Was ist ein Multiples Myelom?

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Bluterkrankung, der eine Entartung der Plasmazellen im Knochenmark zugrunde liegt, die als Teil des Immunsystems normalerweise für die Antikörperbildung zuständig sind.

Durch die unkontrollierte Vermehrung der krankhaft veränderten Plasmazellen kommt es einerseits zu einer Verdrängung gesunder Knochenmarkszellen. Andererseits häufen sich im Blut von Tumorzellen produzierte Paraproteine an, die die Organe erheblich schädigen können.

Die unkontrollierte Plasmazellvermehrung führt charakteristischerweise auch zu einer Zerstörung der Knochensubstanz. Die relativ seltene Erkrankung ist von allen bösartigen Diagnosen des Blutsystems die zweithäufigste Variante.

Wer ist betroffen und wie kommt es zur Diagnose?

Die leider unheilbare Erkrankung betrifft vor allem ältere Menschen mit einem Durchschnittsalter von ca. 72 Jahren, kann aber auch früher auftreten. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Das Multiple Myelom kann sich mit vielschichtigen, oft unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Infektneigung bemerkbar machen und wird daher oft erst diagnostiziert, wenn bereits nur teilweise reparable Schäden entstanden sind.


Bei Diagnosestellung finden sich häufig Veränderungen des Blutbildes, speziell Blutarmut, was die oft beklagte Müdigkeit erklärt.
 

Gelegentlich erfolgt die Diagnose im Rahmen eines hausärztlichen Check-ups. Bei anderen Patienten wird sie erst anlässlich einer Knochenfraktur gestellt.

Wie lässt sich die Krankheit heute behandeln?

Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Mit dem konsequenten Einsatz von Hochdosistherapien bei fitten Patienten bis 70 und dank moderner Medikamente hat sich gleichzeitig die Prognose betreffend Überlebenszeiten und Krankheitsrückfall deutlich verbessert.
 

Heute werden möglichst intensive und dennoch oft gut verträgliche Kombinationstherapien eingesetzt, um die entarteten Myelomzellen bestmöglich zurückzudrängen.


Auch haben sich in der Regel gut verträgliche Erhaltungstherapien durchgesetzt, um dem erneuten Wachstum der verbliebenen Myelomzellen bestmöglich entgegenzuwirken.

Trotzdem müssen viele Patienten irgendwann mit einem neuen Aufflammen der Erkrankung rechnen. Bei einem Rückfall stehen heute aber zahlreiche Medikamente mit unterschiedlichsten Wirkmechanismen zur Verfügung.

Kann eine frühzeitige Diagnose helfen?

Ja. Durch eine rechtzeitige Diagnose und einen frühen Behandlungsbeginn können potenziell irreparable Knochenschäden oder eine nicht reversible Schädigung der Nierenfunktion oft vermieden werden.

Tatsächlich entwickelt sich das Multiple Myelom aus einer Vorstufe, die sich «Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz» nennt und die noch keiner spezifischen Behandlung bedarf.

Gerade bei Patienten mit einer solchen Vorstufe bezweckt eine regelmässige sorgfältige Überwachung, den richtigen Zeitpunkt für eine intensive Behandlung nicht zu verpassen, bevor potenziell irreparable Schäden auftreten.

Wie wirkt sich die Angst vor einem Rückfall auf die Betroffenen aus?

Die Patienten gehen mit der Angst vor einem leider fast unausweichlichen Rückfall erfahrungsgemäss sehr unterschiedlich um. Ich bin davon überzeugt, dass eine offene, auf gegenseitigem Vertrauen basierende Beziehung zum behandelnden Arzt und dem Behandlungsteam eine wichtige Grundlage bildet, um den Patienten einen bestmöglichen Behandlungserfolg zu ermöglichen.
 

Es ist zudem wichtig, über die medizinische Versorgung hinaus auch Hilfe in Form von Selbsthilfegruppen oder durch professionelle psychoonkologische Unterstützung anzubieten.