Wie verlief Ihre Krankheits­geschichte?
Angefangen hat sie 1997 mit einem urologischen Befund und einer anschliessenden dringenden Prostataoperation, da der Krebs bereits weit fortgeschritten war. Darauf folgten fast zehn Jahre Hormonbehandlung. Bei einer neuen Kontrollaufnahme hat sich dann gezeigt, dass meine Knochen mit Metastasen befallen waren. Seither bin ich in onkologischer Behandlung.

Und wie läuft eine onkologische Behandlung im Unterschied zur Hormonbehandlung ab?
Hormonbehandlungen haben fast keine Nebenwirkungen. Die Chemotherapien hingegen schon. Ich bin jetzt an der dritten unterschiedlichen Chemotherapie, die erste begann 2007. Alle drei Wochen erhalte ich dreistündige Injektionen. Das wird so lange getan, wie das Mittel Wirkung zeigt – ­also, die Knochenschmerzen hemmt.

Wie wirkt die Chemotherapie bei Ihnen?
Jede der Therapien, die ich durchlaufen habe, hat am Anfang gewirkt. Nach etwa neun Monaten nahm die Wirksamkeit allerdings jedes Mal ab. Danach hielt man jeweils Ausschau nach einem neuen Mittel. Als zweite Therapie hat Dr. Breitenstein eine neue Kombination ausprobiert mit einem Mittel, das eher gegen andere Krebsarten wie Brust- oder Dickdarmkrebs eingesetzt wird.

Das hat bei mir augenblicklich gewirkt, doch auch hier liess die Wirkung nach rund einem Dreivierteljahr nach. Als dritte Therapie wurde bei mir eine Hormontherapie appliziert. Ein halbes Jahr lang hat sie gut funktioniert, dann ging es wieder mit den Schmerzen los.

Welche Nebenwirkungen sind bei Ihnen aufgetreten. Und wie gehen Sie mit ihnen um?
Üblicherweise bekomme ich einen sehr empfindlichen Rachen. Vor allem die Zunge wird empfindlich gegen Hitze, scharfe Gewürze, Säuren oder Kohlendioxid. Gelegentlich verschlucke ich mich, auch im Schlaf. Dann habe ich häufig einen Film auf ­den Augen, Nasenfluss und Ödeme an den Beinen. Die werden mit Stützstrümpfen recht wirksam kontrolliert. Manchmal verformen sich die Nägel.

Das kann man mit speziellen Handschuhen und Socken ein Stück weit unter Kontrolle halten. Seit der ersten Behandlung hatte ich vollständigen Haarausfall. Was ich erst in dieser neusten Behandlung verspüre, ist eine grosse Schläfrigkeit. Zuletzt hatte ich auch starke Magenverstimmungen und Darmprobleme.

Ist auch Neutropenie bei ­Ihnen aufgetreten?
Ich habe chronisch einen zu tiefen Immunitätspegel. Das führte schon zu einer kritischen Situation, die aber sofort unter Kontrolle gebracht werden konnte. Wegen der Blutarmut bin ich einmal plötzlich bewusstlos gestürzt und ich fiel mit meinen Kopf gegen eine Türkante. Zum Glück habe ich ausser einer langen Narbe keine Folgen davongetragen. Heute, bevor ich aus dem Bett gehe, fühle ich zuerst, wie es um meine Durchblutung steht, und stehe erst auf, wenn die sich einigermassen stabilisiert hat.

Und wie geht es Ihnen heute?
Ich bin müde, aber das ist inzwischen normal. Am schönsten ist es, wenn ich keine Schmerzen spüre. Dann ist mein Kopf nicht bei der Krankheit, sondern bei meinen Projekten. Wenn man die Chemotherapie absetzt, habe ich grauenhafte Schmerzen in den Knochen und Gelenken.

Welchen Ratschlag geben Sie nach Ihren Erfahrungen weiter?
Ich empfehle allen meinen männlichen Bekannten, sie sollen sich regelmässig untersuchen lassen. Ab 50 ist das angezeigt. Ich wäre froh gewesen, wenn mir jemand das gesagt hätte, bevor ich schon im fortgeschrittenen Krankheitsstadium war. Man merkt nämlich nichts. Früherkennung ist bei Krebs das A und O.