Christine E. (Name von der Redaktion geändert) entdeckte den Knoten in der Brust beim Duschen. «Ich wusste sofort, dass da etwas nicht stimmt», erinnert sich die 56-jährige Devisenspezialistin. Der Befund ihrer Gynäkologin brachte die Gewissheit: Christine E. war an Brustkrebs erkrankt.

Der Tumor sass in der linken Brust und musste unverzüglich behandelt werden. Nach der Operation folgte eine Chemotherapie. Heute unterzieht sich Christine E. einer Antihormonbehandlung mit einem Medikament aus der Gruppe der Aromatasehemmer, das zur unterstützenden Therapie des hormonabhängigen Brustkrebses eingesetzt wird.

Enorm profitiert

Fast alle Frauen mit Brustkrebs werden heute operiert. Oft lässt sich der Tumor entfernen, ohne dass die Brust abgenommen werden muss. Bei Christine E. konnte allerdings nicht brusterhaltend operiert werden. Sie trägt heute eine abnehmbare Prothese aus Silikon.

Später, sagt sie, überlege sie sich, ob sie die Brust mit körpereigenem Gewebe wieder aufbauen lassen will. In der schwierigen Phase nach der Operation habe sie enorm von der Beratung durch die ausgebildete Breast-Care Nurse profitieren können und durch die Unterstützung einer Psychologin, blickt sie zurück. «Sie haben mir mit Einfühlungsvermögen und ganz praktischen Tipps entscheidend geholfen, mit den eigenen Ressourcen immer besser umgehen zu können.» Auch die Gespräche mit andern betroffenen Frauen während des Spitalaufenthalts hätten ihr gut getan. Das sei die beste Hilfe zur Selbsthilfe gewesen, sagt Christine E.

Neue Labortests

Bei der Unterstützung brustkrebsbetroffener Frauen habe man viel dazugelernt, betont der Facharzt Christoph Rageth. Heute gebe es zahlreiche Unterstützungsangebote. Hinzu kommt, dass die Medikamente, die zur Bekämpfung der Nebenwirkungen bei der Chemotherapie eingesetzt werden, kontinuierlich verbessert wurden. Neue Hoffnung bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie versprechen spezielle Labortests.

Für deren Entwicklung wurden Gewebeproben von Frauen genetisch untersucht, die vor mehr als zehn Jahren an Brustkrebs erkrankten, keine Chemotherapie erhielten und bis heute keinen Rückfall erlitten. Die genetische Struktur dieser Frauen dient nun als «Schablone», um das Risiko aktueller Patientinnen anhand von Gewebeproben einzuschätzen. Da das weibliche Geschlechtshormon Östrogen das Wachstum bei vielen Brusttumoren fördert, werden die betroffenen Frauen zusätzlich mit speziellen Medikamenten behandelt. «Diese Antihormontherapie mindert das Risiko, dass es nach der Therapie zu einem Rückfall kommt», erläutert Rageth.

Frauen könnten einiges dazu beitragen, ihr Brustkrebsrisiko möglichst gering zu halten, sagt der Facharzt. Wer Übergewicht vermeidet, nicht raucht, auf eine ausgewogene Ernährung achtet und für genügend Bewegung sorgt, vermindere die Risikofaktoren. Zur Früherkennung werden zudem ab dem 50. Lebensjahr regelmässige Mammografie-Untersuchungen empfohlen.