Bei Erbrechen und Übelkeit unter einer Chemotherapie wird unterschieden zwischen akutem, verzögertem und antizipatorischem Erbrechen. Noch vor wenigen Jahren waren die meisten Chemotherapien unweigerlich mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.

Dies lag einerseits daran, dass für eine Chemotherapie nur wenige Medikamente verfügbar waren, anderseits aber auch am Mangel an wirksamen Medikamenten gegen die Übelkeit und das Erbrechen während der Chemotherapie. «Weil es inzwischen eine gezielte Forschung gibt, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, haben wir die Problematik weitgehend in den Griff bekommen», erklärt Facharzt Geoffrey Delmore.

Vorbeugend einsetzen

Langjährige Forschungsarbeiten haben dazu geführt, dass inzwischen eine Reihe hochwirksamer, gezielt gegen die Übelkeit und das Erbrechen gerichteter Medikamente entwickelt werden konnten. Nach wie vor gibt es zwar unverzichtbare Zytostatika, die unbehandelt in hohem Ausmass Übelkeit und Erbrechen auslösen.

«Unterdessen erhalten aber die meisten Patienten vorbeugend bereits vor einer emetogenen, das heisst einen Brechreiz erzeugenden Chemotherapie Medikamente, so dass die Nebenwirkungen unterdrückt werden und häufig überhaupt nicht oder dann nur stark abgeschwächt auftreten», betont Delmore.

Verschiedene Formen

Heute weiss man, dass bei durch Chemotherapie bedingtem Erbrechen verschiedene Vorgänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten ablaufen. Dabei spielen je nach Zeitpunkt einzelne Botenstoffe eine wichtige Rolle. Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Formen von Erbrechen. Das akute Erbrechen setzt innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Chemotherapie ein.

Zum verzögerten Erbrechen kommt es später als 24 Stunden nach der Chemotherapie. Das sogenannt antizipatorische Erbrechen tritt vor der nächsten Gabe einer Chemotherapie auf. Dabei handelt es sich gewissermassen um ein psychisch bedingtes, erlerntes Erbrechen. Alle Formen können sowohl gemeinsam wie auch einzeln vorkommen.

Korrekte Prophylaxe

Bei der Wahl prophylaktischer Massnahmen muss das Emesispotenzial, also die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Erbrechen kommt, genau ermittelt werden. Zu berücksichtigen sind zudem die individuellen emetogenen Risikofaktoren. «Unterschiedliche Medikamente bilden dann das Gerüst einer effektiven Emesisprophylaxe», sagt Delmore. Eine ausreichende Kontrolle kann damit allerdings nicht immer erreicht werden.

Zeigen sich Patienten auf eine für das Setting adäquate Prophylaxe ungenügend kontrolliert, müssen weitere Strategien ins Auge gefasst werden. «Die fortlaufend den neuen Erkenntnissen angepassten Richtlinien zur Kontrolle von Chemotherapie-bedingtem Erbrechen sollten zwingend befolgt werden. Sehr selten muss von den Empfehlungen abgewichen werden», betont Delmore. Eine korrekt verordnete Prophylaxe sei im Übrigen kosteneffektiv.