Wie geht es Ihnen heute? Sind Sie vollständig gesund?
Körperlich bin ich fitter denn je. Ich fahre zurzeit täglich 160 Kilometer mit dem Rad und konnte auf dem Gotthardpass mit den besten Schweizer Radfahrern mithalten.

Haben Sie den Krebs besiegt?
Jetzt, 15 Jahre nach der Operation, sieht es danach aus, als könnte der Krebs allmählich zurückkehren. Ich werde mich demnächst wieder beim Onkologen testen lassen und dann schauen wir weiter. Das macht mich nervös, aber ich bin optimistisch. Auf jeden Fall werde ich meine Erdumrundung zu Ende fahren können. Da hält mich nichts auf.

Wie haben Sie es nach der schweren Erkrankung zurück ins Leben geschafft?
Ich bin der Krankheit immer positiv begegnet. Meine Tipps: Gesund essen und den Körper möglichst fit halten. Was mir auch geholfen hat, waren meine Charity-Tätigkeit und die Arbeit als Mentor für andere kranke Menschen.

Glaubten Sie wirklich immer, dass Sie es schaffen?
Ja! Es ist verblüffend, wie viel ein Mensch schaffen kann, wenn er nur wirklich daran glaubt. Sei es eine Weltumrundung auf dem Fahrrad oder der Sieg über den Krebs. Wer aufgibt, verliert.

Erzählen Sie uns von Ihrer schwersten Zeit.
Das war, als mein Vater vor zwei Jahren an Krebs starb. Sein Geist ist bei meinen Fahrten dabei. Übrigens litt meine ganze Familie an Krebs: Vater, Mutter, Bruder – sogar mein Hund!

«Gib niemals auf!» sagt sich so leicht. Was ist der wahre Schlüssel zum Optimismus in dunklen Zeiten?
Wer einmal gegen Krebs kämpfen musste, blickt anders aufs Leben. Es gibt nichts Schwierigeres, als mit dieser Diagnose umzugehen. Man kann sich ihr nicht entziehen und der Ausgang ist nicht absehbar. Man sich nicht freikaufen, egal wie viel Geld man hat. Wer den Kampf gewinnt, dem fällt danach alles leichter. Den Gotthardpass mit dem Rad hochzuklettern wird ein Kinderspiel, sobald ich an meinen Kampf gegen den Krebs zurückdenke.

Dann erzählen Sie doch von Ihren langen Trips.
Meine längste Reise am Stück führte durch den Westen Texas’. Es war wie eine Reise auf dem Mond. Zehn Tage alleine. Nichts. Wüste. Hunderte von Kilometern. Und dann ging mir das Wasser aus! Und zur nächsten Stadt fehlten noch 100 Kilometer. Dies, nachdem ich schon 225 Kilometer unterwegs war. Es war 45 Grad heiss.

Welches war Ihre wahnsinnigste Fahrt?
Die führte von Vancouver nach Mexiko, entlang der Pazifikküste. Ich absolvierte 30 000 Höhenmeter. Dabei regnete es zehn Tage nonstop. Der Wind vom Meer nervte. Und als ich endlich Mexiko erreichte, wurde ich von Banditen ausgeraubt. Zum Glück nahmen sie nur mein Portemonnaie mit. Das absolute Highlight war die Fahrt durch San Francisco. Die Feuerwehr und die Polizei eskortierten mich von der Golden Gate Bridge an durch die ganze Stadt. Keine Ampeln, kein Stau für mich. Den staunenden Leuten auf der Strasse sagten sie, ich sei der Präsident von Kanada. Alle applaudierten.

Das sind Wahnsinnsgeschichten. Sind Sie selbst wahnsinnig?
Nein! Wahnsinnig wäre es, wenn ich tatenlos zu Hause rumsitzen würde.
Wie viel Geld konnten

Sammeln Sie im Kampf gegen Krebs?
Ich bin kein Spendensammler. Vielmehr will ich andere Leute zum Fundraising motivieren und ihnen helfen. Ich habe bei Projekten in Honolulu, Budapest, Prag mitgeholfen.

Was ist Ihr Ziel?
Ich will im Kampf gegen Krebs Rad fahren, bis eine Kur gegen die Krankheit gefunden wurde. Ich höre erst auf wenn ich auf dem Rad sterbe oder zu alt zum Fahren bin. Ich hoffe, die Forschung findet also rechtzeitig eine heilende Kur.

Welche Länder wollen Sie noch befahren?
Ich folge den Regeln des Guinness Buchs der Rekorde für die Weltumrundung. Dabei muss ich mit dem selben Fahrrad in die stetig gleiche Richtung fahren, mindestens 24 000 Kilometer abspulen, alle Längengrade passieren und zwei sich gegenüber liegende Punkte auf der Erde befahren. Ich reise von Westen nach Osten. Indien steht noch auf dem Programm, in Asien von Myanmar bis Singapur und dann noch über den australischen Kontinent.

Und gleichzeitig sind Sie noch Feuerwehrmann. Wie geht das?
Es ist schwierig. Ich nutze meine gesamten Ferien und die Überzeit fürs Rad fahren. Ich fahre immer so schnell und so weit ich nur kann. Essen, schlafen, fahren, essen schlafen, fahren. Und sobald mein Körper und meine Muskeln nach sechs bis acht Wochen sich ans Fahren gewöhnt haben und ich so richtig stark bin, muss ich zurück zur Arbeit. Am liebsten würde ich einfach weiterfahren.

Wie erlebten Sie die Schweiz?
In der Schweiz wurde ich von Zürcher Radfahrern und lokalen Feuerwehrmännern auf den Gotthard hinauf begleitet. Die Menschen in der Schweiz gehören zu den freundlichsten und hilfsbereitesten Leuten, die ich je angetroffen habe. Markus Aerni, der in der Schweiz das «Race against Cancer» veranstaltet, ist längst ein guter Freund von mir. Ich hoffe, ich komme bald wieder hierher. Mein Sohn begleitete mich auf einem Teilstück in der Schweiz. Ein Riesenerlebnis für uns beide. Er fragt mich immer wieder, wann wir wieder in die Schweiz gehen. Sollte ich eines Tages eine Biografie veröffentlichen, widme ich der Schweiz ein langes Kapitel.

Haben Sie mehr Leben durch Ihr Projekt gerettet oder durch Ihre Arbeit bei der Feuerwehr?
Das ist schwierig zu messen. Aber ich hoffe, dass ich durch mein Engagement viele Leben in der Zukunft retten kann.