In der Schweiz erkranken jedes Jahr 200 bis 220 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an Krebs. Knapp die Hälfte davon ist jünger als vier Jahre. Die häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern sind Leukämien, Tumoren im Hirn und Rückenmark, Lymphome, Tumoren des sympathischen Nervensystems sowie Weichteil-, Nieren-, Knochen- und Augenkrebs.

«Es gibt verschiedenste Symptome, die auf eine Krebserkrankung bei einem Kind hindeuten können. Diese müssen interdisziplinär und detailliert abgeklärt werden», betont der Facharzt Heinz Hengartner vom Ostschweizer Kinderspital.

Leukämie und Hirntumor sind häufig

Am häufigsten sind Kinder von Leukämien und Hirntumoren betroffen. Bei der Leukämie ist die Bildung der weissen Blutkörperchen gestört: Die noch unreifen Zellen teilen sich zu rasch und überschwemmen den Körper. Ihre eigentlichen Aufgaben können sie gleichzeitig nicht mehr richtig wahrnehmen. Sie hindern sogar andere Zellen bei lebenswichtigen Funktionen.

Hirntumoren sind gutartige oder bösartige Wucherungen im Gehirn, in den Hirnwasserräumen, den Hirnhäuten oder den Hirnnerven. Anzeichen sind oft ein unsicherer Gang, Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen und manchmal auch Lähmungen oder eine Wesensveränderung beim Kind.

Umfassende Betreuung

Für die Eltern betroffener Kinder bedeutet die Diagnose Krebs einen Schock, verbunden mit Ängsten und Unsicherheit. «Wenn sie mit ihrem Kind zum ersten Mal zu uns kommen, ist dies eine enorme Belastung für die ganze Familie», sagt Hengartner. Wichtig sei in dieser Situation die Nähe der Eltern. In vielen Spitälern können der Vater oder die Mutter auch während der Nacht bei ihrem kranken Kind sein.

Das Kind selber kann vertraute Spielsachen, das eigene Kissen oder zum Beispiel seine Lieblingsbücher mitnehmen. Entscheidend sei, dass alle Beteiligten, das heisst Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen und die betroffenen Familien, einen offenen Umgang miteinander haben, so Hengartner.

Anlaufstelle

«Wir erklären den Eltern die Funktion des Blutes, machen sie auf mögliche Nebenwirkungen der Therapie aufmerksam und erläutern ihnen den meist sehr komplexen Ablauf der Behandlung», betont der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin weiter. Mit all diesen Massnahmen soll gewährleistet sein, dass die Eltern während der ganzen Therapie eine Anlaufstelle haben und gleichzeitig den Alltag zu Hause besser bewältigen können.

Entscheidende Fortschritte

«In der Schweiz können heute rund drei Viertel aller Kinder, die an Krebs erkranken, geheilt werden», sagt Hengartner. Bei Kindern stehen prinzipiell dieselben Therapieoptionen zur Verfügung wie bei Erwachsenen, also in erster Linie Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Nach Möglichkeit werden alle Kinder in internationalen Studienprotokollen erfasst.

Bei der Krebstherapie von Kindern hat die Forschung in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte erzielt. Gemäss Bundesamt für Statistik starben in der Schweiz in den Jahren 2000 bis 2005 im Durchschnitt jedes Jahr 36 Kinder an den Folgen einer Krebserkrankung, im Vergleich zu etwa 45 Kindern Mitte der 1990er-Jahre.