Der Schilddrüsenkrebs ist ein relativ seltener, bösartiger Tumor, der mehrheitlich bei Frauen vorkommt. Die Erkrankung wird in vier verschiedene Formen eingeteilt: Am häufigsten sind die gut differenzierten Arten, wie der papilläre und follikuläre Schilddrüsenkrebs. Weitaus seltener treten medulläre und anaplastische Krebsformen auf. «Gut differenziert bedeutet, dass die Krebszellen unter dem Mikroskop den gesunden Schilddrüsenzellen ähneln. Diese Formen wachsen relativ langsam und sprechen positiv auf die Behandlung an.

Schlecht differenzierte Formen verhalten sich aggressiver», erläutert Urs Zingg, Chefarzt Chirurgische Klinik am Spital Limmattal in Schlieren. Zu den bisher bekannten Risiken für einen Schilddrüsenkrebs zählen der Zustand nach einer Halsbestrahlung und bestimmte genetische Erkrankungen. Bei einem Schilddrüsenkarzinom treten Beschwerden meist erst dann auf, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist. «Manche Patienten ertasten den Tumor oder bemerken angeschwollene und verhärtete Lymphknoten», so Zingg.

Gute Heilungschancen

Diagnostiziert wird ein Schilddrüsenkrebs mittels Ultraschall mit Feinnadelpunktion. Dabei wird mit einer feinen Nadel aus dem verdächtigen Knoten etwas Gewebe entnommen und auf Krebszellen untersucht. Nicht immer kann so die Diagnose gestellt werden, und nur eine Entfernung der befallenen Seite ergibt den definitiven Befund. Zusätzlich kann eine sogenannte Szintigraphie durchgeführt werden.

«Zu diesem Zweck wird schwach radioaktives Jod über eine Vene verabreicht, das von der Schilddrüse gespeichert wird. In der nachfolgenden Szintigraphie-Aufnahme zeigt sich ein krebsverdächtiger Knoten als kalter Knoten, der kein Jod aufnimmt», erklärt Zingg. Computertomographie und MRI sind seltener indiziert. Die Behandlung der meisten Formen von Schilddrüsenkrebs umfasst primär eine Operation, gefolgt von einer inneren Bestrahlung. Die operierten Patienten nehmen dabei radioaktives Jod auf, das sich in verbliebenen Tumorresten oder Ablegern anreichert und den Krebs zerstört.

Die meist notwendige Hormontherapie versorgt die Patienten mit Schilddrüsenhormonen, die sie bei entfernter Schilddrüse nicht mehr selber bilden können. Die Heilungsaussichten von Schilddrüsenkrebs hängen von der Art und vom Stadium des Tumors ab, sind im Allgemeinen jedoch gut. «Bei unproblematischen Tumoren liegt die Heilungsrate bei über 90 Prozent», betont Zingg, der bei jedem Eingriff selbst am OP-Tisch steht.

Modernster Nervenstimulator

Je früher der Krebs diagnostiziert und behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen. In der Regel werden die gesamte Schilddrüse sowie die umliegenden Halslymphknoten entfernt. «Bei der Beurteilung und Therapie des Tumors arbeiten wir eng mit Endokrinologen und Nuklearmedizinern zusammen», sagt Zingg. Dank optimierter Operationstechniken konnte die Schnittlänge entlang der Haut wesentlich reduziert werden.

«So erzielen wir nicht nur ein kosmetisch besseres Ergebnis, sondern auch weniger Wundschmerzen und eine rasche Erholung», bilanziert Zingg. Am Spital Limmattal werden Schilddrüseneingriffe mit der Lupenbrille sowie mit dem zurzeit modernsten Nervenstimulator durchgeführt. Dieser erlaubt eine Überprüfung der Leitbahnen der stimmbandversorgenden Nerven. Wichtig sind Nachsorgeuntersuchungen, um einen eventuellen Rückfall oder das Auftreten von Ablegern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

«Die Nachkontrollen dienen zudem zur optimalen Einstellung der Schilddrüsenhormone», erklärt Urs Zingg. Bei gutem Verlauf werden die Nachsorgeintervalle immer grösser, so dass viele Betroffene schon bald wieder ein nahezu völlig normales Leben führen können.