Nach wie vor ist das Rauchen der Hauptrisikofaktor für einen Lungenkrebs. Der Tumor ist sehr heimtückisch, weil er oft erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie Husten, Brustschmerzen oder Atemnot auslöst. Bei der Mehrheit der Patienten wird der Tumor deshalb spät entdeckt, wenn bereits Ableger (Metastasen) beispielsweise in der Lunge, der Leber, den Knochen oder im Gehirn vorliegen.

In diesem Stadium sind Therapien oft nur wenig wirksam: Die niedrigen Fünf-Jahres-Überlebensraten von unter 15 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Die Immuntherapie habe das Potenzial, eine bahnbrechende neue Behandlung von Lungenkrebs zu ermöglichen, betont der Onkologe Martin Früh vom Kantonsspital St. Gallen: «Die Immunonkologie wird die Lungenkrebstherapie gewaltig verändern.»

Tabak als Grund

Lungenkrebs ist weltweit die häufigste krebsbedingte Todesursache. 2012 wurde bei fast zwei Millionen Menschen ein Lungenkrebs diagnostiziert. Männer waren dabei doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Gleichzeitig zeigen Statistiken, dass der Anteil der Frauen zunimmt. Grund ist der vermehrte Tabakkonsum der weiblichen Bevölkerung. In der Schweiz erkranken rund 2460 Männer und 1440 Frauen jährlich neu an Lungenkrebs.

Veränderung der Signalwege

Anlass zu neuer Hoffnung geben die neusten Resultate in der Immuntherapie. Diese wirkt nachweislich bei verschiedenen Krebsarten, die bisher nur schwer zu behandeln waren. Nicht nur beim Melanom, wo die Behandlung mittlerweile etabliert ist, sondern auch bei anderen aggressiven Tumorarten wie Lungen-, Blasen- oder Nierenkrebs, bei Tumoren des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, und sogar bei Chemotherapie-resistenten Lymphdrüsenkrebstypen gibt es vielversprechende medizinische Daten.

Aufgrund der Erkenntnis von sogenannten Tarnmechanismen von Tumorzellen, welche der körpereigenen Abwehr entgehen können, wurde ein immunologisch aktives Eiweiss (Antikörper) entwickelt, welches diese «Tarnung» aufheben kann, so dass sich das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen richtet.

Immunsystem zerstört den Krebs

Krebszellen werden so vom Immunsystem als fremd erkannt und zerstört. Die Immuntherapie beim Lungenkrebs ist nach Versagen einer ersten Chemotherapie nicht nur wirksamer, sondern auch besser verträglich als eine weitere Chemotherapie. Ähnlich wie beim Melanom wurde zudem gezeigt, dass bei einem Teil der Patienten die Tumorerkrankung sehr lange kontrolliert werden kann.

Die Immuntherapie ist somit eine neue wichtige Säule auch in der Lungenkrebsbekämpfung. «Leider können nicht alle Patienten davon profitieren. Eine der aktuell wichtigsten Forschungsfragen ist es, herauszufinden, bei wem die Therapie nichts nützt und welche Patienten sehr gut darauf ansprechen», so Früh.