Eben noch gesund, trifft einen die Diagnose wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Oder um einen meiner Patienten zu zitieren: «Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr wie vorher, der Boden wird einem unter den Füssen weggezogen.»

Psychologischer Support von Spezialisten

Es geht darum, Patienten in solchen Situationen mit einem ganzen Team von Spezialisten unter Einbezug von Familie und Freunden aufzufangen. In Tumorzentren wird dieser multidisziplinäre, interprofessionelle Ansatz gelebt.

Dabei sind die Ängste und Befürchtungen von Patienten, aber auch der Angehörigen ernst zu nehmen. So wie jeder Sportler heute einen Mental Coach braucht, um erfolgreich zu sein, benötigen auch Tumorpatienten psychologischen Support durch Fachkräfte und ihre Familien.

Der Kampf gegen den Krebs ist mit einem harten Velorennen zu vergleichen: Fahren muss der Patient. Wir als Betreuer, Angehörige und Freunde können nur zum richtigen Zeitpunkt mit dem Getränk oder der Banane am richtigen Ort stehen, um den Kämpfenden maximal zu unterstützen.

Gerade unter diesem Aspekt wurden verschiedene Events wie «Race for Life» oder «Pink Ribbon» ins Leben gerufen. «Hey Krebs, dieses Rennen verlierst du!», lautet das Motto. Das dabei gesammelte Geld kommt vollständig den Krebsbetroffenen und der Krebsforschung zugute.

Auch ich selbst war mit dem Team SAKK (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung) unterwegs, um meinen Teil zur Unterstützung aller Patienten beizutragen.

Grosse Anstrengungen in der Forschung sind notwendig

Neue Wunderwaffen wie zielgerichtete Tablettenbehandlungen, die Tumorzellen mit minimalen Kollateralschäden abschalten, sind ebenso wichtig wie die Aktivierung des eigenen Immunsystems gegen die Tumorzellen.

Beide Mechanismen werden heute extensiv erforscht und es zeigen sich erste fantastische Resultate. Verläufe, bei denen wir noch vor zehn Jahren von einem Wunder sprachen, kommen in der klinischen Routine immer häufiger vor.

Und es gibt für einen Onkologen nichts Schöneres, als in die glücklichen Augen eines geheilten Patienten zu schauen und mit ihm und seiner Familie die Freude über ein zweites Leben teilen zu dürfen.

Aber wie geht es nach der Heilung weiter? Welche Probleme bewegen einen Krebsüberlebenden? Hier gilt es, mit spezifischen Programmen die Bedürfnisse dieser Menschen besser abzudecken.

Auch die Menschen, mit denen es das Schicksal weniger gut meint und die keine Heilung erfahren, müssen in unserem Fokus bleiben.

Es geht darum, die Lebensqualität hoch zu halten, Symptome wie Schmerzen zu verhindern oder optimal zu behandeln, damit ein menschenwürdiges Leben auch mit Krebs möglich ist. 

Die Forschung geht weiter

Sind mit den aktuellen Entwicklungen alle Probleme gelöst und können wir getrost die gesamte Forschung der Pharmaindustrie überlassen? Mitnichten.

Es geht auch darum, bereits bekannte Medikamente weiterzuentwickeln, besser zu brauchen und neue Indikationen zu prüfen.

Solche Aufgaben übernehmen unabhängige Non-Profit-Forschungsnetzwerke wie die SAKK. So konnte ein Forscher des SAKK-Netzwerks zeigen, dass ein altes HIV-Medikament sehr gut gegen einen speziellen Blutkrebs im Knochenmark (Myelom) wirkt.

Weitere Studien mit alten Antidiabetesmitteln sowie mit Aspirin sind aktuell am Laufen und sollen uns Auskunft darüber geben, in welchem Ausmass sie wirken.

Pharma-Fünfer

Um nicht gewinnorientierte Forschung mit billigen Medikamenten, die keinen Patentschutz mehr geniessen, zu ermöglichen, braucht es Geld – leider viel Geld.

Und hier sehe ich unseren Staat und die Krankenkassen in der Pflicht, Unterstützung zu bieten.

Eine Möglichkeit zur Finanzierung wäre der «Pharma-Fünfer»: Jedes Medikament wird dabei mit fünf Rappen belastet. Dieses Geld fliesst in die Erforschung alter Substanzen und in die Dosisoptimierungen bekannter Substanzen.

Auf diese Weise entwickelte Medikamente können billig abgegeben werden und so zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen beitragen.

Gemeinsam das Ziel erreichen

Sie sehen, das Problem Krebs ist sehr vielschichtig. Nur mit einem gemeinsamen Effort aller Beteiligten und dem festen Willen, dieses Rennen gegen den Krebs zu gewinnen, erreichen wir das Ziel. In dieser Kampagne finden Sie umfassende Informationen zu diesen Themen, damit wir alle lernen, besser mit dieser Erkrankung umzugehen.