Am 6. September 2014 feierte das «Race for Life» sein fünftes Jubiläum. Damit kehrt der Benefiz-Velomarathon zugunsten der Krebsliga an seinen Ursprungsort zurück: auf die Tremola am Gotthard. Ambitionierte Velofahrer, Mitarbeitende engagierter Firmen, Hobbysportler, Betroffene und Angehörige traten gemeinsam in die Pedale. Während 12 Stunden fuhren die 140 Fahrerinnen und Fahrer die 25 Kilometer lange und 947 Meter hohe Strecke von Airolo auf den Gotthardpass hoch und runter, so oft sie konnten. Die sechs fittesten Fahrerinnen und Fahrer überwanden den Gotthard rund sieben Mal – eine beeindruckende Leistung!

Ein bewegendes Erlebnis

„Unter dem Namen „race against cancer“ wurde der Benefiz-Velomarathon 2010 als Event anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Krebsliga Schweiz lanciert. Dies aus der Idee heraus, dass man einerseits Solidarität mit Krebskranken zeigen möchte und andererseits dringend benötigtes Geld sammeln will“, erklärt Markus Aerni, Geschäftsführer des Veranstalters viceversa GmbH. Tatsächlich wurde bisher weit über eine Million Franken für den Hilfsfonds für Menschen mit Krebs in einer Notlage gesammelt. Dabei steht einzig der Wille und Einsatz jedes einzelnen Velofahrers im Vordergrund. „Jeder bringt hier seine eigene Geschichte und Motivation mit. Sei es eine eigene Krebserkrankung, eine Erkrankung von Angehörigen oder Freunden oder einfach die Motivation, sich für eine gute Sache einzusetzen“, so Aerni.

Und man muss nicht unbedingt eine Sportskanone sein, um am Rennen teilzunehmen. „Jeder kann sein eigenes Ziel setzen und so schnell, so lange und mit so vielen Pausen fahren, wie er möchte. Natürlich darf man auch mit einem E-Bike an den Start gehen“, betont Aerni. Denn am Ende zählt allein der Wille, das Spendenziel zu erreichen und den eigenen Möglichkeiten entsprechend möglichst viele Runden zu fahren. Und natürlich niemals aufzugeben - aus Solidarität mit den Menschen, die täglich für das Leben und gegen den Krebs kämpfen.

Wandern gegen Krebs

Wer lieber zu Fuss als auf dem Velo unterwegs ist, hatte die Möglichkeit an einer Wanderung teilzunehmen. „Auf der wunderschönen Sechsseen-Wanderung auf dem Gotthardpass konnte der Spirit des Rennens hautnah miterlebt werden. Angehörige der Velofahrer und Biker sowie Personen, die wandernd ihre Solidarität mit Menschen mit Krebs bekunden wollen, erlebten auf einer rund vierstündigen Wanderung die mystische Landschaft mit saftigen Bergwiesen, imposanten Felswänden und vor allem sechs kühlen Bergseen“, so Markus Aerni

Stolze Spendensumme

Anlässlich des fünften Benefiz-Velomarathons sind rund 180‘000 Franken zusammengekommen. Das Engagement der 140 Velofahrerinnen und Biker, der Einsatz von über 40 Wanderern und zusätzliche Beiträge der Partner ermöglichten dieses sensationelle Spendenergebnis. Die exakte Spendensumme wird Ende September auf www.raceforlife.ch und auf www.krebsliga.ch bekanntgegeben.
Die sechste Ausgabe des «Race for Life» wird am 5. September 2015 am Gotthardpass stattfinden.

Erfahrung von Teilnehmenden: Wie haben Sie das Rennen erlebt?

Roman Leutenegger: Es war ein sehr bewegender Tag für mich, für uns alle. Noch nie hatte ich den Gotthard vorher mit dem Velo bezwungen. Ich hatte sehr viel Respekt vor diesem Pass. Jetzt sind wir über die Tremola gefahren: ein langer Weg - unberechenbar, turbulent, windig, launisch, fast unüberwindbar... nur mit äusserstem Willen, Ausdauer, Härte, Kampf, Geduld und teilweise unter Schmerzen konnte ich diesen bezwingen.

Ralph Schneider: Für mich war das Rennen eine persönliche Herausforderung. Ich habe das Rennen zusammen mit meinen Arbeitskollegen in Angriff genommen, mit dem Ziel, mindestens je 3 Runden für Krebsleidende in Not auf uns zu nehmen. Da ich selber noch nie 3000 Höhenmeter an einem Tag zurückgelegt habe, wusste ich, dass dies für mich eine besondere Herausforderung wird. Der Zweck, mein Team und das gute Wetter haben mich schlussendlich viermal auf den Gotthardpass getragen und geholfen, mein Ziel gar zu übertreffen. Das ganze Rennen hat mich Kraft gekostet aber schlussendlich hat es sich gelohnt, alle Strapazen auf mich zu nehmen.

Weshalb haben Sie am RfL teilgenommen?

Roman Leutenegger: Das „Race for Life“ symbolisiert wahrlich den Weg von Krebsbetroffenen. Auf dem Weg hinauf ist mir immer wieder mein Grossvater in seinem langen Kampf gegen den Krebs, den er leider schmerzvoll verloren hat, durch den Kopf gegangen. Sofern ich gesund bleibe, werde ich auch 2015 dabei sein.

Ralph Schneider: Ich bin seit meinem Studium in der Onkologie tätig und weiss deshalb, wie wichtig die Unterstützung in jeder Lage eines Krebsleidens ist. Das Race for Life am Gotthard symbolisiert für mich die Ups und Downs, die ein Krebspatient im Laufe seiner Krankheit erlebt und wie nahe man an die Grenzen gehen muss um sich diverse Male von ganz unten den Berg hoch zu kämpfen. Symbolisch hat es dann auch sehr gut gepasst, dass das Ziel nach 12 Stunden auf dem Gotthardpass war, wo man nach all den Strapazen auf der Tremola herzlich empfangen wurde und Hilfe in Form von unterstützenden Zuschauern und Verpflegung erhielt.

Gab es einen speziellen Moment, der Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Ralph Schneider: Ich bin auf meiner ersten Runde einem Fahrer aus Basel begegnet, der mir seine Motivation für dieses Rennen schilderte. Er erzählte mir, wie er vor gut 15 Jahren mit der Diagnose einer Akuten Lymphatischen Leukämie konfrontiert wurde und diese Krankheit nur knapp besiegt hat. In diesem Moment lief es mir, obwohl es bei schönem Wetter sehr warm war, kalt den Rücken herunter. Ich war sehr beeindruckt, mit welchem Elan er für dieses Rennen in die Pedale gestiegen ist. Neben vielen unvergesslichen Erinnerungen war dies der bewegendste Moment für mich.

Wissen Sie schon, ob Sie nächstes Jahr wieder dabei sein werden?

Ralph Schneider: Wenn immer möglich, werde ich auch das nächste Jahr am Start sein und mich dafür einsetzen, dass Krebsleidenden mit jeder Austragung des Race for Life ein wenig besser geholfen werden kann. Ich konnte zudem meinen Vater, 62, davon überzeugen, dass er mit Freunden sein eigenes Team bildet und am Race 2015 mitfährt. Ich hoffe, es werden ihm viele Velofahrer gleich tun.
*Name geändert