Heute gibt es innovative Krebsmedikamente, deren Wirkstoffe gezielter in das Wachstum von Krebszellen eingreifen anstatt wie Chemo-Therapien allgemein die Teilung von Zellen zu hemmen.

Auch beim Brustkrebs sind entscheidende Fortschritte beim Verständnis erfolgt, weshalb Krebszellen entarten. «Es handelt sich um Störungen der Kontrolle der Zellteilung, bedingt durch Mutationen von Genen, welche für die Signal-Übertragung im Zellinneren verantwortlich sind», erläutert der Facharzt Rudolf Morant.

Überaktive Signalwege blockieren

Dagegen wurden Medikamente entwickelt, welche diese überaktiven Signalwege gezielt blockieren. Seit längerer Zeit können hormonell angeregte Signalwege durch Hemmung der Hormonproduktion oder durch Antihormone gedrosselt werden, was zu oft lang anhaltender Tumorkontrolle führen kann.

Neuer sind Antikörper (Abwehr-Eiweiss-Moleküle), die sich an spezifische Oberflächenstrukturen von Krebszellen binden und somit Signalwege unterbrechen und eine gezielte Zerstörung von Tumorzellen durch das Immunsystem bewirken können.

Eine dieser Oberflächenstrukturen heisst HER2. Bei etwa 20 Prozent der Brustkrebspatientinnen finden sich auf der Oberfläche von Krebszellen zu viele HER2-Rezeptoren. Werden diese durch Botenstoffe aktiviert, tragen sie zur Vermehrung der Krebszellen bei. Medikamente, die als HER2-Rezeptorhemmer bezeichnet werden, können diese Rezeptoren blockieren und so das Krebswachstum hemmen.

Kombiniert mit Hormontherapie und Zytostatika

Anderseits gibt es kleine Moleküle, die im Innern der Tumorzellen Zwischen-Stationen der gleichen Signalwege hemmen. «Die neuen zielgerichteten Medikamente werden die bisherigen Zytostatika und Hormontherapien zwar nicht generell ersetzen, aber es kann durchaus sein, dass in einigen Situationen gleich oder sogar besser wirkende Behandlungskombinationen mit weniger Nebenwirkungen gefunden werden und dass dann auf zusätzliche Zytostatika verzichtet werden kann», stellt Morant in Aussicht.

Gezielter Angriff

Bevor solche zielgerichteten Therapien eingesetzt werden können, muss deren Wirksamkeit im Labor nachgewiesen werden. Gezielte Krebstherapien werden meist mit den klassischen Behandlungsansätzen der Anti-Hormontherapie beziehungsweise der Chemotherapie kombiniert. Es gibt aber bereits Studien, in welchen die Wirksamkeit solcher Therapien ohne gleichzeitige Chemotherapie mit der traditionellen chemotherapeutischen Vorgehensweise verglichen werden kann.