Brustkrebs ist mit über 5000 Neuerkrankungen pro Jahr auch in der Schweiz die häufigste Krebsart der Frau. Dank des heute besseren Verständnisses der Tumorbiologie kann inzwischen mehrheitlich Brust erhaltend behandelt werden. Trotzdem ist die Entfernung der Brust (sog. Mastektomie) bei ungefähr einem Drittel aller Brustkrebspatientinnen unumgänglich.

Kommt es zu einer Mastektomie, ist die Frage der Rekonstruktion – sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt – von zentraler Bedeutung. Die Diagnose Brustkrebs und der Verlust der Brust als Symbol für Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und Muttersein ist für die betroffenen Frauen und ihre Angehörigen ein traumatisierendes Erlebnis.

Obschon jede Frau eine individuelle Einstellung zum eigenen Körper hat, bestätigen verschiedene wissenschaftliche Publikationen die positiven Effekte der Brustrekonstruktion auf das psychische Wohlbefinden und damit auf die Lebensqualität der brustamputierten Patientinnen.

Die drei Ziele der richtigen Brustkrebsbehandlung

Das oberste Ziel jeder Brustkrebsbehandlung ist immer die vollständige Entfernung des Tumors. Ist dies nicht möglich und muss die Brust vollständig entfernt werden, sollten sich die betroffenen Patientinnen ein möglichst klares Bild ihrer Optionen machen können, indem sie sich umfassend beraten und informieren lassen.

Auch wenn rasch gehandelt werden muss: Es bleibt genügend Zeit für eine sorgfältige Beurteilung und das Abwägen von Vor- und Nachteilen der verschiedenen Behandlungswege. Die richtige Brustkrebsbehandlung ist jene, welche 1) onkologisch am wirksamsten ist, 2) das beste kosmetische Resultat erzielen lässt und 3) ohne Umwege und unnötige Operationen so rasch wie möglich zum Ziel, dem Ende der Behandlung, führt.

Second Opinion bei einem plastischen Chirurgen

Wichtig ist neben der onkologischen Krebsbehandlungsüberlegung letztlich die Frage der Lebensqualität. Richtig handeln heisst also nicht nur, den Krebs zu besiegen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die betroffenen Patientinnen trotz der notwendigen Behandlung keine Einbussen in ihrer Lebensqualität erleiden. Aus diesem Grund ist das Einholen einer Zweitmeinung bei einem auf Tumor- und Brustrekonstruktionschirurgie spezialisierten Plastischen Chirurgen stets zu empfehlen.

Die Vorteile der Sofortrekonstruktion

Dank optimierten Bestrahlungsverfahren, wirksameren Medikamenten und Fortschritten bei den Rekonstruktionsmethoden gehört die Sofortrekonstruktion heute zu den Optionen der ersten Wahl. Chemotherapie und Bestrahlung sind – im Gegensatz zu früher – unmittelbar nach einer Brustrekonstruktion möglich.

Die Vorteile des sofortigen Wiederaufbaus liegen darin, dass nur eine Operation und eine Hospitalisation notwendig sind und die Patientin in einem Schritt zum Behandlungsziel gelangt, was sich psychologisch positiv auswirkt. Wenn die Brust sofort rekonstruiert wird, kann mit einem schöneren Ergebnis gerechnet werden. Zudem entstehen auch weniger Kosten.

Aus verschiedenen Untersuchungen weiss man ausserdem, dass Patientinnen mit einer Sofortrekonstruktion mit dem kosmetischen Resultat der Operation zufriedener sind, sich sexuell attraktiver fühlen und ein grösseres Selbstbewusstsein haben als Frauen, die eine Mastektomie ohne anschliessenden Brustaufbau hatten.

Heutige Rekonstruktionsmöglichkeiten

Welche Technik zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: vom Ausmass der Erkrankung, vom Vorhandensein ausreichender Weichteile oder etwa von der Form der gesunden Brust. Im Fall einer Sofortrekonstruktion wird zuerst die sog. «Haut sparende Mastektomie» durchgeführt.

Das Brustdrüsengewebe wird über einen kleinen Schnitt um die Brustwarze herum entfernt, die gesamte Haut jedoch beibehalten. Anschliessend kommen für die Sofort- wie auch für die Spätrekonstruktion folgende Techniken in Frage:

  • mit einem Implantat aus hochwertigem Silikon und einer zusätzlichen Matrix, welche das Implantat bedeckt
  • kombiniert mit Eigengewebe vom Rücken oder
  • nur mit Eigengewebe vom Bauch, vom Oberschenkel oder vom Gesäss. Es besteht ein klarer Trend zu natürlich aussehenden Brustrekonstruktionen, insbesondere Rekonstruktionen mit Eigengewebe. Nur wenige Zentren sind bislang jedoch in der Lage, ihren Patientinnen die gesamte Palette an Rekonstruktionsverfahren anzubieten.