Immer mehr Prostatakarzinome können dank der vermehrten Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen in frühen, heilbaren Stadien diagnostiziert werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele dieser früh entdeckten Tumore – auch unbehandelt – niemals Beschwerden verursachen oder gar zum Tode führen würden.

Daher gewinnen zurückhaltende Strategien, wie die «aktive Überwachung», immer mehr an Bedeutung. Aber wie lässt sich bestimmen, wie aggressiv ein Tumor wirklich ist? Eine Frage, die auch nach der operativen Entfernung der Prostata für die weitere Therapie entscheidend sein kann.

Neuer Test ermöglicht genauere Prognosen

Bei vielen Männern wächst ein Prostatakrebs sehr langsam. In diesen Fällen ist es oft sinnvoll, die Erkrankung zunächst aktiv zu überwachen. Das bedeutet, den Tumor durch regelmässige Kontrolluntersuchungen zu beobachten und erst einmal keine definitive Therapie wie eine Operation oder Bestrahlung durchzuführen. In anderen Fällen, bei denen der Tumor sehr schnell wächst, ist eine Behandlung hingegen unumgänglich.

Um für jeden Patienten die für ihn am besten geeignete Behandlungsstrategie festzulegen, ist es entscheidend, die zukünftige Entwicklung des Tumors möglichst genau einzuschätzen. «Wie verschiedene wissenschaftliche Studien gezeigt haben, ist mit einem neuartigen Test eine genauere Prognoseeinschätzung möglich», so Professor Dr. med. Thorsten Schlomm, Leitender Arzt der Martini-Klinik in Hamburg.

«Immer mehr Prostatakarzinome können dank der vermehrten Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen in frühen, heilbaren Stadien diagnostiziert werden.»


Der prognostische Test misst die Aktivität der Gene, die das Tumorwachstum beeinflusse und ermöglicht, zusammen mit weiteren klinischen Parametern, eine Aussage über die Aggressivität des Tumors. Der im Test ermittelte CCP-Score erlaubt eine spezifische Aussage zum Fortschreiten der Erkrankung und zur Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten. Damit liefert der CCP-Score in jeder Phase der Erkrankung eine neue Entscheidungsgrundlage für die Wahl des für jeden Patienten besten therapeutischen Vorgehens.

Chancen durch individualisierte Therapie

Der neue Test, der zum Beispiel nach einer Biopsie oder Operation am Tumorgewebe durchgeführt werden kann, gibt wichtige Informationen zur Biologie des Tumors. Diese gehen über den Informationsgehalt bislang zur Verfügung stehender klinischer und pathologischer Variablen hinaus. Der CCP-Score, der für die Entscheidungsfindung zur individualisierten Behandlung des Prostatakarzinoms bereits heute zur Verfügung steht, bietet viele Chancen: Patienten, die aufgrund ihres Risikoprofils für eine aktive Überwachung infrage kommen, liefert der Test wertvolle Zusatzinformationen zur Gefährlichkeit ihrer Krebserkrankung.

Bei hohem CCP-Score können schnell entsprechende Therapiemassnahmen eingeleitet werden. Ein Patient mit niedrigem CCP-Score profitiert hingegen von zusätzlicher Sicherheit, die ihm die oft schwere Entscheidung zur Durchführung des beobachtenden Abwartens erleichtert. Denn im Alltag stellt es sich so dar, dass viele Patienten unsicher sind und deshalb das beobachtende Abwarten ablehnen oder nur sehr kurz durchführen lassen.

Auch nach Entfernung der Prostata liefert der CCP-Score wichtige Informationen, die zum Beispiel die Entscheidung für oder gegen eine Bestrahlung erleichtern können. Letztendlich kann der Patient von einer personalisierten Therapie profitieren, und unnötige Ausgaben in der Patientenversorgung können vermieden werden. Inzwischen ist der Test auch in der Schweiz verfügbar.