Raum Knotenpunkt, K1 West, 1. Obergeschoss des Universitätspitals Basel. 12 Frauen treffen sich an diesem Donnerstagmorgen zu einem besonderen Anlass. Heute geht es für sie nicht um Therapien und ihre Krankheit, sondern ganz einfach um ihr Aussehen und Frau sein. Es geht darum, dass sie für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen können und sich etwas gönnen, das im Sturm der Erkrankung häufig vergessen geht: die eigene Schönheit zu pflegen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Die Diagnose Krebs und die damit verbundene Therapie beeinflussen sowohl Körper als auch Psyche. Dabei müssen die Patientinnen nicht nur mit den körperlichen Veränderungen, sondern auch damit umgehen, dass sie sich nicht mehr so fühlen wie vor der Erkrankung.  

„Der Krebs hat mir ein Stück weit mein Lachen genommen. Ich bin nicht mehr die Gleiche wie vor der Diagnose. Umso mehr freut es mich, heute hier zu sein und mir etwas Gutes zu tun“, sagt die Teilnehmerin Rita Heid. Die Krebstherapien bringen verschiedene Nebenwirkungen wie extrem trockene Haut, starke Augenringe, Haarausfall oder Flecken im Gesicht mit sich. Besonders schwer wiegt für viele der Betroffenen der Haarverlust.

 „Mit der Chemotherapie gibt es ganz klar eine starke optische Veränderung. Man verliert nicht nur die Haare, sondern auch einen Teil der optischen Persönlichkeit. Ich hatte früher schöne lange Haare und diesen Haarverlust zu akzeptieren war anfänglich hart. Dann habe ich es als Chance gesehen, meinen Typ neu zu erfinden“, sagt die Teilnehmerin Karin Scheiwiller.  Nachdem die Frauen Platz genommen und ihre Beautybags begutachtet haben, nimmt eine nach der anderen ihren Haarersatz ab. Ein intimer und emotionaler Moment.

Die Kosmetikerinnen, die alle ehrenamtlich für die gemeinnützige Stiftung Look Good Feel Better arbeiten, gehen dabei sehr behutsam und mit viel Gefühl auf die Patientinnen ein. „Dieser Moment ist sehr speziell - auch für uns. Es erfordert viel Vertrauen von den Frauen, dass sie sich in diesem Rahmen von ihrem Haarersatz trennen können. Ohne Haare fühlt man sich nackt“, sagen die Kosmetikerinnen Manuela Müller und Pia Isler. Der zweistündige Kurs ist in zwölf Schritte aufgeteilt.

Nach einer kurzen Einleitung wird als Erstes erklärt, wie man sein Gesicht optimal reinigt und seine Haut pflegt. Wenn die Haut vorbereitet ist, kann das Schminken losgehen. Für die Patientinnen ist es dabei besonders wichtig zu erfahren, wie man Augenbrauen korrekt nachschminkt. Die Krebspatientinnen üben jeden Schritt sofort praktisch mit. „Natürlich ist niemand verpflichtet, alle Schminkschritte mitzumachen. Das Wichtigste ist, dass sich die Frauen bei uns wohlfühlen“, sagt Carolin Kiefer von der Stiftung Look Good Feel Better.

Dass sich die Frauen wohlfühlen, zeigt sich an der entspannten, heiteren Atmosphäre. Es wird gekichert, es werden Tipps ausgetauscht und, ein ganz wichtiger Aspekt, es werden gegenseitig Komplimente gemacht. „Balsam für die Seele“, sagt Kiefer.

Hat eine Teilnehmerin Schwierigkeiten oder Fragen, ist sofort eine Kosmetikerin zu Stelle. Sie alle arbeiten ehrenamtlich für Look Good Feel Better. „Der Grundgedanke der Stiftung ist sensationell. Es macht Freude, diesen Frauen einen Moment zu schenken, in dem sie den Krebs und die damit verbundenen Sorgen vergessen können.

Sie dürfen sich ganz auf sich selbst, auf ihr Frau –sein konzentrieren“, sagen Manuela Müller und Pia Isler. Gleichzeitig treffen sie, meistens zum ersten Mal überhaupt, mit anderen Betroffenen zusammen und können sich in ungezwungenem Rahmen austauschen. „Dieser Austausch ist für die Patientinnen sehr wertvoll und trägt ebenfalls wesentlich zum «Feel Better Effekt» bei“, weiss Carolin Kiefer.

Die Ergebnisse des zweistündigen Kurses sind verblüffend. Die Frauen sehen frisch und wunderschön aus. Nicht nur, weil sie äusserlich Schminktricks angewendet haben, viel mehr, weil sie Freude, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit ausstrahlen. „Ich bin hellbegeistert vom Kurs. Das Engagement des Teams, das mit so viel Herz und Freundlichkeit bei der Sache ist, tut unglaublich gut in dieser schwierigen Zeit. Ich sage dazu nur: kleiner Eingriff – grosse Wirkung”, so Karin Scheiwiller.

Auch für die Kosmetikerinnen geht mit dem Kurs ein erfolgreicher Morgen zu Ende.

„Die Verwandlung zu sehen in diesen zwei Stunden ist unglaublich schön. Den Teilnehmerinnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, ist der beste Lohn für unsere Arbeit“, sagen die Kosmetikerinnen einstimmig.

Info

Die Stiftung Look Good Feel Better

Look Good Feel Better ist ein karitatives Engagement führender Unternehmen der schweizerischen Kosmetikindustrie und ihr anverwandten Firmen, in enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegenden, Krankenhäusern und Kosmetikerinnen.

Die kostenlosen Beauty-Workshops haben zum Ziel, Krebspatientinnen, die sich einer medizinischen Behandlung unterziehen, zu helfen, ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und zu stärken.

Die Workshops werden zurzeit an 39 Spitälern in der ganzen Schweiz angeboten. Sie stehen allen betroffenen Frauen und Jugendlichen offen. Das Programm von Look Good Feel Better ist produkt- und markenneutral und hat keinen medizinischen Anspruch. Die Workshops werden von professionellen Kosmetikerinnen betreut, welche alle ehrenamtlich für die Stiftung arbeiten.  

Weitere Informationen zur Stiftung und zum Programm erhalten Sie unter www.lgfb.ch.

Im Oktober 2016 finden folgende Workshops in der Deutschschweiz statt:

Aarau
19. Oktober von 15.30 bis 17.30 Uhr im Tumor Center der Hirslanden Klinik

Basel
27. Oktober von 10.00 bis 12.00 Uhr im Universitätsspital Basel

Bern
6. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr in der Klinik Engeried

Luzern
27. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr in der Hirslanden Klinik St. Anna

St. Gallen
18. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr im Kantonsspital St. Gallen

Weinfelden
3. Oktober von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr bei der Thurgauischen Krebsliga

Zürich
20. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr in der Hirslanden Klinik und am 25. Oktober von 14.00 bis 16.00 Uhr im Universitätsspital Zürich.

Anmelden können Sie sich direkt in den einzelnen Spitälern.