wieder an den Alltag anzupassen, seine Ressourcen zu mobilisieren und aufzubauen. Er ist müde, spürt die Nebenwirkungen der Medikamente oder einer Bestrahlung, hat offene Wunden, deutlich an Gewicht verloren oder kann beispielsweise nach einer Kehlkopf-Erkrankung nicht mehr gut sprechen.

Das sind mögliche Indikatoren dafür, dass man den Patienten stationär rehabilitieren sollte. Fachärzte für Rehabilitationsmedizin, Pflegefachleute, Physiotherapeuten, Psychologen, Ernährungsberater, Logopäden, Sozialarbeiter und andere Experten vor Ort verhelfen einem Patienten zurück in den Alltag.

Wird jeder Krebspatient stationär rehabilitiert?

Nein, es braucht nicht jeder diese Rehabilitation. Es gibt Patienten, die nach der Akutphase gut zurecht kommen im Alltag. Man muss mit ihnen reden, beobachten, ob sie Nebenwirkungen verspüren und dann individuell entscheiden, ob eine Rehabilitation stationär nötig ist. Entscheidend für einen statio­nären Aufenthalt sind Allgemeinzustand, Art der Nebenwirkungen und Bedarf an Pflege für die Selbstversorgung.

Es gibt nicht nur die onkologische, sondern auch eine psychosomatische Rehabilitation…

Genau. Ein Patient kann sich durchaus körperlich zurechtfinden, hat aber psychische Probleme, fragt sich: «Wie sieht es nun mit meiner Lebenserwartung aus?» Eine Frau mit Brustkrebs, der eine Brust entfernt werden musste, fragt sich vielleicht, ob sie ihrem Mann noch gefällt. Grundsätzlich versuchen wir, in einer onkologischen Rehabilitation auch das Psychische anzugehen und dem Menschen wieder Perspektiven zu vermitteln.

Wie lange dauert eine stationäre Rehabilitation?

In der Regel zwischen zwei Wochen und zwei Monaten. Wichtig ist, am Anfang ein klares, realistisches Ziel zu definieren. Wenn einem Patienten mit einer bösartigen Knochenerkrankung im Unterschenkel das Bein abgenommen werden muss, erfolgt zuerst die Wundheilung, dann erst kann er lernen, mit der Prothese zu gehen. Das dauert dann ungefähr acht Wochen. Es kommt auch drauf an, wie gut der Patient zu Hause versorgt ist. Hat er eine Familie, die ihn unterstützen kann, oder die Spitex-Hilfe und einen Hausarzt?

Kann es sein, dass der Patient entlassen wird und später nochmals zur Rehabilitation kommen muss?

Das ist möglich. Hier spricht man in der Branche von der Re-Hospitalisierung. Dies wird nötig, wenn zum Beispiel der Patient mit der Prothese einen Sturz hat, oder es bei anderen Patienten zu Infektionen oder Metastasen kommt.

Kann eine psychosomatische Rehabilitation den onkologischen Heilungsverlauf verbessern?


Natürlich ist es wichtig, trotz Erkrankung positiv zu denken, sich fit zu halten, sich gesund zu ernähren, damit man gestärkt gegen die Krankheit ankämpfen kann. Aber der Krankheitsverlauf hängt auch vom Aggressivitätsgrad der Krankheit ab, wie auch von der Wirksamkeit der Therapien. Wenn eine Krebskrankheit sehr aggressiv ist, kann der Patient noch so positiv eingestellt sein.

Leider lesen wir ja immer wieder Todesanzeigen, auf denen steht, wie stark und mit welcher positiven Einstellung der Patient gegen sein Leiden angekämpft hat. Aber grundsätzlich ist es sicher besser, Vertrauen in den eigenen Körper zu haben, positiv zu bleiben und sein Bestes zu geben.

Werden auch Familienmitglieder in die psychosomatische Rehabilitation einbezogen?

Das ist immer mehr im Kommen. Es kann sein, dass der Lebenspartner mitkommt oder dass die Enkelin ihre Grossmutter unterstützen will. Wir begrüssen es sehr, wenn Verwandte mitkommen, die mit dem Patienten den Alltag verbringen, damit sie auch über mögliche Probleme informiert sind.

Was ist der Unterschied zwischen stationärer und ambulanter Rehabilitation?

Bei der stationären Rehabilitation schläft der Patient in der Klinik, er steht unter kontinuierlicher medizinischer Beobachtung «rund um die Uhr», es wird für ihn gesorgt, bis er selbst für sich sorgen kann.

Bei der ambulanten Rehabilitation wohnt der Patient zu Hause und kommt zum Beispiel zweimal pro Woche für Therapien oder Ahnliches vorbei. Die RehaAs, wie RehaClinic ihre ambulanten Zentren nennt, sind in mehreren grossen Schweizer Städten zu finden. Es ist wichtig, dass sie in der Nähe der Patienten sind. Unsere stationären Rehabilitationskliniken befinden sich in Bad Zurzach, Baden, Braunwald und Glarus, unsere Ambulatorien in Lenzburg, Wil, Winterthur, Basel und Zug.