«Der Oberbegriff maligne Lymphome umfasst mehr als 70 verschiedene Lymphomarten. Diese wiederum unterscheiden sich deutlich bezüglich ihrer Prognose und damit auch der Therapiemöglichkeiten», sagt Prof. Dr. Christoph Renner, Partner des Onkozentrums der Klinik Hirslanden, Zürich.

Die Heilungschancen der meisten Lymphomarten haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Vom Wachstumsverhalten her unterscheidet man hauptsächlich die sogenannten langsam wachsenden von den schnell wachsenden, aggressiven Lymphomen.

Mantelzell-Lymphom (MCL)

Ein schwierig zu behandelndes Lymphom war bis anhin das Mantelzell-Lymphom. Das Mantelzell-Lymphom ist eine relativ seltene Lymphomart und macht etwa 6 Prozent aller Lymphomerkrankungen pro Jahr aus. Die meisten Patienten, die an einem Mantelzell-Lymphom erkranken, sind älter als 60 Jahre.

«Bis anhin wurden die Patienten hauptsächlich mit einer Immunchemotherapie behandelt. Damit kann das als unheilbar geltende Mantelzell-Lymphom zwar zurückgedrängt werden, allerdings nur für eine begrenzte, oft nur kurze Dauer», so Renner. Bei einem Rückfall waren die Prognosen schlecht.

Neue, erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten

Nun hat die Forschung in den letzten fünf Jahren ein besseres Verständnis für die Zellprozesse in den Zellen gewonnen und daraus neue Therapien entwickelt. «Durch das bessere Verständnis der zugrundeliegenden genetischen Veränderungen konnten in den letzten Jahren zielgerichtet wirkende neue Substanzen entwickelt werden.

So weiss man heute, welche Signalwege gestört sind und weshalb Signale fehlerhaft überaktiviert sind. Um diese Signalwege zu blockieren, werden heute sogenannte Blocker entwickelt. Beim Mantelzell-Lymphom ist dies z.B. der Bruton-Tyrosinkinase (BTK) Hemmer. Der BTK Inhibitor kann bei erwachsenen Patienten, die nach einer Therapie einen Rückfall erlitten haben oder nicht auf die Therapie ansprachen, eingesetzt werden. BTK Inhibitoren haben eine sehr hohe Ansprechrate und 70-80 Prozent der Patienten mit einem Rückfall zeigen einen positiven Verlauf.

«Das Medikament ist neu auch in der Schweiz zugelassen und erste Patienten befinden sich in Behandlung. Die Substanz wird von den meisten Patienten hervorragend vertragen, die Lymphknoten schwellen rasch ab und die Blutwerte sind in der Regel sehr gut», erklärt Prof. Renner. Allerdings gibt der Hämato-Onkologe zu bedenken, dass man nicht weiss, für wie lange dieser Zustand anhält. «Dazu fehlen uns noch Langzeitstudien. Der Patient mit der längsten Einnahmedauer aus meinem eigenen Klientel nimmt das Medikament seit 12 Monaten.»

Behandlung des multiplen Myeloms

Langzeitergebnisse zu neuen immunmodulatorischen Substanzen wie Lenalidomid sind deutlich besser erforscht. Diese Medikamentengruppe kommt bislang hauptsächlich beim Multiplen Myelom zum Einsatz. Das Multiple Myelom ist vornehmlich eine Krebserkrankung des Knochenmarks, welche durch die bösartige Vermehrung von Antikörper produzierenden Zellen, den Plasmazellen, gekennzeichnet ist.

Das Multiple Myelom ist typischerweise eine Erkrankung des älteren Menschen. Neben dem Einsatz von Chemotherapie kommen auch hier neue Substanzen, wie die bereits erwähnten immunmodulatorischen aber auch sogenannte Proteasom-Inhibitoren zum Einsatz. Diese Medikamente, welche zum Teil oral eingenommen werden weisen hohe Ansprechraten bei guter Verträglichkeit auf. 

«Die Überlebensdauer von Patienten mit Multiplem Myelom wird dank der Verfügbarkeit neuer Medikamente deutlich verlängert. Mehrere Studien haben zudem gezeigt, dass diese neuen Medikamente auch bei Lymphomerkrankungen wie dem bereits erwähnten Mantelzell-Lymphom aktiv sind und damit das therapeutische Spektrum deutlich erweitern können», so der Facharzt abschliessend.