Dr. Goede, wie entsteht ein Lymphom?

Das lymphatische System ist ein unglaublich aktives System, in welchem jede Sekunde zehntausende neue Zellen gebildet werden.

Auf jede dieser Tochterzellen muss das ganze Erbgut kopiert werden. Bekommt eine dieser Zellen falsche genetische Informationen, kann sich ihr Verhalten verändern und im schlimmsten Fall zu einer Tumorerkrankung führen.

Je nachdem, was für eine Veränderung entstanden ist, gibt es unterschiedliche Lymphomtypen mit sehr unterschiedlichen Prognosen. 

Lymphome werden in zwei Hauptgruppen unterteilt:  Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome. Gleichzeitig existieren aber über 80 Subtypen.
Wozu ist die Bestimmung dieser Subtypen wichtig? 

Es gibt verschiedene Gruppen von lymphatischen Zellen, die unterschiedliche Funktionen wahrnehmen.

Zum Beispiel die B- oder die T-Lymphozyten. Je nachdem wo die Tumorentstehung stattfindet, hat das therapeutisch wichtige Konsequenzen.

Zum Beispiel gibt es Medikamente, die vor allem bei einer B-lymphatischen Tumorerkrankung wirken, bei einer T-lymphatischen Erkrankung jedoch wirkungslos sind. Somit ist die Unterscheidung der verschiedenen Typen wichtig, um eine optimale Therapie einleiten zu können.

Welche Therapieoptionen stehen den Betroffenen aktuell zur Verfügung?

Momentan ist der Standard eine Kombination aus Immuntherapie (Antikörper, der gezielt gegen die Zelle wirkt) und Chemotherapie. Gleichzeitig gibt es nun neuartige Substanzen, die noch zielgerichteter wirken.

Wir haben in den vergangenen Jahren ein noch besseres Verständnis für die Prozesse in den Zellen gewonnen und wissen heute sehr genau, welche Signalwege für das Fortbestehen einer Lymphomzelle wichtig sind. Aus diesen Erkenntnissen konnten neue Therapien entwickelt werden.

Was tut sich aktuell in der Forschung?

Sowohl die klinische wie auch die Grundlagenforschung laufen auf Hochtouren. Eine grosse Studie findet aktuell mit rund 900 Patienten statt, die an der chronisch lymphatischen Leukämie erkrankt sind.

Hier wird untersucht, ob die neuen Therapien effizienter sind als die bisherige Standard-Immunchemotherapie. Wir wissen heute schon, dass die neuen Medikamente wesentlich verträglicher sind und zum Beispiel keinen Haarverlust und ein niedrigeres Infektrisiko zur Folge haben.

Wenn sich nun zeigt, dass auch die Wirksamkeit besser ist, werden diese neuen Medikamente die Immunchemotherapie in Zukunft in den Schatten stellen.