Für eine optimale Therapietoleranz...

...muss der Körper von Krebspatienten in erster Linie ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt sein. Die Realität sieht aber oft anders aus. Denn je nach Tumorart sind 30 bis 80 Prozent der Krebspatienten mangelernährt, wobei mangelernährt nicht dasselbe bedeutet wie untergewichtig, wie die Ernährungsberaterin SVDE, Stefanie Bürge, erklärt: «Auch Übergewichtige können an einem Nährstoffmangel leiden, was einen negativen Prognosefaktor darstellt.

Die veränderte Stoffwechsellage und die ungenügende Nährstoffzufuhr der Krebserkrankten führen zu einem Muskel- und Fettabbau, was sich ungünstig auf die Krankheitsprognose auswirken kann».

Was sich hingegen günstig auf den Stoffwechsel, die Verträglichkeit der antitumoralen Therapie und den Krankheitsverlauf auswirkt, ist gemäss Bürge eine intensivierte, individuell angepasste Ernährung, die den Patienten bedarfsdeckend mit Energie, Eiweiss und Mikronährstoffen versorgt.

Diäten können riskant sein

Welche Lebensmittel konkret guttun oder schädlich sind, hängt jeweils vom Ernährungszustand des Patienten und von potenziellen Nebenwirkungen der Therapie ab.

Hierzu die Ernährungsberaterin: «Bestehen keine Ernährungsprobleme, empfehle ich eine normale, ausgewogene Mischkost. Patienten mit Mangelernährung oder Risiko für Mangelernährung benötigen spezifische Ernährungsmassnahmen». Häufig diskutiert wird in der Krebstherapie der Einsatz von Grüntee, Kurkuma, Ingwer und Omega-3-Fettsäuren – gemäss Stefanie Bürge jedoch ohne Evidenz.

Von speziellen Krebsdiäten, wie der Breuss-Diät oder der ketogenen Diät, rät die Expertin dringendst ab. «Keine Diät kann einen Tumor heilen oder aushungern.

Kaum eine Diät ist sinnvoll. Manche sind sogar gefährlich, da sie den ohnehin bereits entkräfteten Organismus weiter schwächen und auf Dauer zu Fehl- und Mangelernährung führen können», erklärt Bürge.

Appetitlosigkeit mit Kalorien ausgleichen

Krebspatienten leiden häufig an Appetitlosigkeit, was eine Mangelernährung begünstigen kann. In solchen Situationen steht nicht mehr eine gesunde Ernährung im herkömmlichen Sinne im Vordergrund, sondern die Bedarfsdeckung an Kalorien und Eiweiss. «Bei Inappetenz und Gewichtsverlust empfehle ich eine kalorienreiche, eiweiss- und fettbetonte Ernährung.

Füllmaterial, wie Suppe und Salat, würde ich weglassen, da diese Menükomponenten voluminös sind und schnell sättigen», so die Ernährungsexpertin. «Um den Verdauungstrakt zu entlasten, würde ich die Hauptmahlzeiten auf fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten aufteilen.

Weiter rate ich, kalorienreiche Snacks einzubauen und Vollfettprodukte zu bevorzugen, allenfalls Mahlzeiten mit Kalorien und Eiweiss anzureichern – beispielsweise mit Öl, Butter, Rahm, Nuss(-mus), Zucker oder Honig – und/oder mit Zusatzprodukten wie kalorien- und eiweissreichen Trinknahrungen zu arbeiten», ergänzt sie.

Lässt der Patient wegen Appetitlosigkeit Gemüse, Salat und Obst weg, empfiehlt Bürge, die Vitamin- und Mineralstoffzufuhr mit Supplementen, wie etwa Supradyn oder Jemalt 13 + 13, zu gewährleisten. Dies jedoch immer in Absprache mit dem Arzt.

Patientensensibilisierung wichtig

Die richtige Ernährung stellt neben Operation, Strahlen- und Chemotherapie eine bedeutende Säule der Krebstherapie dar. Dementsprechend wichtig ist das Wissen der Patienten darum, dass sie mit einer angepassten Ernährung die Wirksamkeit der Therapie verbessern und potenzielle Nebenwirkungen reduzieren können.

Dies wiederum setzt Ärzte voraus, die ihre Patienten auf die Ernährungskomponente sensibilisieren und gegebenenfalls einem Ernährungsberater zuweisen: «Wir sind auf eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Therapeuten, wie zum Beispiel Physiotherapeuten, angewiesen, die Patienten darauf aufmerksam machen, was es sonst noch für Therapieangebote gibt», betont die Ernährungsberaterin.

Ist der Patient an einer Ernährungsberatung interessiert, stellt ihm der behandelnde Arzt eine Verordnung aus, sodass der Ernährungsberater über die Krankenkasse abrechnen kann. Von der Krankenkasse anerkannt sind nur diplomierte Ernährungsberater/innen SVDE, HF oder FH.