Den Krebs gibt es nicht. «Heute zählen wir über 200 verschiedene Krebserkrankungen. Drei Viertel der Patienten leiden an häufigen Tumoren, ein Viertel haben einen seltenen Tumor», sagt der Krebsspezialist Thomas Cerny. Jeder Krebs sei ein Einzelfall, ebenso jeder Patient, betont Cerny: «Die molekulare Signatur ist bei jedem Patienten individuell.»

Bekannt ist schon lange, dass nicht alle Patienten gleich gut auf eine Therapie ansprechen. Das liegt daran, dass jeder Mensch seine ganz eigene genetische Ausstattung aufweist.

Dies führt dazu, dass die gleiche Krankheit bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Ursachen haben kann oder dass Medikamente auf verschiedene Art und Weise vom Körper verarbeitet werden. «Die unterschiedlichen Krankheitsursachen zu identifizieren und dementsprechend die Behandlung anzupassen, ist Ansatz der personalisierten Medizin», erklärt Cerny.

Entscheidend für den Erfolg

Basis der massgeschneiderten Krebstherapie sind deshalb neue diagnostische Methoden wie die molekulargenetische Untersuchung von Tumorgewebe oder Blut. Gesucht wird nach besonderen Veränderungen, welche die Tumorzelle charakterisieren und die auch Ursache des Tumorwachstums sind.

«Die Fortschritte der molekulargenetischen Krebsforschung zeigen uns, dass manche Krebserkrankungen, die bisher als Einheit verstanden wurden, sich in immer mehr Untergruppen aufteilen lassen», betont Cerny. Dies sei entscheidend für den Erfolg von Therapien: «Wenn man weiss, welcher Untergruppe ein Patient angehört, kann man ihn viel gezielter behandeln.» Diese zunehmende Individualisierung der Krebsbehandlungen erspare vielen Patienten unwirksame Therapien und die damit verbundenen Nebenwirkungen.

Auch Menschen mit seltenen Tumorerkrankungen (sogenannte «orphan diseases») würden von dieser Entwicklung profitieren, so Cerny. Früher gab es zu diesen Krankheiten kaum Studien und daher auch oft keine guten Behandlungen. «Jetzt besteht die Chance, bei einzelnen Patienten die therapierelevanten Zielstrukturen zu finden und dann das dafür wirksamste Medikament anzuwenden, ein entscheidender Fortschritt in der Therapie», betont Cerny.