Eine 30-jährige Mutter von drei Kindern hat Pläne für sich und ihre Familie. Dazu gehört nicht der Besuch von Chemotherapie und die Auseinandersetzung mit dem eigenen baldigen Tod. Und wenn ein von schwerer Krankheit Betroffener unter massiven Symptomen leidet, kann es sein, dass er den Satz hört: «Tut uns leid, wir können nichts mehr für Sie tun.» Genau für diese Patienten sind Palliative Care-Spezialisten da.

Markus Feuz, Pflegefachmann und Qualitätsbeauftragter bei ONKO PLUS, einer Zürcher Stiftung für mobile Onkologie- und Palliativ-Pflege, sagt: «80 Prozent der Patienten können von den Grundversorgern vollumfänglich betreut werden. Zehn bis 20 Prozent haben jedoch Erfordernisse, die nur von Spezialdiensten erbracht werden können.»

Spezialisierte Palliativversorgung

Das Palliative Care-Team bietet Unterstützung an, wenn ein Patient mit einer unheilbaren, fortschreitenden Krankheit konfrontiert ist. Über 95 Prozent der von ONKO PLUS betreuten Palliativ-Patienten nehmen diesen zusätzlichen Dienst wahr, während sie nach wie vor mithilfe von Chemotherapie oder Strahlentherapie gegen den Krebs kämpfen. Laut Feuz finden sie den Weg in diese Betreuung auf Empfehlung ihres Hausarztes oder Onkologen und Pflegefachpersonen an Spitälern.

Nicht wenige Patienten kommen erstmals in einer der von ONKO PLUS geführten Sprechstunden in den Spitälern mit den spezialisierten Pflegefachpersonen in Kontakt. Aber die Palliativversorgung ist landesweit nicht einheitlich geregelt. «Im Kanton Zürich stehen mehrere stationäre Palliativ-Zentren für Krisensituationen zur Verfügung. Im ambulanten, sprich spitalexternen Bereich sind noch grosse Unterschiede in der Versorgung der Patienten auszumachen.

Die Spitex-Organisationen sind im Pallia­tive Care-Bereich personell unterschiedlich dotiert. Dies stellt die Gemeinden vor grosse Herausforderungen, auch finanzielle. Das ist mit ein Grund, weshalb die Gemeinden die Dienstleistungen von ONKO PLUS ‚einkaufen‘. Sie sind somit in der Lage, Versorgungslücken zu schliessen», sagt Feuz.

Notfallpläne vermitteln Sicherheit

Die Palliativversorgung wirkt ergänzend. Gemeinsam mit dem Patienten und seinen Angehörigen wird der Blick auf belastende Symptome und den zu erwartenden Krankheitsverlauf gelenkt. Feuz sagt: «Wir fragen den Patienten, ob er sich bereits Gedanken über mögliche Krisensituationen und das Lebensende gemacht hat. Wichtig ist auch, herauszufinden, welche Personen im Umfeld unter der Situation am meisten leiden.»

Deshalb werden auch Angehörige in den Prozess miteinbezogen. Letztlich gilt es, konkrete Notfallpläne für unterschiedliche Situationen zu erstellen. Was kann beispielsweise bei einem Erstickungsanfall oder massiven Schmerzen getan werden? Wann kann sich der Patient selbst helfen, wann braucht er seine Angehörigen und wann ist es notwendig, externe Hilfe zu holen?

In vielen Fällen ist es möglich, den Patienten durch einfache, konkrete Informationen die Angst vor den noch unbekannten Krankheitskonsequenzen zu nehmen. Das braucht zum einen fundiertes Wissen über die Symptome und zum anderen Fingerspitzengefühl in der Beratung der Patienten und ihren Angehörigen.

Lebensqualität trotz schwerer Krankheit

Allein das Wissen, 24 Stunden am Tag per Notfalltelefon einen Palliativ-Spezialisten sprechen zu können, gibt den Patienten Sicherheit. Im Notfall wenden diese auch Mittel zur Schmerzlinderung wie Schmerzpumpen an. «Anhand der systematischen Erfassung von Symptomen erstellen wir Entscheidungskaskaden und geben Patienten und Mitarbeitenden Instrumente an die Hand, bei gewissen Problemen systematisch reagieren zu können», erklärt Feuz.

Es scheint, als könne ein Chirurg die grösseren Erfolge verbuchen. Doch für Feuz ist klar: «Es ist eine grosse Befriedigung, wenn wir die Symptome eines Patienten massiv lindern konnten. «Wenn jemand trotz schwerer Krankheit sagen kann, ein gutes Leben zu haben, und man ihm auf diesem kurzen Wegstück etwas bieten konnte, das ist mehr, als man sich wünschen kann.»

Interdisziplinarität tut Not

Inzwischen absolvieren immer mehr Pflegefachpersonen eine Weiterbildung in Palliative Care. Ein Grund zur Freude, doch: «Es braucht Verständnis in der Grundversorgung, dass Palliative Care eine Spezialisierung ist. Auch Hausärzte, Spitex und andere Akteure müssen erkennen, wo dieser Wert liegt», sagt Feuz. Die Interdisziplinarität in diesem Bereich müsse noch massiv verbessert werden und dessen Stellenwert gerade im Zuge des wachsenden Drucks auf das Gesundheitssystem weiter gestärkt werden, sagt Feuz.