Der Mastdarm ist der letzte Teil des Dickdarms (Kolon) und mündet beim Schliessmuskel am After. Mastdarmkrebs entsteht meistens aus einer zunächst gutartigen Gewebewucherung, in der Regel aus einem Polypen. Symptome wie Blut- oder Schleimabgang, Veränderung der Stuhlgewohnheiten oder Schmerzen deuten auf Mastdarmkrebs hin.

Zur Diagnose werden meistens eine Dickdarmspiegelung vorgenommen und Proben aus dem verdächtigen Gewebe entnommen.
«Von entscheidender Bedeutung ist die Frage, wie gross der Krebs ist und ob er schon Ableger gebildet hat, zum Beispiel in Lymphdrüsen, in der Leber oder Lunge», erläutert der Chirurg Gian A. Melcher. Dazu sind Untersuchungen wie Computertomographie, MRI oder Ultraschall des Enddarms notwendig.

Die Resultate sämtlicher Befunde werden in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen: Verschiedene Spezialisten wie Magen-Darm-Fachärzte, Chirurgen, Röntgenärzte, Onkologen und Strahlentherapeuten beurteilen im gemeinsamen Gespräch die Situation und unterbreiten dem Patienten einen Behandlungsplan. Dieser wird aufgrund der Tumorgrösse, seiner Lage sowie einer eventuellen Bildung von Ablegern festgelegt.

Möglichst schonende Operation

Bei fortgeschrittenen Tumoren erfolgt meist eine kombinierte Vorbehandlung mit lokaler Bestrahlung und ergänzender Chemotherapie. Nach einer meist mehrwöchigen Pause wird der Krebs mittels Operation entfernt. Bei kleineren Tumoren wird meistens direkt operiert. Je nach Resultat der feingeweblichen Untersuchung des entfernten Mastdarmes ist nach der Operation eine Zusatzbehandlung (Bestrahlung und/oder Chemotherapie) notwendig.

«Operationen am Mastdarm sind anspruchsvoll, da der Raum im Becken sehr eng ist und sich wichtige Organe wie Blutgefässe, Nerven, Harnblase oder Prostata in unmittelbarer Nähe befinden», betont Melcher. Heute werden möglichst schonende Operationstechniken angewandt. So wird ein Teil der Operationen auch mittels Schlüssellochtechnik (Laparoskopie) durchgeführt, wodurch weniger Schmerzen verursacht werden und die Erholung schneller verläuft.

Bei jeder Operation muss der Mastdarmkrebs mit dem umgebenden Fett- und Lymphdrüsengewebe möglichst radikal entfernt werden. Je näher der Krebs beim Schliessmuskel liegt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine vollständige Entfernung des Mastdarmes, inklusive Schliessmuskel, erfolgen muss.

Als Folge davon muss der Patient lebenslang mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) leben. Vorbehandlungen mittels Bestrahlung und Chemotherapie sowie neue Operationstechniken haben dazu geführt, dass die Zahl der davon betroffenen Patienten in den letzten Jahren abgenommen hat. Aus verschiedenen, auch operationstechnischen Gründen muss bei einer grösseren Anzahl Patienten für eine bestimmte Dauer von wenigen Wochen ein (vorübergehender) künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Standardisiertes Vorgehen

Nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung müssen sich die Patienten in der Regel einer regelmässigen Nachkontrolle mit Darmspiegelung, Ultraschall und Computertomografie unterziehen. «Ein Team mit grosser Erfahrung sowie ein möglichst standardisiertes Vorgehen senken Komplikationsrate während und nach der Operation und erhöhen die Heilungschancen», betont Melcher.

Aus diesem Grund hat das Beschlussorgan der Interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialiserte Medizin auch Leistungsaufträge an eine ausgewählte Anzahl Spitäler erteilt – nur  hier dürfen Operationen bei Mastdarmkrebs durchgeführt werden.