Die Krebstherapie wird immer zielgerichteter. Man versucht heute mit speziellen Medikamenten Tumorzellen direkt zu attackieren und das körpereigene Immunsystem gegen Krebszellen einzusetzen. «Das Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass die Tumorzellen eliminiert werden können. Die neuen Substanzen aktivieren Immunzellen, die in der Lage sind, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten», sagt Roger von Moos, Chefarzt Onkologie und Hämatologie Kantonsspital Graubünden.

Der Vorteil: Die Immuntherapie greift den Krebs deutlich gezielter an als die gängige Chemotherapie. Der Ansatz der Immuntherapie ist nicht neu. Seit Jahrzehnten wird daran geforscht – doch in den letzten Jahren ist der Durchbruch gelungen.

Erfolgreich beim schwarzen Hautkrebs

Die neuen Substanzen sind in erster Linie sehr erfolgreich beim schwarzen Hautkrebs. «Bei anderen Tumorarten sind diese Medikamente noch in klinischen Studien. Doch insbesondere beim Lungen, Blasen- und Lymphdrüsenkrebs hegen wir grosse Hoffnungen. Wir haben aber auch gesehen, dass gewisse Krebsarten mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht auf eine Immuntherapie ansprechen – etwa der Bauchspeicheldrüsenkrebs», so von Moos.

Das faszinierende an der Immuntherapie sei, dass man ausgeprägte Langzeiterfolge habe. «Patienten, die früher innerhalb eines Jahres gestorben sind, leben heute über mehrere Jahre. Es gibt sogar Patienten, die möglicherweise geheilt sind.» Roger von Moos erzählt von einem Hautkrebspatienten, dessen Organe grösstenteils vom Krebs befallen waren.

Seit die Immuntherapie bei ihm durchgeführt wird, ist er seit Jahren in Remission und sein Gesundheitszustand ist gut. Die Immuntherapie wird über Infusionen ambulant verabreicht. Während die Nebenwirkungen bei der früheren Substanz beträchtlich sein konnten, werden die heutigen Medikamente sehr gut vertragen. «Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall und Hautausschläge», so der Onkologe.

Noch viele Fragen offen

Auf dem Gebiet der Immuntherapien werden in nächster Zeit noch sehr viele Fortschritte erzielt werden und neue Medikamente auf den Markt kommen. Dennoch gibt Dr. von Moos zu bedenken, dass noch viele Fragen offen sind und es noch weitere Forschung braucht, um herauszufinden, weshalb etwa einige Krebsarten besser als andere auf die Immuntherapie reagieren.

Oder weshalb einige Patienten gar nicht auf die Immuntherapie ansprechen. Antworten auf diese Fragen zu bekommen ist denn auch im volkswirtschaftlichen Kontext zentral. «Ein wesentliches Problem ist heute noch, dass die Substanzen sehr teuer sind. Das Medikament, welches heute auf dem Markt ist, kostet pro vier Infusionen 100 000 Franken.

Da wäre es natürlich auch von wirtschaftlichem Interesse zu wissen, bei wem das Medikament tatsächlich anschlägt», so von Moos abschliessend.