Die akute myeloische Leukämie kann zwar in allen Altersgruppen vorkommen, tritt jedoch gehäuft in höherem Alter auf. «Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren», sagt der Hämatologe Prof. Markus G. Manz.  

In der Schweiz gibt es jährlich 300 bis 400 Neuerkrankungen. «Die Zahlen haben in den letzten Jahren zwar zugenommen. Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, dass die Menschen immer älter werden», so Manz.

Mangel an gesunden Blutkörperchen

Bei AML ist der normale Reifungsprozess der Blutzellen gestört und es findet im Knochenmark eine unkontrolliert gesteigerte Produktion von unreifen weissen Blutkörperchen statt.

Die Vermehrung von unreifen Zellen im Knochenmark führt dazu, dass letztlich die gesunde Blutbildung nicht mehr ausreichend stattfinden kann. Die Symptome entstehen durch diese gestörte Blutbildung. «Werden nicht genügend rote Blutkörperchen gebildet, kommt es zur Blutarmut und einem Einbruch der Leistungsfähigkeit», erklärt Manz.

Die weissen Blutzellen sind verantwortlich für die Immunabwehr. Ein Mangel an gesunden, weissen Blutkörperchen kann zu schweren Infekten führen. Thrombozyten wiederum sind für die Blutgerinnung eine wichtige Komponente.

Wenn diese nur mangelhaft gebildet werden, kann es zu schweren Blutungskomplikationen kommen. Die Beschwerden entwickeln sich oft sehr plötzlich, weswegen man von einer akuten Erkrankung spricht.

«AML zeigt in der Regel einen aggressiven und schnellen Verlauf. Für den Patienten bedeutet die Erkrankung zunächst eine lebensbedrohliche Situation, welche sofort behandelt werden muss», betont der Hämatologe.

Behandlungsformen bei AML

Dabei kommen, je nach Alter und Gesundheitszustand des Patienten, verschiedene Behandlungsformen zum Einsatz. Die kurative Behandlung hat eine Heilung zum Ziel. «Wichtigster Bestandteil der kurativen Therapie ist eine sehr intensive Chemotherapie.

Bei manchen Patienten wird zudem eine Stammzelltherapie durchgeführt», so Prof. Manz. Diese Behandlungsform setzt jedoch einen sehr guten Allgemeinzustand des Patienten und das Fehlen von schwerwiegenden Begleiterkrankungen voraus.

Bei älteren, geschwächten Menschen kann diese Behandlungsform häufig nicht eingesetzt werden und man wendet eine palliative Therapie an. Diese hat die Lebensverlängerung unter bestmöglichem Erhalt der Lebensqualität zum Ziel.

«Wichtigster Bestandteil der palliativen Therapie ist eine weniger intensive Chemotherapie mit möglichst gut verträglichen Medikamenten.» Damit soll eine Kontrolle der Erkrankung durch Verminderung der Leukämiezellen im Knochenmark und im Blut erreicht werden.

Als erfolgreich hat sich in den letzten Jahren die sogenannte epigenetische Therapie erwiesen.

Hoffnung: epigenetische Therapie

Heute weiss man, dass die Regulierung von Genen in Tumorzellen ausser Kontrolle gerät und eine Zelle dadurch bösartig werden kann.

Eine epigenetische Therapie hat das Ziel, die bei AML auftretenden Veränderungen im Bereich der Genregulation wieder in den Ursprungszustand zurückzuführen. 

Damit kann die Erkrankung zwar nicht geheilt werden, ist jedoch für einige Zeit sehr gut kontrollierbar.

Zudem ist eine epigenetische Therapie deutlich verträglicher als eine Chemotherapie. Leukämie ist die Krebsart, die bisher im Zusammenhang mit epigenetischer Therapie am besten erforscht ist.