In der Westschweiz sowie in den Kantonen St. Gallen und Thurgau sind sie bereits seit längerem etabliert: Breit angelegte Mammographie-Screenings sollen die Todesfälle bei Brustkrebs verringern. Peter Cerny hält diese systematischen Vorsorgemassnahmen für äusserst sinnvoll: «Mit der besseren digitalen Technologie können heutzutage bösartige Veränderungen entdeckt werden, solange sie noch klein sind», erklärt der Radiologe.

Mit der Selbstuntersuchung der Brust könnten drei von vier Tumoren nicht ertastet werden. Sind sie bereits so gross, dass man sie von Hand spürt, haben viele schon die Lymphknoten befallen. Dann sind grössere Eingriffe nötig und die Überlebenschancen kleiner. Dabei seien Mammographien lange stiefmütterlich behandelt worden, sagt Cerny, nicht zuletzt aus Gründen der Bildqualität. Doch Brustkrebs-Erkrankungen sind im Zunehmen begriffen: War vor 30 Jahren etwa jede zwölfte Frau im Laufe des Lebens einmal betroffen, so ist es heute jede siebte bis achte. Die Gründe dafür sind nicht vollumfänglich bekannt.

Deutschschweiz hinkt hinterher

Die meisten Deutschschweizer Kantone würden sich zu zögerlich verhalten, was Screenings betrifft, bemängelt der Arzt. Denn nur mit systematischen Programmen könnten breite Bevölkerungsschichten erreicht werden: Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden per Post alle zwei Jahre zur Kontrolle aufgeboten. Erfahrungsgemäss machen etwa 70 Prozent mit.

Durch den Erlass des Selbstbehalts können auch finanziell schlechter gestellte Frauen motiviert werden. Um ihre Wirkung zu entfalten, müssen Screenings gemäss dem Radiologen gut organisiert sein: Es braucht Aufnahmen guter Qualität, die von zwei Radiologen beurteilt werden. Mitgeteilt wird der Befund vom Vertrauensarzt. Liegt etwas Verdächtiges vor, veranlasst dieser Weiterabklärung, möglichst in einem spezialisierten Brustzentrum. Dort berät ein interdisziplinäres Experten-Gremium über weiteres Vorgehen und gibt Empfehlungen ab.

Vorsorge lohnt sich

Dabei sei wichtig, die Betroffenen nicht unnötig zu beunruhigen: Ein grosser Teil der entdeckten Knoten ist gutartig, vor allem in jüngeren Jahren. Wie schnell ein bösartiger Tumor wächst und ob er zum Tode führt, könne man zu Beginn nie sagen. «Er ist jedoch potenziell lebensbedrohlich und kann mit früher Diagnose und Therapie beeinflusst werden», betont der Arzt.

Dass auch wirtschaftliche Interessen der Ärzte, Spitäler und Gerätehersteller eine Rolle spielen, will der Spezialist nicht ganz vom Tisch wischen. Natürlich sei mit höheren Untersuchungszahlen eine schnellere Amortisation der Geräte möglich. Doch mit 160 Franken pro Brustuntersuchung seien die Tarife nicht besonders lukrativ. Brustkrebs-Screenings seien die am besten untersuchten Präventionsprogramme und das Verhältnis von Kosten und Nutzen sei sehr günstig. Cerny ist überzeugt: «Das Wohl der Frauen steht im Vordergrund.»