Alles begann beim letzten Frauenlauf in Bern...

...wo zwei an Brustkrebs erkrankte Frauen von zehn nicht betroffenen Läuferinnen in EUROPA DONNA T-Shirts begleitet wurden. «Die Stimmung war grossartig», erinnert sich Donatella Corbat, Präsidentin von EUROPA DONNA Schweiz.

An diesen Erfolg will man nun anknüpfen und mit möglichst vielen Frauen, Männern und sogar Kindern an den Start des 32. Bürenlaufs gehen. «Der Wunsch kam erfreulicherweise vor allem von nicht betroffenen Frauen», so Corbat.

Am 13. Oktober ist es so weit. In Büren an der Aare im Berner Seeland starten Hunderte Begeisterte ihren Lauf durch das historische Städtchen. Dabei kann jeder Teilnehmer frei zwischen der vollen Strecke von 11,5 Kilometern oder der Light-Runde, die nur fünf Kilometer beträgt, wählen.

Wer sich etwas mehr Zeit nehmen möchte, kann als Nordic Walker dieselbe Strecke nutzen. Kids- und Jugendläufe finden zudem am Vormittag statt. Bereits 25 Personen haben sich für das EUROPA DONNA Team angemeldet.

«Wir laufen oder walken für uns und in unserem Tempo, gegen den Krebs, für die Früherkennung, aus Solidarität mit Brustkrebs-Betroffenen und verbringen den Tag gemeinsam mit tollen Leuten, viel Sport und genialen Momenten», erklärt Corbat.

Die Präsidentin hofft erneut auf starke Unterstützung auch von Nichtbetroffenen. Denn für ein Thema, das alle Frauen angeht und das jede achte in ihrem Leben betreffen wird, sollten sich alle Frauen engagieren, findet sie.

Ein Ziel von EUROPA DONNA ist es im Übrigen, das Bewusstsein für Brustkrebs in der Öffentlichkeit zu schärfen. Entsprechend wird die Organisation mit einem eigenen Stand im Start- und Finisherbereich vor Ort sein und dort direkt auf die Ziele und Anliegen aufmerksam machen.

 

 

Corbats Begeisterung...

...für das gemeinsame sportliche Engagement kommt nicht von ungefähr. Als sie sich selbst mitten in den Krebstherapien befand, entschied sie sich dazu, mit Tai-Chi zu beginnen. «Ich war überwältigt, als sich drei Kameradinnen aus meinem Umfeld spontan und aus Solidarität auch für diesen Kurs angemeldet haben», erzählt sie.

Zu wissen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht alleine war und ihre Freundinnen an ihrer Seite waren, habe sie unglaublich berührt und ihr viel Kraft gegeben.  

Leider ist diese Solidarität noch immer nicht selbstverständlich. So wisse sie von Krebspatientinnen, die trotz schwerer Therapien weiter arbeiteten, aber von ihren Kolleginnen geringschätzig behandelt oder sogar gemobbt wurden. «Einige verloren ihren Job», so Corbat.

Als Betroffene wünsche man sich Verständnis im Umfeld und Fairplay an der Arbeit. «Nicht gebrauchen kann man indes die gut gemeinten Ratschläge oder die Fragen, warum wir denken, dass wir Brustkrebs bekommen haben», stellt Corbat klar.

Anmeldung

www.register.trackmaxx.ch/registration/?race=bue18

  • Startgeld: 25 bis 30 Franken
  • Disziplin: frei wählbar
  • Wichtig: Bei Anmeldung EUROPA DONNA Schweiz bei Team und Verein eintragen.
  • Erfahrungsberichte

«Manchmal braucht es keine Worte, sondern nur verschwitzte Gesichter»

Julia Curty und Sandra Brawand wollen mit ihrer Teilnahme am Bürenlauf ein positives Zeichen setzen.

 

Wie hat die Brustkrebs-Diagnose Ihre Sicht aufs Leben verändert?

Julia Curty: Als ich mit 40 Jahren die Diagnose Brustkrebs erhielt, brach eine Welt für mich zusammen. Ich war vorher noch nie ernsthaft krank, hatte nicht einmal einen Hausarzt und niemand in unserer Familie hatte Krebs.

Welche Gedanken trieben Sie um?

Es waren vor allem viele Fragen: Was wird passieren? Wie soll ich das alles packen? Wie soll ich es meinen Kindern sagen? Was wäre, wenn ich sterben würde? Vom einen auf den anderen Tag veränderte sich meine Sicht aufs Leben.

Trotzdem fanden Sie Kraft, sich für andere Brustkrebsbetroffene zu engagieren. Weshalb war Ihnen das wichtig?

Nach der Erstdiagnose wollte ich eine ehemalige Studienkollegin kontaktieren, die ebenfalls von Brustkrebs betroffen war. Leider fand ich heraus, dass sie im Alter von nur 49 Jahren an den Folgen der Krankheit verstorben war.

Was löste das in Ihnen aus?

Ich war natürlich am Boden zerstört. Nach einigen Monaten entschied ich mich dann aber dazu, ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei EUROPA DONNA Schweiz (EDS) weiterzuführen. Die intensive Auseinandersetzung mit der Krankheit sowie das sinnstiftende Engagement halfen mir, besser mit der ganzen Situation umzugehen.

Was ist Ihr Ziel?

Als Vorstandsmitglied bei EDS möchte ich das Bewusstsein für die Krankheit schärfen. Wir setzen uns für die bestmögliche Vor- und Nachsorge bei Brustkrebs ein und fordern, dass alle Frauen die gleichen Chancen auf die bestmögliche Behandlung bekommen.

Sollten sich auch nicht Betroffene engagieren?

Jeder sollte sich engagieren, denn letztlich kann es leider auch jeden treffen. Je mehr die Vorsorge und das Abtasten der eigenen Brust auch bei nicht Betroffenen ein Thema wird, desto schneller kann im Ernstfall gehandelt werden. Mir persönlich ist es wichtig zu zeigen, dass es ein Leben nach den Therapien gibt.

Frau Brawand, Sie sind nicht an Brustkrebs erkrankt, engagieren sich aber dennoch. Was treibt Sie an?

Sandra Brawand: Einerseits mache ich es für jene Betroffenen, die es geschafft haben, andererseits aber auch aus Solidarität mit jenen, die immer noch in Therapie sind und es hoffentlich bald schaffen werden.

Ich möchte mit meiner Unterstützung zudem jenen gedenken, die es nicht geschafft haben, und sie in liebevoller Erinnerung behalten. Ich finde Brustkrebsvorsorge extrem wichtig und EUROPA DONNA Schweiz setzt sich unter anderem stark dafür ein.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich habe verschiedene Frauen in meinem Umfeld auf die Teilnahme von EUROPA DONNA Schweiz am Bürenlauf aufmerksam gemacht und dazu angespornt mitzumachen.

Es ist sehr schön zu sehen, wie viele Frauen sich mit anderen Frauen solidarisieren und bereit sind, bei einer solch tollen Sache teilzunehmen. Ich kann so mit kleinem Aufwand betroffenen Frauen meine Unterstützung zusichern, was auch mir ein gutes Gefühl gibt.

Frau Curty, welche Art von Solidarität wünscht man sich als Betroffene?

Solidarität bedeutet für mich bereits, wenn sich Menschen Zeit nehmen, in schweren Momenten bedingungslos zuzuhören. Wenn Freundinnen bei jeder Chemo- und Antikörpertherapie mit Kaffee und Gipfeli vorbeischauen und dich unterhalten.

Ich kann aber auch verstehen, dass es Menschen gibt, die nicht wissen, wie mit solchen Situationen umzugehen.

Wie hat sich Ihr Leben seit der Diagnose verändert?

Mein Leben ist lebendiger und intensiver geworden. Viel Sport hilft mir meinen Geist freizuhalten und mich physisch und psychisch stärker zu fühlen. Es ist meine selbstgewählte Art, der Krankheit mit eigenen Kräften entgegenzuwirken und meinen Körper zu entgiften.

Die Solidarität, die mir plötzlich von nicht Betroffenen beim Laufen zuteil wird, ist ein wunderbares Gefühl. Manchmal braucht es eben gar keine grossen Worte, sondern einfach nur verschwitzte und glückliche Gesichter.