Die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten, die Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Guckenberger und sein Team behandeln, leiden an bösartigen Tumorerkrankungen, die gekennzeichnet sind durch ein aggressives Wachstum und die Gefahr der Metastasierung.

Durch Bestrahlung können bei vielen Tumoren die kranken Zellen abgetötet und der Krebs besiegt werden. Falls eine solche Heilung bei manchen Erkrankungen nicht mehr möglich ist, ist die Strahlentherapie eine gut verträgliche und wirksame Methode, um Beschwerden zu lindern.

Gesundes Gewebe schonen

Wie der menschliche Körper bestehen auch Tumoren aus Zellen. Das Wachstum eines Tumors wird dabei über die Zellteilung geregelt. Eine der Hauptwirkungen der Strahlentherapie besteht in der Störung der Zellteilung. Die Strahlen greifen unter anderem die Erbsubstanz im Zellkern an.

Die Zelle verliert damit die Fähigkeit, sich zu teilen, und stirbt in der Folge ab. Jede Zelle verfügt jedoch über ein Reparatursystem, um solche Schäden zu beheben. Diese Fähigkeit zur Wiederherstellung ist in gesunden, normalen Zellen wesentlich ausgeprägter als in Tumorzellen. Mit andern Worten: Die Strahlung schädigt den Tumor weitaus stärker als das umgebende Gewebe. «Exakt diesen Unterschied im Reparaturvermögen macht sich die Strahlentherapie zunutze.

Sie ist also von Natur aus eine zielgerichtete Therapie», betont Guckenberger. Allerdings benötigen die Reparaturvorgänge im mitbestrahlten gesunden Gewebe Zeit. Deshalb wurde die gesamte Bestrahlung bisher immer in mehrere Einzelsitzungen aufgeteilt.

Stereotaxie oder Radiochirurgie

Heute steht den Radioonkologen eine Vielzahl an technischen Weiterentwicklungen zur Verfügung, welche die Bestrahlung punktgenau auf den Tumor fokussieren und das umliegende gesunde Gewebe weitgehend schützen. «Diese modernen Techniken und deren Präzision erlauben somit, bestimmte Tumoren etwa der Lunge, Leber, des Gehirns oder der Prostata in nur sehr wenigen Behandlungssitzungen oder sogar in nur einer einzigen Sitzung abzutöten.

Dies nennt man Stereotaxie oder Radiochirurgie», so Professor Guckenberger. Ziel sei immer, durch Konzentration der Strahlen im erkrankten Gebiet dieses besonders zu schädigen und das umliegende gesunde Gewebe bestmöglich zu schonen. Bestimmte Tumoren der Lunge, Leber oder der Prostata können daher heute mittels Strahlentherapie ebenso erfolgreich geheilt werden, wie dies früher nur durch eine Operation möglich war.

Hochpräzisions-Strahlentherapie

Im Interdisziplinären Zentrum für Hochpräzisions-Radiotherapie, dem ersten seiner Art in der Schweiz, werden am Universitätsspital die klinischen und wissenschaftlichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Hochpräzisions-Strahlentherapie gebündelt.

Die Hochpräzisions-Radiotherapie ist im Tumorzentrum angesiedelt, um die neusten radioonkologischen Technologien in modernste und gesamt-onkologische Behandlungskonzepte zu integrieren. Am Universitätsspital planen die Spezialisten der Radioonkologie in enger Zusammenarbeit mit zuweisenden Ärzten, interdisziplinären Fachärzten und den Patienten selber ganzheitliche Therapiekonzepte.

«Durch unser Wissen in allen Bereichen der radioonkologischen Forschung wollen wir unseren Patientinnen und Patienten bestmögliche Heilungschancen bieten», sagt Guckenberger. Alle Patienten werden daher in Spezialsprechstunden von Experten beraten und während der gesamten Bestrahlungsbehandlung engmaschig und individuell betreut.

Lehere und Weiterbildung

Daher sei es auch notwendig, heute die besten Ärzte, Pflegenden, Physiker und Fachleute für die medizinisch-technische Radiologie von morgen auszubilden. Dies bezeichnet Professor Guckenberger als Mission und Auftrag in Lehre und Weiterbildung.

Beim ersten Besuch in der Radioonkologischen Klinik wird noch keine Bestrahlung durchgeführt, sondern es steht ein eingehendes Gespräch über die Erkrankung und die Symptome sowie eine ausführliche Untersuchung auf dem Programm.

«Die Krebstherapie ist heute so komplex geworden, dass die für jeden Patienten individuell beste Therapie in enger Abstimmung mit allen Fachdisziplinen gefunden werden muss. Am besten geschieht dies in einem zertifizierten Tumorzentrum wie bei uns», betont Professor Guckenberger.