Wir leben in einer Zeit enormer Fortschritte in der Behandlung von Krebs: So zeitigen etwa die im Moment intensiv erforschten Immuntherapien beim schwarzen Hautkrebs, beim Blasen-, Lungen- sowie beim Lymphdrüsenkrebs und bei Leukämien schon erste spektakuläre Erfolge, die hoffentlich schon bald auch auf andere Krebsarten ausgeweitet werden können.

Grosse Fortschritte sind aber auch im Bereich der Krebsvorsorge verwirklicht worden. So ist heute beispielsweise klarer denn je, dass regelmässige Bewegung – eine halbe Stunde pro Tag genügt – nicht nur vor Krebs schützt, sondern auch Krebserkrankten hilft, die Therapie besser zu vertragen und das Rückfallrisiko zu senken.

«Es liegt an uns allen – an jedem von uns – Verantwortung zu übernehmen und sich materiell und persönlich zu engagieren»

Ausserdem erlauben die neuen molekularbiologischen Technologien einen immer genaueren Blick auf das Krankheitsgeschehen und damit eine bessere Früherkennung und Diagnostik von Tumoren.

Insgesamt gesehen führen alle diese Fortschritte dazu, dass sowohl die Überlebenschancen wie auch die Lebensqualität der Krebsbetroffenen zunehmen.

Weniger erfreulich ist, dass wir zwar die Komplexität der Krebserkrankungen immer besser erfassen, dass es gleichzeitig aber immer aufwendiger und kostenintensiver wird, aus den umfassenden Erkenntnissen einen Nutzen für die einzelne Patientin und den einzelnen Patienten herauszufiltern.

Hinzu kommt, dass die Bevölkerung in der Schweiz zusehends älter wird. In Zukunft ist deshalb damit zu rechnen, dass mehr Menschen an Krebs erkranken. Auch die Zahl der sogenannten «Cancer Survivors» dürfte weiterhin steil steigen: In der Schweiz leben heute 300000 Personen, die eine Krebsbehandlung hinter sich haben, doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren.

Die wachsende Zahl von Krebsbetroffenen stellt eine Herausforderung für unser Gesundheitssystem dar, die nur mit vereinten und klug koordinierten Kräften zu meistern sein wird.

Glücklicherweise haben alle Beteiligten – von den Krebsorganisationen, den Fachgesellschaften und Berufsverbänden über die Forschungsinstitutionen bis hin zu den Behörden von Bund und Kantonen – den Koordinationsbedarf erkannt und in der «Nationalen Strategie gegen Krebs» (Website) die wichtigsten Handlungsfelder definiert.

Unter der operativen Federführung der Krebsliga Schweiz hilft diese Strategie, die beteiligten Kräfte zu bündeln und sie in eine gemeinsame Richtung zu lenken.

Trotz der allgemeinen Aufbruchsstimmung gibt es aber immer noch Krebserkrankungen wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs oder aggressive Hirntumore, bei denen bisher leider noch keine substanziellen Fortschritte verzeichnet werden konnten.

Besonders stossend ist die Tatsache, dass Patientinnen und Patienten mit seltenen Tumoren – und in diese Kategorie fallen auch Kinder, die an Krebs erkranken – doppelt benachteiligt sind: Erstens beachtet die forschende Industrie solche Krankheiten weniger, weil hier keine grossen Gewinne winken. Und zweitens verweigern die Krankenkassen oft die Kostenübernahme für potenziell wirksame Medikamente, weil Studiendaten fehlen, die die Wirkung belegen.

Wünschenswert wäre ein neues Bezahlmodell: Die Pharmafirmen sollten die Medikamente zur Verfügung stellen, und die Krankenkassen sollten die Kosten übernehmen, wenn die Therapie anschlägt.

Gerade für Personen mit seltenen Tumoren ist es wesentlich, dass die (über längere Zeit sträflich vernachlässigte) pharmaunabhängige, sogenannte «akademische» klinische Forschung heute wieder stärker gefördert wird.

Der Stiftung Krebsforschung Schweiz – und den von ihr unterstützten nichtkommerziellen Krebsforschungsorganisationen wie etwa der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK), der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe (SPOG) oder dem Nationalen Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (NICER) – geht die Arbeit in nächster Zeit nicht aus, im Gegenteil: Es gilt, die immer wichtiger werdenden Fragestellungen zu den Kosten-Nutzen-Analysen und zur Optimierung der medizinischen Versorgung praktisch im Alleingang zu stemmen.

Damit diese Organisationen auch weiterhin ihrer bedeutsamen Arbeit nachgehen können, ist die Zivilgesellschaft gefragt. Es liegt an uns allen – an jedem von uns –, hier Verantwortung zu übernehmen und sich materiell und persönlich zu engagieren.