Was sind Tumormarker?
Matthias Kaelin: Tumormarker sind Substanzen, meistens Eiweisse, Zucker oder Kombinationen, die von Krebszellen produziert werden oder deren Produktion durch Krebszellen angeregt wird. Sie werden vor allem im Blut und im Urin bestimmt.

Ihr Auftreten in Körperflüssigkeiten lässt aber noch nicht auf einen Tumor schliessen?
Es gibt auch normale Zellen, die eine gewisse Menge dieser Marker produzieren. Es kommt auf die erhöhte Konzentration an. Aber selbst dann kann man noch nicht sagen, ob es sich um Krebs handelt, denn es gibt falsch-hohe und falsch-tiefe Werte. Zum Beispiel kann ein Tumor Marker produzieren, die gar nicht erst ins Blut gelangen.

Die gemessene Konzentration ist also tief, obwohl Krebszellen vorhanden sind. Umgekehrt kann auch die Konzentration eines Tumormarkers, beispielsweise durch Entzündungen, stark erhöht sein. Es wäre schön, wenn man mit einer Blutentnahme einen Tumor finden könnte, aber das ist leider fast nie möglich. Röntgen, Spiegelungen und Biopsien sind weiterhin unverzichtbar.

Die Prostata-Erkrankung ist eine Ausnahme?
Kaelin: Das Prostataspezifische Antigen, PSA, wird von Prostatakrebszellen produziert. Falsch-tiefe Werte sind beim PSA sehr selten, falsch-hohe nicht: Das PSA kann auch bei Prostataentzündung oder nach Abtasten der Prostata erhöht sein. Die Entzündung macht meist Schmerzen, und der Arzt weiss, dass er direkt nach der Prostatauntersuchung kein Blut nehmen soll zur PSA-Messung.

Dennoch wird empfohlen, bei erhöhtem PSA-Wert nicht sofort auf Krebs zu schlies­sen, sondern weitere Untersuchungen zu machen. Wenn der PSA-Wert tief ist, kann man eine gewisse Zeit abwarten bis zum nächsten Check-Up. Männer ab 50 sollten den PSA-Wert regelmässig bestimmen lassen, zusammen mit der Tastuntersuchung.

Tumormarker, ausser PSA, dienen nur dazu, den Tumor zu beobachten?
Kaelin: Wenn der Krebs charakterisiert ist, dann ermittelt man die Konzentration der für diesen Krebs typischen Tumormarker. Wenn eine Krebsgeschwulst vollständig entfernt wird, sollte der vorher erhöhte Wert des Tumormarkers normal werden – dies zeigt, dass dieser Marker wirklich von den Krebszellen abhängig war.  Wenn der Patient krebsfrei bleibt, bleibt der Tumormarkerwert tief.

Steigt er wieder an, besteht der Verdacht, dass irgendwo wieder Krebszellen aufgetaucht sind. Wichtig ist, dass der Verlauf des Einzelnen beobachtet wird. Selbst wenn ein Tumormarker in Bezug auf die Normalbevölkerung noch im Normbereich ist, aber im einzelnen Patienten deutlich ansteigt, kann dies ein Hinweis sein, dass hier wieder Krebszellen vorhanden sind.