Die Zeiten, in denen die Diagnose Krebs einem Todesurteil gleichkam, sind vorbei. Viele Arten von Krebs lassen sich heute relativ gut behandeln und heilen. Doch noch sind einige Arten schwer zu therapieren. Leberkrebs und Lebermetastasen endgültig von dieser Liste zu nehmen, ist die Lebensaufgabe von Professor Jan Schmidt von der Züricher Klinik im Park.

«Man muss zwischen zwei Arten von Leberkrebs unterscheiden», so Prof. Schmidt. «Zum einen, wenn sich der Krebs direkt in den Leberzellen bildet, zum anderen, wenn Metastasen entstehen und die Leber von aussen befallen.» Für beide Arten lässt sich die Sterblichkeit auf weniger als 50 Prozent reduzieren. Der Krankheitsverlauf sei aber individuell, eine Pauschalisierung daher nicht möglich.

Bei «Unheilbarkeit» zweite Meinung einholen

Die Medizin hat auf diesem Gebiet grosse Fortschritte gemacht. Nur ist dies noch nicht jedem Arzt bekannt. Jan Schmidt: «Ich kann nur an jeden als unheilbar diagnostizierten Patienten appellieren, sich eine zweite Meinung einzuholen. Wir haben inzwischen die Möglichkeit, durch ein Zusammenspiel von diversen Ansätzen auch vermeintlich unbehandelbare Patienten wieder behandelbar zu machen.»

Ist beispielsweise eine Hälfte der Leber so stark von Metastasen befallen, dass eine chirurgische Entfernung dazu führen würde, dass das Organ nicht mehr arbeitsfähig wäre, sind Professor Schmidt und sein Team in der Lage, die Blutzufuhr zu dieser Hälfte stark zu reduzieren. Folge ist ein verstärktes Wachstum der anderen, gesunden Hälfte, die nach einer gewissen Zeit die volle Funktionsfähigkeit des Organs übernimmt, woraufhin der kranke Teil entfernt werden kann.

Kombination als Erfolgsgeheimnis

Aber auch andere Therapiemöglichkeiten machen deutlich, wie der Ansatz von Professor Schmidt funktioniert. Ist der Befall der Leber mit Krebszellen so stark, dass eine chirurgische Lösung ausscheidet, können diese Zellen mittels Chemotherapie soweit verkleinert werden, dass eine anschliessende operative Behandlung ermöglicht wird. «Die Behandlung von Leberkrebs ist daher eine Teamaufgabe.

Man muss den ganzen Blumenstrauss an therapeutischen Massnahmen nutzen und mit dieser Kombination die individuell beste Lösung für den Patienten finden», erläutert der aus Heidelberg nach Zürich gekommene Schmidt. Holt sich ein Patient also ausschliesslich Rat bei einem Onkologen, so läuft er Gefahr, neuere Erkenntnisse aus der Radiologie oder Chirurgie nicht für seine Heilung nutzen zu können – und umgekehrt.

Der Patient ist aufgerufen, sich zu informieren, an welchen Krankenhäusern ein ganzheitlicher Therapieansatz verfolgt wird und wie häufig dort Leberkrebs behandelt wird. Somit verbessert er seine Chancen, von modernen Heilungsansätzen zu profitieren.

Kalte Leberchirurgie ermöglicht längere OP-Zeiten

Eine dieser Ansätze, die kalte Leberchirurgie, hat Jan Schmidt mitentwickelt. Dabei wird die zu operierende Leber heruntergekühlt, indem sie von der Blutzufuhr getrennt wird. In diesem Zustand bleibt das Organ auch nach Operationszeiten von bis zu sechs Stunden voll funktionsfähig, wohingegen eine durchblutete Leber bereits nach einer Stunde versagen würde. «Aber auch hier zeigt sich, dass in unserer Disziplin Teamwork nicht zu ersetzen ist.

Eine solche Operation gelingt nur, wenn man eine optimale Intensivabteilung an seiner Seite weiss», so der Mediziner. Diese Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, wird in Zukunft noch vielen scheinbar unheilbar kranken Patienten ein längeres Leben schenken.