«Onkologiepflegende haben, neben einer pflegerischen Grundbildung, eine Weiterbildung absolviert, ein Nachdiplomstudium oder ein Studium auf Fachhochschul- oder universitärer Ebene», erklärt Irène Bachmann-Mettler, Präsidentin Onkologiepflege Schweiz.

Ein Schwerpunkt der Onkologiepflege ist die Behandlung, Pflege und Begleitung von Menschen, die mit den Auswirkungen einer Krebserkrankung leben müssen. «Wir beschäftigen uns nicht in erster Linie mit der Diagnose oder mit Untersuchungen, sondern damit, wie sich die Krankheit auf das Leben und den Alltag der Patienten auswirkt», erklärt Bachmann.

Besser bewältigen

Ziel ist es, Patienten und deren Angehörige in allen Phasen der Krankheit so zu unterstützen und sie dahingehend zu begleiten, dass sie die Auswirkungen der Krebserkrankung und der Behandlungen besser bewältigen können. Eine zentrale Frage ist hier immer: Was benötigen diese Menschen an Information, Beratung und Unterstützung, damit sie und ihre Familien damit zurechtkommen und lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen?

Oft leiden die Patienten nicht nur an der belastenden Diagnose, sondern auch unter Nebenwirkungen der Therapie wie Übelkeit, Appetitmangel, entzündete Mundschleimhaut und Müdigkeit. «Wir klären die Art und das Ausmass der Nebenwirkungen ab, informieren und beraten Patienten gezielt über anerkannte, wirksame Massnahmen und wie sie diese anwenden können.»

Die Aufgabe der Onkologiepflegenden ist es beispielsweise auch, komplexe Krebstherapien zu verabreichen. Auch dafür braucht es spezifisches Fachwissen und Erfahrung. Denn inzwischen existieren über 80 verschiedene Medikamente.

Psychische und soziale Auswirkungen der Krebserkrankung

Damit krebskranke Menschen optimal gepflegt werden können, ist für Patienten die Entwicklung von Vertrauen in die Fachpersonen eine erste Voraussetzung. «Das Kennenlernen des Patienten spielt deshalb eine grosse Rolle. Wir möchten erfahren, wie dieser Mensch lebt, was ihm dabei wichtig ist und wo und wann er gezielte Unterstützung benötigt.

Nur so können wir eine Beziehung aufbauen und auf ihn eingehen. Die Patienten sollen erleben, dass sie auch über ihre Sorgen sprechen können», erklärt Irène Bachmann-Mettler. Diagnose Krebs bedeutet für die meisten Betroffenen eine Ausnahmesituation.

Unterstützungsmassnahmen

Nach dem ersten Schock können sich Gefühle wie Angst, Wut oder Verzweiflung einstellen. «Wir sprechen Patienten nicht nur auf die negativen Auswirkungen einer Therapie an, sondern auch auf ihre Gedanken und Gefühle», so Bachmann-Mettler. Erfahrene Onkologiepflegende kennen mögliche Belastungen und können gezielt darauf eingehen.

«Wenn Patienten und Angehörige darüber sprechen möchten, ermöglichen bereits das bewusste Zuhören und das Verständnis für ihre Situation eine gewisse Entlastung und das Ordnen der Gedanken.» Ergänzend werden gezielte Unterstützungsmassnahmen besprochen. Denn manchmal braucht es ganz praktische Hilfe – etwa eine Hilfe im Haushalt, eine Entlastung bei der Betreuung der Kinder oder das Gespräch mit der Familie und dem Arbeitgeber. In diesen Situationen arbeitet die Pflegende mit weiteren Fachpersonen zusammen.