Dr. Novak, welche Therapiemassnahmen kommen heute beim Hodgkin-Lymphom zum Einsatz?

Prinzipiell werden zur Behandlung dieser Krankheit eine Chemotherapie und oft auch eine Strahlentherapie eingesetzt.

Mit Ausnahme von älteren und betagten Patienten, wo diese Erkrankung vergleichsweise seltener auftritt, wird die Therapie mit dem Ziel der Heilung durchgeführt.

Die Intensität und Dauer der Chemotherapie richtet sich bei jüngeren Betroffenen nach dem Stadium und Risikofaktoren wie zum Beispiel, ob die Krankheit zu Gewichtsverlust und Fieber geführt hat.

Auch im Falle eines Rückfalls kann die Heilung immer noch erreicht werden, dazu sind aber intensivere Therapieschemen erforderlich, die einen Spitalaufenthalt notwendig machen.

Heisst die Zukunft beim Hodgkin-Lymphom Immuntherapie?

Dies ist eine schwierige Frage. Wir erreichen mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten hohe Heilungsraten bis 95 Prozent. Dies muss zuerst einmal übertroffen werden.

Die Bestrebungen gehen dahin, bei möglichst gleichem Behandlungserfolg die Behandlungsintensität und damit die kurz- bis langfristigen Therapiefolgen zu reduzieren. Hier könnte die Immuntherapie ihren Platz finden.

Welche Fortschritte hat es hier in den letzten Jahren gegeben?

Hierzu muss zwischen den verschiedenen Optionen der Immuntherapie unterschieden werden. Seit 2013 können wir einen Antikörper verwenden, der durch Bindung an die Oberfläche eine Chemotherapie in die Hodgkin-Zelle bringt.

Diese Substanz hat bei Patienten mit schwierig zu behandelnden Rückfällen klar eine neue Perspektive eröffnet. Wir wissen nun auch, wie wir den Antikörper mit einer Chemotherapie kombinieren können.

In Studien wird derzeit untersucht, ob sich dadurch die Erstbehandlung verbessern lässt.

Aufgrund genetischer Veränderungen beim Hodgkin-Lymphom wurde die Wirksamkeit von Antikörpern, welche die Immunabwehr gegen diese Erkrankung stimulieren, vorausgesagt.

Diese Antikörper haben zuvor bereits die Behandlung des schwarzen Haut- und des Lungenkrebses deutlich verbessert.

Wann kann eine Immuntherapie beim Hodgkin-Lymphom zum Einsatz kommen?

Die Immuntherapien können derzeit ausserhalb von Studien lediglich bei Rückfällen angewendet werden, und deren Anwendung wird nur in definierten Situationen bezahlt.

Wenn damit die Immunabwehr stimuliert werden soll, erfordert dies, zumindest aktuell, noch teilweise langwierige Verhandlungen mit der Krankenkasse. Aufgrund der dokumentierten, guten Wirksamkeit kann ich in der letzten Zeit eine kulantere Haltung feststellen.

Welche Erfolgsaussichten hat eine Immuntherapie beim Hodgkin-Lymphom?

Die Immuntherapien können dazu beitragen, dass die Behandlung des Hodgkin-Lymphoms bei gleicher oder gar besserer Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen hat. Davon könnten auch besonders ältere Patienten profitieren.

Da die bisherigen Therapien allerdings bereits sehr gut sind und wir zu den Nebenwirkungen mit den heutigen Behandlungen jahrelange Erfahrungen haben, braucht es dazu Geduld, die Unterstützung von sorgfältigen Untersuchungen und nicht zuletzt einen wachsamen Blick auf die Behandlungskosten.