Der PSA-Test spaltet die Gemüter

Dank dem PSA-Test lässt sich Prostatakrebs heute frühzeitig erkennen. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr der Überdiagnose und Übertherapie sehr früher Tumoren.

Die einen preisen ihn als potenziell lebensrettend an, andere sind überzeugt, dass er mehr schadet als nützt.

Tatsächlich kann es zu einer Übertherapie sehr früher  oder nicht aggressiver Tumoren, die zu Lebzeiten nie Probleme gemacht hätten, kommen.

Gleichzeitig ist der PSA-Test aber der bislang günstigste und beste Weg, um Prostatakrebs möglichst früh zu diagnostizieren.

«Wird dieser Test weniger eingesetzt, dann gibt es mehr fortgeschrittene Prostata-Tumoren», ist Max Lippuner, Präsident der nationalen Dachorganisation gegen Männerkrebs Europa Uomo Schweiz, überzeugt.

Denn das Tückische an Prostatakrebs ist, dass die Tumorentwicklung oft symptomlos verläuft und erste Anzeichen häufig Knochenschmerzen aufgrund von Knochenmetastasten sind.

«Ein Wegfall oder eine Reduktion des PSA-Tests würde eine massive Zunahme von Patienten mit Knochenmetastasen bedeuten», so Lippuner. Dann aber ist es für heilende Therapien zu spät.

Genauere Prognose dank Genexpressionstest

Prostatakrebs wächst in der Regel eher langsam und oft dauert es Jahre, bis Beschwerden auftreten. Das heisst aber nicht, dass Prostatakrebs immer ungefährlich verläuft: In der Schweiz sterben jährlich rund 1300  Männer daran.

Doch woher weiss man, ob ein Tumor lebensbedrohlich ist oder eher harmlos? «Um zu beurteilen, wie aggressiv der Tumor ist, wird der Krebs in verschiedene Risikoklassen eingeteilt», erklärt Max Lippuner.

Die Risikoklasse wird anhand des TNM-Stadiums, des Gleason-Scores (Aggressivität), des Anteils an Tumorzellen in den Biopsien, der MRT-Aufnahme sowie des PSA-Wertes ermittelt.

Auch das Alter des Patienten spielt eine zentrale Rolle. Zudem gibt es heute Genexpressionstests, die eine Einschätzung des Risikos verbessern und die Therapiewahl erleichtern können. Mit dem Test kann die Aggressivität des Tumors zusätzlich beurteilt werden.

«Dank dem Genexpressionstest kann gezielter entschieden werden, wann eine aktive Beobachtung ausreicht oder eine sofortige Operation erfolgen sollte», sagt Max Lippuner.

Übertherapie vermeiden

«Die meisten Ärzte haben heute erkannt, dass sie sehr individuell beurteilen müssen, bei welcher Krebsvariante welche Behandlung bei welchem Patienten am aussichtsreichsten ist», weiss Lippuner.

Dazu kann auch der Entschluss gehören, dass gar nicht behandelt wird. Bei etwa 40 Prozent der Patienten ist der Tumor so klein und wächst so langsam, dass eine «aktive Beobachtung», das heisst engmaschige ärztliche Kontrollen über längere Zeit, ausreicht.  

Zudem ist das Lebensalter des Patienten ein entscheidender Faktor, ob behandelt werden muss. Besteht eine Lebenserwartung von unter zehn Jahren, wird mehrheitlich empfohlen, den zumeist langsam wachsenden Prostatakrebs nicht zu behandeln. 

Darüber hinaus ist es wichtig, dass aggressive Krebsvarianten mit der auf das Risikoverhalten und die Lebensqualitätsprioritäten der jeweiligen Patienten abgestimmten Therapie behandelt werden.