Der schwarze Hautkrebs gilt als eines der aggressivsten Malignome, dessen Therapiemöglichkeiten im fortgeschrittenen Stadium bis vor wenigen Jahren begrenzt waren und unbefriedigende Wirkung zeigten. «Die Diagnose kam einem Todesurteil gleich», sagt der Onkologe Marco Siano vom Kantonsspital St. Gallen.

So erzielten Chemotherapien oder damals angewandte Immuntherapien bei vorhandener Metastasierung durchschnittlich lediglich Ansprechraten von fünf bis zehn Prozent beziehungsweise ein Überleben von sechs bis neun Monaten. Seit Kurzem stehen jedoch Substanzen zur Verfügung, die mit unterschiedlichen Wirkansätzen neue Hoffnung bei Onkologen und Patienten aufkeimen lassen.

«Langzeitige Stabilisierungen der Erkrankung und sogar das seltene Wort der Heilung könnten Medikamente versprechen, die das körpereigene Immunsystem aktivieren, um in Folge maligne Zellen zu erkennen und abzutöten», erläutert Siano.

Den Tumor angreifbar machen

Die Forschung hat inzwischen neue Erkenntnisse gewonnen, wie das Immunsystem mit Krankheitserregern wie Viren und Bakterien, aber auch mit Tumoren umgeht. Natürliche Mechanismen verhindern mittels Proteinen (Eiweisse), die an der Zelloberfläche präsentiert werden, sogenannte «Checkpoints», ein Überschiessen der Abwehrmechanismen des Körpers.

Sie verhindern dadurch auch, dass zu viel körpereigenes Gewebe zerstört wird. Krebs ist zwar keine Infektion, doch ist seit Längerem bekannt, dass unser Abwehrsystem aufgrund veränderter Oberflächenstrukturen auch maligne Zellen erkennt und dagegen vorgehen möchte, bis anhin meist mit mässigem Erfolg. «Tumore wie das Melanom nutzen diese Checkpoints aus, um sich dem Immunsystem zu entziehen», erklärt Siano.

Unterdessen sind neue Medikamente entwickelt worden, wiederum Proteine (Antikörper), welche diese Checkpoints blockieren und somit dem Tumor wie auch dem Immunsystem diese Blockade entziehen. Dies ermöglicht dem körpereigenen Immunsystem, ungebremst die Tumore anzugreifen.

Damit, so Siano, sei eine Revolution in der Melanombehandlung und der Tumorbehandlung insgesamt ausgelöst worden, welche die Überlebenszeiten der Patienten deutlich verlängert. Patienten, die auf die Therapie ansprechen, könnten mit der Hoffnung leben, dass die Erkrankung über fünf bis zehn Jahre kontrolliert werden kann.

Die Kehrseite der Medaille

Die Behandlung hat indes drei Probleme: Die verwendeten Wirkstoffe wirken nur bei einem kleinen Teil der Patienten sehr gut (10–15 Prozent). Bei den anderen Patienten versucht man mit Kombinationen einzelner Checkpoint-Antikörper ebenfalls ein Ansprechen herbeizuführen.

Auch Kombinationen mit anderen, ebenfalls sehr wirksamen Medikamenten wie den zielgerichteten Therapien sind möglich und versprechen Erfolg. Das zweite Problem manifestiert sich darin, dass bei gewissen Checkpoint-Antikörpern die verstärkte Immunreaktion selten auch mit schweren Nebenwirkungen verbunden ist. Sogenannte Autoimmunkrankheiten wie zum Beispiel chronische Darmerkrankungen, die durch das eigene Immunsystem hervorgerufen werden, können durch die Alarmierung des Immunsystems mit Checkpoint-Antikörpern ebenfalls verstärkt werden.

Hoffnung bestehe insofern, als bereits neuere Medikamente dieser Gruppe vor der Zulassung stehen, welche diesen Mechanismus nicht zeigen und praktisch ohne schwerwiegende Nebenwirkungen vertragen werden, sagt Siano. Ein drittes Problem ortet er bei den hohen Preisen. Dadurch könnte der Zugang aller Patienten zu diesen Medikamenten gefährdet sein.