Deshalb wird den Früherkennungsuntersuchungen eine grosse Bedeutung beigemessen. «Diese beginnt bereits bei der Tastuntersuchung, welche jede Frau ab Teenageralter durchführen sollte. Später kommt dann das Brustkrebsscreening mittels Mammografie hinzu», so Winkelmann.

Seit einigen Jahren werden in verschiedenen Schweizer Kantonen Brustkrebs-Früherkennungsprogramme für Frauen ab 50 Jahren durchgeführt, sogenannte Mammografie-Screenings. «Bei einer Mammografie sind bereits ganz kleine Tumore sichtbar, lange bevor sie mit der Hand spürbar oder durch andere Symptome erkennbar sind », erklärt die Gynäkologin.

Die meisten Befunde sind unauffällig

Bei der grossen Mehrheit der Frauen, die eine Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs durchführen lassen, zeigen sich keine verdächtigen Veränderungen. So gibt es von 1000 Resultaten 950 unauffällige Befunde. 50 Befunde sind auffällig.

Hier sind dann weitere medizinische Abklärungen notwendig. «Diese Zeit vom auffälligen Befund bis zur endgültigen Diagnose ist für die Frau oftmals sehr belastend. Denn in der Mammografie wird nicht immer klar ersichtlich, ob eine Auffälligkeit gut- oder bösartig ist, und es sind weitere Abklärungen notwendig.» In den meisten Fällen stellt sich jedoch heraus, dass die Veränderungen gutartig sind und kein Brustkrebs vorliegt.

Bei 7 Frauen wird Brustkrebs festgestellt. Steht die Diagnose, ist für die Frau wichtig, dass die jeweiligen Spezialisten wie Radiologen, Gynäkologen, Onkologen, Pathologen und plastische Chirurgen zusammenarbeiten. «Bei uns gibt es dazu sogenannte Tumorboards. Dabei wird im Beisein aller Spezialisten jeder einzelne Fall besprochen und das weitere Vorgehen festgelegt. Während den folgenden Therapieschritten erfolgt stets eine enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Spezialisten», so Winkelmann.

Rekonstruktion der Brust

Sinn und Ziel einer Brustkrebs-Früherkennung ist es, möglichst eine brust­erhaltende Therapie anzustreben. Ist der Brustkrebs aber bereits sehr ausgedehnt, muss in den meisten Fällen die Brust amputiert werden. «Für eine Frau bedeutet das ein tiefer Einschnitt in ihre Weiblichkeit und in vielen Fällen wünscht sich die Frau eine Rekonstruktion ihrer Brust», sagt Thomas Fischer, Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie am Brustzentrum Bern.

Und dazu stehen heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. «Grundsätzlich gibt es verschiedene Techniken der Brustwiederherstellung. Hier wird individuell mit der Frau geschaut, welche Lösung für sie die beste ist», so Fischer. Dabei wird unterschieden, ob der Brustaufbau unmittelbar im Anschluss an die Tumor­operation erfolgt oder ob die Brust zuerst entfernt und erst einige Zeit später wiederhergestellt wird.

Zur Rekonstruktion der Brust kann man Silikon-Implantate verwenden. «Damit das Implantat Platz unter der Haut hat, ist es manchmal notwendig, das Gewebe vorher zu dehnen. Dies erfolgt mit einem sogenannten Expander, den man sich wie einen Ballon, der immer weiter aufgeblasen wird, vorstellen kann», erklärt Fischer.

Eine weitere, sehr gute Möglichkeit der Brustrekonstruk­tion ist jene mit körpereigenem Gewebe. «Hier besteht die Brustrekonstruktion darin, das fehlende Brustgewebe durch körpereigene Haut-Muskel-Lappen aus dem grossen Rückenmuskel, oder am besten mit einem Haut-Fettlappen vom Unterbauch zu ersetzen», so der Chirurg. Eine moderne Alternative zur Brustamputation ist die hautsparende Brustdrüsenentfernung.

Hierbei werden nur die Brustwarze und der Warzenhof entfernt. «Die Brust wird dann wortwörtlich ausgeschält und direkt wieder künstlich aufgefüllt. Diese Methode eignet sich für Frauen, bei denen die Brustdrüse komplett entfernt werden muss, die Brusthaut aber vom Krebs noch nicht befallen ist», so Fischer abschliessend.