Ist metastasierter Brustkrebs ein Todesurteil?

Tatsächlich glauben viele Menschen, dass metastasierter Brustkrebs einem sofortigen Todesurteil gleichkommt.

Richtig ist, dass es sich dabei um eine unheilbare Krankheit handelt. Allerdings leben Frauen mit rein knochenmetastasiertem Brustkrebs oft sehr lange. Mir sind Verläufe über zehn Jahre oder noch länger bekannt.

Wie viele Frauen sind davon betroffen?

Rund zehn Prozent der Brustkrebsbetroffenen weisen bereits bei der Diagnose Metastasen auf.

Wo treten diese Metastasen am häufigsten auf?

In über der Hälfte der Fälle in den Knochen. Bei jeder fünften Betroffenen in der Lunge und bei rund zehn Prozent der Patienten in der Leber.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das ist natürlich massgeblich vom Tumortyp abhängig.

Aber es gibt mittlerweile eine riesige Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten, die von Operationen über Bestrahlungen und Antihormontherapien bis hin zu Chemotherapien reichen.

Obschon zahlreiche Frauen davon betroffen sind, scheint das Thema immer noch ein Tabu zu sein. Weshalb?

Die Angst und die Ungewissheit sind sehr gross.


In der Öffentlichkeit spricht man natürlich viel lieber über den gewonnen Kampf gegen Krebs statt dem Leben mit Brustkrebs. Das ist ein Problem.
 

Mit welchen Herausforderungen haben betroffene Frauen am meisten zu kämpfen?

Das wohl grösste Problem neben der eigentlichen Krankheit ist wohl tatsächlich die Ungewissheit, welche in alle Lebensbereiche hineinspielt.

So beispielsweise bei der Familienplanung, aber auch im beruflichen Umfeld, wenn es etwa darum geht, einen neuen Weg einzuschlagen oder nochmals eine Weiterbildung zu starten. All diese Entscheidungen sind plötzlich sehr viel schwieriger.

Natürlich kann man je nach Typ und Krankheitsverlauf abschätzen, wie sich die Situation entwickeln könnte. Aber Gewissheit hat man leider trotzdem nie. Das macht es für die Frauen sehr schwierig. Viele fühlen sich alleingelassen.

Inwiefern?

Auf vielen Ebenen. Einerseits geht es im öffentlichen Diskurs immer um Prävention und Heilung kaum aber um das Leben mit der Krankheit. Es gibt aber auch ganz praktische Aspekte, die erschwert werden, etwa im Umgang mit Versicherungen. Denn auch da ist die Ungewissheit eine schwierige Basis für Abklärungen und Entscheide. 

Macht es das für Betroffene auch schwieriger, über die Erkrankung zu sprechen?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Frauen, die sprechen sehr offen darüber, andere behalten die Diagnose – soweit eben möglich – für sich.

Ich persönlich glaube, dass eine offene Kommunikation empfehlenswert ist, um so Verständnis zu schaffen und offen zu kommunizieren, was einen gut tut und was weniger.

Wie reagieren Ihrer Erfahrung nach die Arbeitgeber auf eine solche Diagnose?

Glücklicherweise erlebe ich es regelmässig, dass Arbeitgeber sehr viel Verständnis zeigen und den Erkrankten die Möglichkeit geben, sich in jenem Ausmass einzubringen, welche die Erkrankung und die Tagesform zulässt.

Leider kommt es aber auch immer wieder vor, dass Betroffene ihrem Vorgesetzten nichts von der Diagnose erzählen wollen, weil sie befürchten, aufs Abstellgleis befördert oder gar entlassen zu werden.

Neben Ihrer Tätigkeit als Ärztin engagieren Sie sich im Rahmen von Europa Donna Schweiz für Betroffene und nehmen auch am Bürenlauf teil. Weshalb?

Natürlich ist Forschung und Medizin essentiell, mir bedeutet es aber auch viel, auf diesem Weg Solidarität zu zeigen und ein Zeichen zu setzen. Ich denke und hoffe, dass ein solches Engagement dabei helfen kann, das Thema stärker publik zu machen und die Bevölkerung so für diese Erkrankung zu sensibilisieren.

Metastasierter Brustkrebs

× Rund 10 Prozent der Brustkrebsbetroffenen haben schon bei der Diagnose Metastasen.

× Metastasierter Brustkrebs ist fast nie heilbar.

× Das Fortschreiten der Krankheit lässt sich aber mittlerweile über mehrere Jahre bremsen oder gar zum Stillstand bringen.