Als Chemotherapie bezeichnet man die Behandlung von Tumorerkrankungen mit Zellgiften. Meistens werden diese Medikamente als Infusion verabreicht, selten in Tablettenform. Diese Zellgifte hemmen die Zellteilung und damit das Tumorwachstum und können so die Krebsknoten zum Schrumpfen bringen. «Wir setzen sie hauptsächlich bei Krebsformen ein, welche gut auf solche Medikamente ansprechen können», sagt Urs Breitenstein, Facharzt für Onkologie in Zürich.

Als Ergänzung zur Operation kann die Chemotherapie vielfach die Heilungschance verbessern. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch biologisch gezielte Medikamente in Ergänzung zur Chemotherapie eingesetzt. Die Behandlungen sind oft sehr komplex und können Nebenwirkungen verursachen. «Man muss den Patienten sehr gut kennen und einschätzen können. Die richtige Anwendung dieser Medikamente braucht viel Feingefühl», erzählt Breitenstein.

Haarausfall ist häufig

Weil die in der Chemotherapie eingesetzten Zellgifte gegen alle sich schnell teilenden Gewebe einwirken, treten dort die meisten Nebenwirkungen auf. Haare, Haut, Nägel Schleimhäute und das Blutsystem sind besonders betroffen. «Haarausfall kommt häufig vor, ist aber vom Medikamententyp und dessen Dosierung abhängig», sagt Breitenstein.

Diese Nebenwirkung trete verzögert ein, meist zwei bis drei Wochen nach der ersten Behandlung. «Die Schwächung des Gewebes durch die Behandlung kann gross sein. Deshalb wird Chemotherapie in sogenannten Zyklen verabreicht, welche Pausen beinhalten, in denen die Zellgifte ausgeschieden werden und sich der Körper erholen kann», sagt er. Dazu würden parallel unterstützende Massnahmen gegen Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautreaktionen getroffen.

Medikamente gegen Neutropenie

Eine mögliche, gefährliche Nebenwirkung ist die Neutropenie, eine drastische Abnahme weisser Blutkörperchen im Körper des Patienten. «Der Patient ist in solchen Situationen gefährdet, Infekte zu entwickeln», sagt Breitenstein. Begünstigend für solche Infektionen sind Schleimhautprobleme, welche durch die Chemotherapie verursacht werden.

«Fieber über 38 Grad ist ein klares Zeichen einer solchen Infektion. Sie entwickelt sich häufig über offene Schleimhautstellen in der Mund- oder Darmschleimhaut und ist durch Bakterien verursacht, welche an diesen Stellen normalerweise leben», so Breitenstein. Man spricht dann von neutropenischem Fieber, welches lebensgefährlich sein kann.

Um dem entgegenwirken zu können, muss die Phase der Neutropenie durch Medikamente, welche Vermehrung der weissen Blutkörperchen beschleunigen, verkürzt werden. Gegen neutropenisches Fieber präventiv Medikamente zu verabreichen, sei nicht die Regel, wird aber bei starken Chemotherapien empfohlen. Tritt das Fieber auf, muss es auf jeden Fall behandelt werden.

Patienten psychologisch vorbereiten

Solche Komplikationen treten aber in der Regel eher selten auf. «Die meisten Patienten tolerieren die Therapie ordentlich gut», sagt Breitenstein. Selten muss eine Krebsbehandlung wegen massiven Nebenwirkungen abgebrochen werden. Eine Therapie dauere meistens über vier bis acht Zyklen, welche Erholungspausen von drei bis vier Wochen beinhalten. «Meine Erfahrung zeigt, dass die Therapie oft als weniger einschneidend erlebt wird, als von den Patienten anfänglich angenommen», sagt er.

Es gäbe aber klar Nebenwirkungen, auf welche man Patienten medizinisch und psychologisch gut vorbereiten müsse. Menschen, die vor einer Chemotherapie stehen, spricht er viel Mut und Zuversicht zu. «Positiv denken» laute dieDevise.