Krebs ist eine der häufigsten Erkrankungen und immer noch eine der häufigsten Todesursachen. «Entsprechend gross ist die Angst der Menschen vor dieser Krankheit», sagt Brigit Lang, Leitende Psychologin der Abteilung für Psychosomatische Onkologie an der Klinik Schützen in Rheinfelden.

«Krebs ist assoziiert mit schwerem Leiden und dem unausweichbaren Tod, dies trotz der immensen medizinischen Fortschritte, die in der Krebsbehandlung in den letzten Jahren erzielt worden sind.» Aber während früher psychologische Probleme bei Krebspatienten weitgehend vernachlässigt wurden, hat die Psychoonkologie in den letzten zehn bis 15 Jahren an Bedeutung gewonnen.

«In den USA und in Deutschland ist das schon länger so und auch in der Schweiz wurden die Bemühungen  in den letzten Jahren verstärkt», so Lang. In den Spitälern wird heute eine psychologische Betreuung von Krebspatienten selbstverständlicher und die Patienten fordern diese zunehmend auch ein. Es ist keine Schande mehr, psychische Probleme einzugestehen. «Zum Glück. Denn es ist völlig natürlich, dass eine Krebsdiagnose auch seelische Auswirkungen hat», sagt Lang.

Ängste nehmen

Rund ein Drittel der Betroffenen reagieren im Verlauf einer Krebserkrankung mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Beeinträchtigung. «Der erste Schock für die Betroffenen ist im Allgemeinen bereits die Diagnose. Zu diesem frühen Zeitpunkt geht es darum, die Ängste vor der Krankheit und der Therapie zu nehmen», sagt Lang. Traumafolgeerkrankungen sind häufig.

Auch im weiteren Verlauf der Behandlung stos­sen viele Betroffene psychisch an ihre Grenzen. Was aber laut Lang am häufigsten unterschätzt wird, ist die Krise, in die die Menschen nach Abschluss von Chemo- oder Radiotherapie geraten können.

Sowohl die Betroffenen, wie auch das Umfeld gehen davon aus, dass nun alles überstanden sei, um dann zu realisieren, dass eine Rückkehr in das Leben vor der Krankheit nicht möglich ist. Auf diese Erkenntnis reagieren viele mit Depression und Angst,  leiden unter Schlafstörungen, Albträumen und einer ständigen inneren Anspannung. In diesen Fällen ist eine zeitnahe psychoonkologische Betreuung unverzichtbar.

Problem der «Cancer Related Fatigue» (CRF)

Ein lange unterschätztes  Problem stellt die  sogenannte «Cancer Related Fatigue» dar: «Die Patienten leiden unter einem lähmenden, bleiernen, den ganzen Tag andauernden Gefühl der Müdigkeit und der Erschöpfung», sagt Lang. Natürlich sei die Krebstherapie körperlich anstrengend und fordere ihren Tribut. Hinzu komme noch eine enorme psychische Müdigkeit.

Anders als bei einer Depression, würden die Menschen, die unter dem Syndrom leiden, eigentlich sehr gerne etwas unternehmen, es fehlt ihnen jedoch die Energie. In Gesprächen erzählten sie oft, dass sie nur noch auf etwa zehn Prozent der früher zur Verfügung stehenden Energie zurückgreifen könnten. Ausgeprägte CRF führt zu Arbeitsunfähigkeit, in einigen Fällen bis hin zur Berentung.
Vielfältige

Therapiemöglichkeiten

Für Menschen, die im Zusammenhang mit ihrer Krebserkrankung psychisch in Not geraten –  sei es, dass sie unter Depressionen, Ängsten, CRF oder einer Traumafolgestörung leiden – gibt es spezialisiertes stationäres Angebot. Im Zentrum der Klinik Schützen steht beispielsweise die psychoonkologische Begleitung des Patienten.

Lang: «Ebenso selbstverständlich gehört die medizinische Behandlung dazu. Es ist sogar möglich, dass Patienten, die sich mit der Chemotherapie schwer tun, diese nach Vorgabe des behandelnden Onkologen im stationären Schutz durchführen können.» Begleitend kommen körperzentrierte- und kreative Angebote sowie Entspannungstechniken zum Einsatz. Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Zugangswege gelinge es laut Lang, die psychischen Reaktionen auf die Erkrankung aufzufangen und den Patienten den Weg zurück in ihren meist veränderten Alltag zu erleichtern.

Die Angehörigen haben oft eine Doppelfunktion. Sie sind einerseits Unterstützer der Krebskranken, anderseits aber auch selbst betroffen und erleben ihrerseits starke Ängste. In manchen Fällen werden auch die Angehörigen in die Therapie miteinbezogen. «Krebserkrankungen betreffen das ganze soziale Umfeld eines Patienten», sagt Lang.