Nahezu sämtliche Chemotherapien bei Brustkrebs können heute ambulant durchgeführt werden. Ausnahmen sind Patientinnen, die aus Symptomgründen stationär betreut werden müssen.

«Unter ambulanten Chemotherapien haben orale Medikamente den Vorteil, dass es keine Infusionen braucht, was bei den häufig schon mit Blutentnahmen und Venenkathetern geplagten Patientinnen besonders geschätzt wird», sagt Martin F. Hagen, Facharzt für Hämatologie und Onkologie und Leitender Arzt für Onkologie am Spital Zimmerberg.

Für den behandelnden Arzt stellten sich aber einige zusätzliche Fragen, so Hagen: «Kann die Patientin ausreichend schlucken, und ist eventuell die Medikamentenaufnahme aus dem Darm unsicher oder reduziert?» Bei Übelkeit sind orale Chemotherapeutika zudem kaum einsetzbar.

Rascher nach Hause

Grundsätzlich werden die derzeit verfügbaren oralen Chemotherapeutika vorwiegend bei Patientinnen eingesetzt, bei denen die Krankheit bereits fortgeschritten ist und Metastasen vorhanden sind. Ein Behandlungszyklus mit Capecitabin dauert drei bis vier Wochen. In der Regel folgen weitere Behandlungszyklen bis zum Verschwinden der Krankheit oder zumindest der Symptome.

Wächst der Tumor weiter, muss die Therapie abgebrochen werden. Das kürzlich neu zugelassene Medikament Vinorelbin wird in wöchentlichen Behandlungszyklen eingesetzt. «Im Prinzip läuft eine orale Chemotherapie genau gleich ab wie eine Chemotherapie mit Infusionen oder Spritzen. Anstelle der sonst notwendigen Infusionen über meist fünfzehn Minuten bis zu mehreren Stunden erhält die Patientin die Tabletten oder Kapseln und kann so deutlich rascher wieder nach Hause», erläutert Martin F. Hagen.

Mehrere Medikamente

Ist für die betroffenen Patientinnen dank der oralen Therapie ein mehr oder weniger normaler Alltag möglich? Die Frage wird von Martin F. Hagen relativiert: «Zumindest ein Teil der Patientinnen mit Metastasen leidet bereits an Symptomen wie erhöhter Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust oder gar Schmerzen, so dass der Begriff normaler Alltag kaum zutreffend ist.»

Generell würden aber orale Therapien als weniger belastender empfunden als Chemotherapie-Infusionen, weiss er aus Erfahrung. Zurzeit gibt es drei Medikamente (Cyclophosphamid, Capecitabin und Vinorelbin), die bei Brustkrebs oral eingesetzt werden können. Alle drei sind Zellgifte, die auf Krebszellen toxischer wirken als auf gesunde Zellen, also genau gleich funktionieren wie andere intravenöse Chemotherapeutika.

Capecitabin wird vor allem in palliativen Situationen verwendet, dann also, wenn die Krebserkrankung fortgeschritten ist und die Patientin möglichst wenige Blutentnahmen will. In der Schweiz ist das Medikament nur dann zugelassen, wenn bereits eine andere Chemotherapie durchgeführt wurde.

Ein wenig mehr Hoffnung


Der Einsatz der verschiedenen Therapiemöglichkeiten erfolge heute entsprechend den diversen Risikofaktoren, sagt Martin F. Hagen. «Durch die Kombination der unterschiedlichen Therapieoptionen kann heute in fast allen Situationen eine der Krankheit und der Patientin optimal angepasste Therapie erreicht werden», betont er. Die Gesamtwirkung könne so verstärkt und die Nebenwirkungen könnten auf ein erträgliches Mass reduziert werden.

Leider, so Hagen, steige die Anzahl Neuerkrankungen an Brustkrebs weltweit zwar langsam aber unvermindert an: «Jeder noch so  kleine Fortschritt in der Behandlung bedeutet aber für die Patientinnen ein wenig mehr Hoffnung und kann vielleicht tragische Krankheitsverläufe verhindern.»